Wichtigste deutsche TV-Ehrung Sarah Bosetti und »Sam – Ein Sachse« erhalten Grimme-Preise
Sarah Bosetti in ihrer Late-Night-Show: Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung
Foto: Fabian Maar / ZDFIn diesem Jahr werden die Grimme-Preise zum 60. Mal verliehen, sie gelten als die renommierteste deutsche TV-Ehrung. Wie in vielen Jahren zuvor zeichnen sich erneut viele der ausgezeichneten Produktionen durch gesellschaftspolitische Themen aus. Nun wurden die Gewinner bekannt gegeben.
In der Kategorie Fiktion erhält »Sam – Ein Sachse« eine Auszeichnung. Es ist die erste deutsche Produktion für den Streamingdienst Disney+. Auch inhaltlich setzt der Siebenteiler neue Maßstäbe: Es ist die erste deutsche Serie, die mit einem überwiegend afrodeutschen Ensemble inszeniert wurde. Erzählt wird darin die wahre Geschichte von Samuel Meffire, dem ersten schwarzen Polizisten in Ostdeutschland, der später ins kriminelle Milieu abrutschte. Die Serie ist Wendedrama, Rassismusstudie und Gangsterthriller in einem .
Auch das prämierte ZDF-Drama »Tamara« spielt vor einem ostdeutschen Hintergrund – es erzählt von einer Frau, die aus Westdeutschland in die ostdeutsche Provinz heimkehrt. In dem #MeToo-Drama »Nichts, was uns passiert« , das in der ARD lief und ebenfalls ausgezeichnet wird, geht es indes um einen sexuellen Übergriff im Universitätsumfeld und die spätere Deutungshoheit über den Vorfall. Der Film erhält auch den Preis der Studierenden-Jury.
Einen Spezialpreis bekommt die experimentelle Webserie »Haus Kummerveldt« von Arte, die von einer weiblichen Selbstermächtigung im 19. Jahrhundert erzählt und dabei spielerisch Geschichte und aktuellen Pop vermischt.
Schwacher Jahrgang?
Insgesamt wurden von der Fiktion-Jury nur vier von fünf möglichen Preisen vergeben. Ein Hinweis darauf, dass der Jahrgang in seiner Gesamtheit möglicherweise schwach war.
Auch in der Kategorie Unterhaltung wurde das Preiskontingent nicht ganz ausgeschöpft. Geehrt werden lediglich Sarah Bosetti für ihre »Bosetti Late Night« bei ZDF und 3sat sowie Anna Dushime für ihr in der ARD-Mediathek abrufbares neues Talkformat »Der letzte Drink mit Anna Dushime«.
In der Sektion Information & Kultur wird unter anderem die Dokumentation »Drei Frauen – Ein Krieg« über Kriegsreporterinnen im Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet. Der vom RBB, WDR und von Arte produzierte Film erhält auch den Publikumspreis der Marler Gruppe.
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Des Weiteren erhalten die Reportage »Ukraine – Kriegstagebuch einer Kinderärztin« (RBB/Arte) über eine Anästhesistin Vira Primakova auf der Intensivstation eines Kinderkrankenhauses im westukrainischen Lwiw sowie die Musikdokumentation »Songs of Gastarbeiter – Liebe, D-Mark und Tod« (WDR/RBB/Arte) Ehrungen.
Über die Auszeichnung für die Besondere Journalistische Leistung kann sich die ARD-Journalistin Katharina Willinger freuen, die von der Jury wegen ihrer transparenten und kontinuierlichen Auslandsberichterstattung aus der Türkei und Iran gewürdigt wird.
Die Preisträgerinnen und Preisträger werden am 26. April auf einer Gala im Marler Theater geehrt.
Moderiert wird die Veranstaltung von Siham El-Maimouni. Sie wird dann in einer Doppelfunktion auf der Bühne stehen: Für »Die Sendung mit der Maus« ist Siham El-Maimouni als Reporterin im Einsatz – und weil dieses Jahr die Maus-Spezial-Sendung »Marokko-Maus« eine Ehrung in Kategorie Kinder & Jugend bekommt, ist sie auch eine der Preisträgerinnen.
Anmerkung der Redaktion: SPIEGEL-Redakteur Christian Buß ist Teil der Grimme-Jury Fiktion.