50 Jahre »Muppet Show« Und dann tanzten alle Puppen
»Jetzt tanzen alle Puppen«: Vor 50 Jahren, am 5. September 1976, wurde die erste Folge der »Muppet Show« ausgestrahlt. Im Bild die Stars der ersten Staffel, die in Großbritannien produziert und bei ITV ausgestrahlt wurde.
In den USA war der Puppenspieler und Erfinder der Muppets, Jim Henson, Mitte der Siebzigerjahre vor allem für Kinderfernsehen bekannt: Kermit der Frosch zum Beispiel war eine der beliebten Figuren der »Sesamstraße«. An einer Puppenshow für Erwachsene hatte zunächst keines der US-Networks Interesse, obwohl es zwei Pilotfilme gab.
Hensons kongenialer Partner bei der »Sesamstraße« und später bei der »Muppet Show« war der in England geborene Frank Oz – hier spielen die beiden Ernie und Bert.
Dabei richtete sich der »Muppet Show«-Vorläufer »Sam and Friends«, den Jim Henson von 1955 bis 1961 im Lokalsender in der US-Hauptstadt Washington produzierte, bereits an ältere Jugendliche und wurde abends ausgestrahlt. Namensgeber Sam (rechts hinten) war ein Mann mit Glatze und großen Ohren. Unter seinen Freunden war bereits ein gewisser Kermit (l.), der zwar schon grün war, aber noch nicht ausdrücklich ein Frosch.
Bei »Sam and Friends« arbeitete Jim Henson bereits zusammen mit Jane Nebel; das Paar heiratete 1959. Hier ist sie 2010 bei der Übergabe einiger früherer Muppets an das National Museum of American History in Washington. Jane Henson starb 2013.
Ebenfalls ein Leben vor der »Muppet Show« hatte der Pianist Rolf (im Original: Rowlf): Der zottelige Klavierspieler war zwischen 1963 und 1966 ein Sidekick des Countrysängers Jimmy Dean in dessen Comedyshow. Zehn Jahre später feierte er ein triumphales Comeback im Muppet-Theater.
Zu dessen Direktor machte Jim Henson den tapferen Kermit – hier bei der Enthüllung einer Wandskulptur zu Ehren des Puppenspielers in der Hall of Fame des Fernsehens in North Hollywood. Henson starb 1990 mit nur 53 Jahren an den Folgen eines Streptokokken-toxischen Schocksyndroms.
Kermit hatte stets zu kämpfen mit den Launen seiner Stars – unter ihnen die unvergleichliche Miss Piggy.
Zum harten Kern des »Muppet Show«-Casts zählte Fozzie Bär, ein Komiker, den leider kaum jemand komisch findet.
Der zappelige Scooter ist das »Mädchen für alles« im Muppet-Theater – das übrigens seinem Onkel gehört.
Eine ganz große Rolle spielt, zumindest aus eigener Sicht, Gonzo der Große, der waghalsige Stuntman mit der langen Nase.
Ein fester Bestandteil der »Muppet Show« waren die wechselnden prominenten Gäste. Hier Gonzo und Bob Hope Nase an Nase.
Harry Belafonte mit Miss Piggy am »Muppet Show«-Set in den Elstree Studios im englischen Hertfordshire. Bei seinem Gastauftritt versucht Belafonte seinen Klassiker »Day-O (The Banana Boat Song)« zu singen, wird aber immer wieder von Fozzie unterbrochen.
1980 kam Soulsängerin Diana Ross in die »Muppet Show« und baute backstage den verunsicherten Fozzie Bär auf.
Musik spielte in der »Muppet Show« eine wichtige Rolle. Und wie jede Show, die etwas auf sich hält, hatte sie auch eine Hausband: Dr. Teeth & the Electric Mayhem. Bandleader Dr. Teeth am Keyboard war nach dem Vorbild von Dr. John entworfen. Der Bassist hieß Sgt. Floyd Pepper. Aber sie wurden alle in den Schatten gestellt durch ihren Schlagzeuger.
Der schier unbezähmbare Drummer namens Tier (im Original: Animal), der sich überwiegend durch Grunzlaute und sein Trommeln äußert, ist so wild, dass er beim Spielen angekettet werden muss. In jüngerer Zeit hatte er einige Gastauftritte, hier 2011 mit der Band OK Go in der Late-Night-Show von Jay Leno.
Nicht minder legendär, aber in einem ganz anderen Tonfall: Waldorf und Statler, die ständig grantelnden Logenbesucher des Muppet-Theaters. Angehende Kulturkritiker fanden hier prägnante Vorbilder.
