Lierhaus-Interview mit Klinsmann Küsschen, keine Nachfragen
Monica Lierhaus: Die Atmosphäre stimmte beim Gespräch mit Jürgen Klinsmann
Foto: Sky/ W. WildeWas ist die Vorgeschichte? Schon während ihrer Zeit als Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" war das Publikum gespalten. Die einen sahen in Monica Lierhaus mit ihrer Leidensgeschichte nach einer Hirn-Operation ein Vorbild für alle, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und sich zurück ins normale Leben kämpfen; die anderen eine Frau, die ihr Schicksal lieber im Privaten austragen und sich damit nicht die Taschen füllen solle. Die kolportierte Jahresgage von 450.000 Euro tat ihr Übriges, die Zahl der Gegner nicht kleiner werden zu lassen.
Was ist neu? Lierhaus ist mit der Interviewreihe "Meine WM" wieder auf der Sportbühne zurück. Keine Gewinnzahlen mehr ablesen, sondern Fußballer interviewen von Angesicht zu Angesicht. Zum Start war US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann zu Gast.
Warum läuft das bei Sky Sport News und nicht bei der ARD, wo Lierhaus doch früher das Gesicht der "Sportschau" war? Ach, die ARD! Vielleicht gab es unter den gefühlt 6700 Entscheidungsbefugten dort irgendwo einen Bedenkenträger, der reicht ja schon. Nachher hätte es nur wieder Gagen-Debatten gegeben...
Was war gut beim Interview? Die Atmosphäre stimmte, was nicht nur am hübsch ausgeleuchteten Zimmer lag. Lierhaus und Klinsmann kennen sich gut, begrüßten sich mit Umarmung und Wangenküsschen. Zudem gibt es wahrlich Leute, die sich schlechter für den Einstieg in eine solche Interviewreihe eignen als der locker plaudernde Klinsmann. Der durfte über seine Erwartungen für die kommende WM erzählen, über Unterschiede zwischen USA und Deutschland, seinen fast zwei Meter großen Sohn oder auch über den Hubschrauberpilotenschein, den er kürzlich gemacht hat. "Ich hatte schon immer den Traum zu fliegen", sagte er.
Und was war schlecht? Leider auch einiges. Es kann am Schnitt gelegen haben - das Interview war aufgezeichnet - oder auch an Lierhaus, aber richtige Gesprächsstimmung kam nie auf. Es war immer nur ein Frage-Antwort-Spiel ohne Nachhaken oder Eingehen auf die Antworten. In 20 Minuten graste Lierhaus von Erinnerungen an das "Sommermärchen" 2006 über die kommende WM in Brasilien bis hin zu einigen persönlichen Sachen alles ab, ohne mal tiefer nachzubohren. Obwohl: Wer Tiefgründiges in solch einer Art Interview erwartet, denkt wahrscheinlich auch, die USA wird dieses Jahr Weltmeister. Das kann man keinem Interviewer zum Vorwurf machen.
Wann, denkt Klinsmann denn, dass die USA Weltmeister wird? Schon 2018!
Welchen Satz hätten wir gerne von Lierhaus gehört: "Hätte Deutschland mit Ihnen bessere Chancen auf den WM-Titel als mit Jogi Löw?"
Und welchen Satz von Klinsmann? Seine Antwort darauf: "Ja!"
Hat Sky denn mit der Verpflichtung von Lierhaus alles richtig gemacht? Ja. Es ist mehr ein PR-Coup als ein sportjournalistischer Gewinn für den Sender, aber am Ende wird er sich auszahlen für beide Seiten.