Netflix, Amazon, Disney+: Welche Serien und Filme sich im November neben der Haftbefehl-Doku lohnen - DER SPIEGEL
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Streamingfahrplan Welche Serien und Filme im November starten – und was sich jetzt schon lohnt

Vermutlich wissen Sie es längst: »Maxton Hall« und »Stranger Things« kommen mit neuen Staffeln zurück. Was Sie sich diesen Monat stattdessen ansehen können.
Von Veronika Silberg •

Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.


Worauf wir uns im November freuen

»Stranger Things« und »Maxton Hall«

Fangen wir gleich mit einer Pflichtankündigung an. Denn vielleicht sind Sie nur hier, um nachzusehen, wann denn nun endlich die lang ersehnten Fortsetzungen zu »Stranger Things« und »Maxton Hall« laufen. Beide Serien haben Rekorde gebrochen und eine große Fancommunity begeistert. Dennoch könnten sie nicht unterschiedlicher sein. »Maxton Hall«, ein modernes Rosamunde Pilcher für die jüngeren Generationen, ist bemerkenswert platt, aber mitreißend kitschig. Ab dem 7. November ist die zweite Staffel bei Amazon Prime zu sehen. Warum das selbst als Guilty Pleasure kaum auszuhalten ist, lesen Sie hier .

Etwas mehr dürfte von »Stranger Things« zu erwarten sein. Die ersten Folgen der fünften und finalen Staffel sind ab dem 27. November auf Netflix zu sehen, die letzte Folge wird an Silvester veröffentlicht. In den USA plant Netflix zudem einen Kinorelease der Finalfolge. Darin deutet sich ein dramatischer Endkampf zwischen Monster und den mittlerweile groß gewordenen Kindern der Blockbustershow an.

»Pluribus«

Für viele Menschen weltweit bleibt die beste oder zumindest die beliebteste Serie aller Zeiten eine andere. Als solche schaffte es »Breaking Bad« 2014 sogar ins Guinnessbuch der Rekorde. Die Geschichte um Chemielehrer Walter White alias Drogenboss »Heisenberg« schrieb Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Vince Gilligan.

Über ein Jahrzehnt später erscheint »Pluribus«, Gilligans neuestes Großprojekt. Die Erwartungen sind hoch, das Budget auch. Der Streamer Apple TV+ verhängte strenge Sperrfristen, um Spoiler zu verhindern. Vorab und auch im Teaser wird wenig über die Handlung verraten. »Pluribus« ist eine Utopie – oder eine Dystopie? Die Welt, in der die Hauptfigur Carol lebt, ist auch in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico angesiedelt. Allerdings in einem skurrilen Zukunftsszenario, in dem alle Bewohner glücklich sind. Einzig Carol, der nun unglücklichste Mensch der Welt, muss die restliche Menschheit vor dem Glück retten. »Glück ist ansteckend«, heißt es. Die neue Sci-Fi-Dramaserie läuft ab 7. November auf Apple TV+.

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Guillermo del Toros »Frankenstein«

Mary Shelley schrieb Frankenstein zwar bereits 1818. Der Stoff ist in Anbetracht des Tech-getriebenen Selbstoptimierungswahns und KI-Kreaturen so zeitgemäß wie damals. Und wer könnte diese Geschichte besser erzählen als der mexikanische Monster-Auteur Guillermo del Toro? Seines Zeichens selbst so etwas wie der Viktor Frankenstein Hollywoods.

Kaum ein Regisseur Hollywoods hat sich so kunstvoll und intensiv mit Monstern beschäftigt wie er. Im Horrormärchen »Pans Labyrinth«, dem Splatterfilm »Crimson Peak« oder der Hollywoodhommage »The Shape of Water«. Sein erstes Kuscheltier soll ein Plüsch-Werwolf gewesen sein, den er mit seiner Großtante selbst zusammennähte. Mit elf Jahren soll er erstmals Frankenstein gelesen haben. Seit etwa dreißig Jahren möchte er ihn auf der Leinwand zum Leben erwecken. Netflix stellte ihm dafür 120 Millionen Dollar zur Verfügung.

Hat sich das gelohnt? Die Kollegen aus dem Feuilleton befanden das Ergebnis nach seiner Premiere in Venedig leider als »Kitschfest, das wie die Monsterversion eines Disney-Films über die Leinwand dröhnte.« Andreas Borcholte schreibt von einem »zähen Biest« an Film, das hölzern herumstakst, wie die Kreatur selbst. Aber Kitschfest hin oder her: Lohnenswert dürfte del Toros »Frankenstein« dennoch sein – allein fürs Auge, oder um Jacob Elordi  (»Saltburn «) als Marmor-esque Emo-Kreatur zu bewundern. Möglich ab 7. November auf Netflix.

