"Masked Singer"-Finale: Aus einer ganz anderen Welt - Kritik von Anja Rützel - DER SPIEGEL
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"Masked Singer"-Finale Aus einer ganz anderen Welt

Nein, Stefan Raab steckte nicht im Faultierkostüm: Das überraschende Finale des Promi-Mummenschanz "The Masked Singer" zeigte: Auch ohne den mittlerweile verklärten TV-Rentner ist es für einige Überraschungen gut.
Schwitzender Sieger im Faultier-Kostüm: Eben nicht Stefan Raab, sondern der Schauspieler Tom Beck
Schwitzender Sieger im Faultier-Kostüm: Eben nicht Stefan Raab, sondern der Schauspieler Tom Beck

Schwitzender Sieger im Faultier-Kostüm: Eben nicht Stefan Raab, sondern der Schauspieler Tom Beck

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Willi Weber/ dpa

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Die Ukulele. Das rosa Tutu, das er bei seinem Bühnencrasher bei einer "Riverdance"-Tanzshow trug. Diese besondere Art, sich auf dem Boden zu wälzen, die man von fortgeschrittenen Zermürbungszuständen bei "Schlag den Star" kennt. Und schließlich die Einlassung, er denke über eine "Schlaf-WM?" nach: Konnte man danach noch irgendwie plausibel erklären, warum im Faultierkostüm nicht Stefan Raab stecken sollte? 

Die Indizien, die diesbezüglich in der zweiten Staffel von "The Masked Singer" gestreut wurden, schienen übereindeutig - und damit natürlich auch zu plakativ, als dass man wirklich daran glauben durfte, dass sich der Entertainer, der sich vor fünf Jahren selbst verrentet hatte, ausgerechnet die Faultiergestalt aussuchen würde, um auf die ProSieben-Bühne zurückzukehren. Oder sollte das vielleicht Absicht sein, damit man den Raab-Verdacht als allzu aufdringlich verwerfen würde, und dann wäre er es doch, erst recht?

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"The Masked Singer": Faultiersieg

Foto: Willi Weber/ dpa

Nein. Nach allen Kokettierereien in diese Richtung reckte nun im Finale Tom Beck seinen schwitzigen Kopf aus dem Faultierkostüm, die Mehrheit des Rateteams hatte ohnehin auf ihn getippt. Der "Alarm für Cobra 11"-Schauspieler gewann diese Staffel, nachdem er bei seinem letzten Auftritt noch ein hochenergetisches Prince-Cover abgeliefert hatte.

Das war zweifellos gelungen, interessanter blieb allerdings doch die Frage, warum so viele Menschen vor seiner Demaskierung so hartnäckig, fast schon in religiöser Osterstimmung eine Raab-Wiederkehr herbeisehnten. Womöglich war dies teilweise auch eine Übersprungshandlung, der aktuellen Situation geschuldet, die es einem leicht macht, vergangenen, vermeintlich besseren Zeiten hinterherzuhecheln, in denen man deutlich sorgloser als heute semi-bekannten Menschen beim Bratpfannenrodeln zusah. Die kollektive Verklärung des abgängigen Show-Zossen Raab ist mit diesem Nichtauftritt nun jedenfalls komplett vollzogen.

Natürlich wäre seine Teilnahme ein Coup gewesen, die das Fantasierfeld für die bereits für den Herbst angekündigte nächste Staffel immens erweitert hätte. Wobei die Demaskierungen der vergangenen Wochen auch ohne Raab bewiesen, dass das Maskensingspiel sein Personal nicht nur aus verhältnismäßig leicht zu verpflichtenden, sendernahen Nesthockern rekrutiert.

Extrem lebhaftes Chamäleon

Im Kostüm des trutschigen Häschens etwa steckte Sonja Zietlow, ein stabiles RTL-Gesicht, das man eher nicht an prominenter Stelle bei der Konkurrenz von ProSieben erwartet hätte. "Ich bin aus einer ganz anderen Welt", hatte der Hase vielsagend schon in der ersten Sendung als Hinweis auf seine Identität fallen lassen.

Die größte Überraschung war freilich, dass sich hinter dem knieelastischen, extrem lebhaften Chamäleon tatsächlich der 84-jährige Didi Hallervorden verbarg – zusammen mit dem 20-jährigen Instagram-Popstar Mike Singer, der im klopsförmigen Wuschelkostüm steckte, ergibt das eine durchaus ambitionierte Zielgruppenstreuung.

Musiker Gregor Meyle, der im Finale als Drache demaskiert wurde, hievte das überkandidelte, weltentrückte Quatschformat zurück in die Realität, als er erklärte, er hätte "ein bisschen Corona" gehabt: "Ich war der Grund, warum wir zwei Wochen Pause machen mussten".

"Die Menschen von dieser Scheiße ablenken"

Am 29. März hatte ProSieben mitgeteilt, die Show aufgrund von Covid-19-Infektionen innerhalb des Teams unterbrechen zu müssen, am 14. April wurden die Livesendungen fortgesetzt. Applaus vom Band verschleierte, dass die Shows ohne Publikum aufgezeichnet wurden. Auch Sieger Tom Beck sagte, er sei kurz krank gewesen, es habe ihn "ähnlich wie den Gregor erwischt".

Meyle bedankte sich bei seinen Freunden und Nachbarn, die ihm und seiner Familie in der Quarantänezeit Essen vor die Tür gestellt hatten. Er sei dankbar für seinen Beruf, der ihm ermögliche, "die Menschen von dieser Scheiße abzulenken." Und sie eben auch manchmal daran zu erinnern.