Saar-"Tatort": Rollerfahrer trifft Höllenengel
Sonntagskrimi Der Saar-"Tatort" im Schnellcheck
Was ist das Thema?
Böse, böse Rocker terrorisieren Saarbrücken. Geschäfte mit einer neuen Modedroge namens "Paradies", Kontrolle über die hübsch heruntergekommenen Puffs der Stadt, Wasserfolter an Verrätern in den eigenen Reihen - die Brutalität unter den kriminellen Bikern ist enorm. Doch Stellbrink (Devid Striesow), der ewig verständnisvolle Kommissar, findet bald heraus: Die bösen, bösen Jungs wollen nur kuscheln.
Wie blutig ist die neue Folge?
Arme wie Keulen schlagen reichlich Beulen. Hier gibt es viel Blut, Schwellungen und offene Wunden - Schrecken verbreitet diese Kasperle-Ausgabe einer Biker-Gang trotzdem nicht
Der sonderbarste Auftritt?
Claude-Oliver Rudolph als Biker "Rüde". Ein zerknautschter Kloß, der vor dem Lagefeuer kleine Würste grillt. Abgang nach Minute zehn, Genickbruch. Schon wieder kein großes Comeback für Querschläger Rudolph.
Gibt's einen gesellschaftspolitischen Auftrag?
Selbstverständlich. Hier soll vor den Gefahren der Organisierten Kriminalität gewarnt werden, wie sie zurzeit von den Hells Angels und anderen Rockern repräsentiert wird. Mission leider nicht erfüllt: Die Kutten-Klamotte mit ihrer freiwilligen und unfreiwilligen Komik will nicht zünden.
Wie steht's mit der Komik?
Vorhanden. Irgendwie. Sie finden einen Kommissar im Kleiderschrank und Brutalos mit Minderwertigkeitskomplexen lustig? Dann sind Sie hier richtig. Aber nur dann.
Und: Können wir das alles glauben?
Nein. Trotz der vielen Anspielungen an reale Rockergangs bleibt der Krimi unglaubwürdig.
Lohnt das Einschalten?
Nein. Die zweite Episode mit Devid Striesow bestätigt leider nur den Eindruck der desaströsen ersten: Der Relaunch des Saar-"Tatorts" ist gescheitert.
Wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?
"Tatort: Eine Handvoll Paradies", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Unsere Kollegen Arno Frank und Mike Glindmeier kommentieren heute den "Tatort" live für SPIEGEL ONLINE.