Schon in der ersten Staffel war die Schauspielerin Rita Moreno (»West Side Story«) zu Gast. Für ihren Besuch in der »Muppet Show« wurde sie mit einem Emmy Award ausgezeichnet – und vervollständigte mit dem Fernsehpreis 1977 ihre »EGOT«-Sammlung, also die wichtigsten Auszeichnungen aus den Bereichen Musik, Film, Theater und TV.
Ein internationaler Star war Ende der Siebzigerjahre auch Elke Sommer. Das brachte ihr 1979 einen Gastauftritt an der Seite von Miss Piggy ein. Sie revanchierte sich, in dem sie 1983 Jim Henson und Kermit bei »Wetten, dass..?« dolmetschte.
Nur in der deutschen Fassung, die Serie lief von 1977 bis 1982 im ZDF, war hingegen Mary Roos zu sehen. Offenbar war den Deutschen Originalgast Twiggy nicht bekannt genug. So wurde ein Extra-Auftritt mit der Schlagersängerin abgedreht.
Ein regelmäßiges Feature der »Muppet Show« waren die »Schweine im Weltall«, eine Parodie vor allem auf »Star Trek«. Groß war die Freude, als die Konkurrenz von »Star Wars« zu Besuch kam: Mark Hamill als Luke Skywalker mit C3PO und Chewbacca.
Ein weiterer beliebter Nebenschauplatz der »Muppet Show«: die Küche mit dem dänischen Koch (im Original: The Swedish Chef). Sein berühmtester Satz? Natürlich: »Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm«.
Und noch eine Figur, deren Standardsatz in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist: »Mi, Mi, Mi« klagt der glücklose Laborgehilfe Beaker immer wieder, wenn er von seinem Professor Honigtau Bunsenbrenner in gefährliche Experimente gejagt wird.
Die Snowths beim Versuch, mit ihrem »Do doo, do do doo« das Mahna Mahna zu übertrumpfen. Das Lied »Mah Nà Mah Nà« von Piero Umiliani stammte ursprünglich aus einem italienischen Sexfilmsoundtrack. Schon in der »Sesamstraße« sangen es Hensons Puppen, dann wurde es in der Version der Muppets sogar ein Hitparadenerfolg.
Wenigstens einer versuchte stets, bei all dem Irrsinn die Fassung zu bewahren: Sam, der Adler – dem US-Wappentier nachgeahmt, dem Weißkopfseeadler.
Kermit mit Banjo: In der Eröffnungsszene des ersten Muppets-Kinofilms singt der Frosch die Hymne »Rainbow Connection«, so etwas wie das Leitbild der Henson-Puppen.
Im »Muppet Movie« steht eine Reise nach Hollywood im Mittelpunkt der Handlung.
Da darf eine nicht fehlen: Miss Piggy. Der Film ist 1979 ein riesiger Kassenerfolg.
Der Nachfolgefilm »Die große Muppet-Sause« kommt 1981 in die Kinos und bleibt vor allem durch eine technisch aufwendige Fahrradszene in Erinnerung.
Im dritten Muppets-Kinofilm »Die Muppets erobern Manhattan« gibt es eine Traumszene, in der sich Miss Piggy all ihre Freunde als Babys vorstellt. Die Idee kam so gut an, dass es bald eine Zeichentrickserie namens »Muppet Babies« geben sollte.
1992 wurde die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, »A Christmas Carol«, mit den Muppets neu verfilmt. Die Rolle des grantigen Ebenezer Scrooge übernahm Michael Caine.
2004 übernahm Disney die Rechte an den Muppets und landete 2011 mit einem neuen Spielfilm einen großen Erfolg. Auch die Kritik war angetan, auch von den menschlichen Sparringspartnern Amy Adams und Jason Segel.
Weniger gut kam beim Publikum eine Neuauflage als TV-Serie an. »The Muppets« wurde 2016 nach nur einer Staffel wieder abgesetzt, trotz Stargästen wie Reese Witherspoon.
Dafür gingen Muppet-Versionen von Musikvideos viral, so wie hier die Parodie auf »Bohemian Rhapsody« von Queen.
Und selbst bei der Fußball-Weltmeisterschaft fehlten die Muppets nicht: Electric Mayhem und Co. waren Teil der umstrittenen überlangen Halbzeitshow beim WM-Finale.
50 Jahre nach der ersten Show sind die Kreationen von Jim Henson noch immer erstaunlich vital.
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