»Ana und Oscar«

Die zweite Staffel »Nobody Wants This«  versuchte im Oktober herauszufinden, was passiert, wenn die Gefühle in einer Beziehung langsam abkühlen. Wie sich Liebe mit der Zeit verändert. Eine etwas interessantere Antwort liefert der Zehnteiler »Ana und Oscar« aus Spanien, der bereits auf dem Filmfest in Venedig zu sehen war.

Ana und Oscar lernen sich am 31. Dezember in Madrid kennen, als sie beide gerade 30 werden. Regisseur Rodrigo Sorogoyen erzählt ihre Liebesgeschichte in Jahressprüngen, von Silvester zu Silvester über zehn Jahre hinweg. Höhen und Tiefen inklusive. Herausgekommen ist ein Spiegel heutiger Beziehungen, der versucht, sie in all ihrer Einfachheit und Komplexität einzufangen. »Ana und Oscar« ist ab 6. November in der Arte-Mediathek zu sehen.

Und sonst noch?
  • »Left-Handed Girl«, ab dem 28. November auf Netflix: Der taiwanesische Kandidat für die Oscars 2026 begleitet eine alleinerziehende Mutter und ihre zwei Töchter in Taipeh

  • »Alfred Morettis Opus«, ab 20. November auf Wow (Sky): Eine Horror-Satire mit John Malkovich und »The Bear«-Star Ayo Edebiri.

  • »I Love L.A.« ab dem 25. November auf Wow (Sky): HBO-Comedyserie von und mit Rachel Sennott (Shiva Baby)

Was im November anläuft – die Übersicht


Was sich aktuell lohnt (und was nicht)

»Babo – Die Haftbefehl-Story« (Netflix)

Aykut Anhan aka Haftbefehl: »Bis ich sterbe, werde ich Musik machen«

Aykut Anhan aka Haftbefehl: »Bis ich sterbe, werde ich Musik machen«

Foto: Netflix

»Schonungslos ehrliche« Dokumentationen über berühmte Persönlichkeiten sind schon seit geraumer Zeit en vogue. Betont selbstkritisch werden Leben und Karriere ausgerollt und platt getreten. Da sitzt dann Robbie Williams ganz »nahbar« im Unterhemd in seiner Villa und verdrückt eine Träne, während er an die harten Zeiten seiner Boybandjahre denkt. In der Familie Beckham bekommt jedes Mitglied gerade seine eigene Dokureihe, Taylor Swift hat für Dezember einen Fünfteiler angekündigt und Charlie Sheen erzählt in Spielfilmlänge von alten Sex- und Crackorgien. Offenheit und vermeintliche Authentizität verkaufen sich 2025 außerordentlich gut.

Am Ende steht hinter der Fassade häufig eine weitere Fassade. Oder? Einen seltenen Funken Authentizität gibt es gerade im Blick auf einen der wichtigsten Musiker Deutschlands. Vielleicht nicht allein, weil die Dokumentation »Babo – Die Haftbefehl-Story« seine Geschichte unglaublich gut erzählt. Es liegt auch an Haftbefehl selbst. Aykut Anhan transportierte in seinen Texten immer schon eine kompromisslose Ehrlichkeit, schrieb über sein Aufwachsen in Frankfurt-Offenbach, den Suizid seines Vaters, die eigenen Dämonen. SPIEGEL-Autor Juan Moreno hat »Hafti« mit Sinan Sevinç nun zwei Jahre lang begleitet und eine Netflix-Doku daraus gemacht . Es sind zwei harte Jahre. Moreno erzählt: »Totaler Zugang. Das war meine Bedingung gewesen, und Haftbefehl war einverstanden. Niemand von uns ahnte in diesem Moment, dass mein größtes Problem während der Dreharbeiten nicht zu wenig Zugang sein sollte – sondern zu viel.« Er frage sich bis heute, warum Aykut Anhan diesen Film so zeigen will. Erschütternd und traurig zugleich.

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»Hedda« (Amazon Prime Video)

Hedda Gabler führte ihren Kampf bereits 1890, im Drama des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Sie ist eine ambivalente Frauenfigur, man kann sie als feministische Ikone sehen oder als bekannteste Soziopathin der Theatergeschichte. Auch in der aktuellen Verfilmung von Nia DaCosta (»Candyman«) ringt sie um Macht über ihre eigene Position – und das Leben anderer. DaCosta verlegt ihre »Hedda« ins England der Fünfzigerjahre und gibt dem Drama eine queere Note. Aus dem ehemaligen Liebhaber Heddas, Eiljert Løvborg, wird die Intellektuelle Eileen Løvborg (Nina Hoss). Die Handlung konzentriert sich auf eine Party, die zu einem verhängnisvollen Schuss führt. DaCostas Melodrama ist überschwänglich, laut und intensiv.

»House of Dynamite«

20 Minuten bleiben bis zum Weltuntergang in »A House of Dynamite« von Kathryn Bigelow. US-Präsident ist Idris Elba, erzählt wird von einem Atomangriff auf die USA, dreimal hintereinander, aus drei verschiedenen Perspektiven. Auch wenn hier 112 Minuten lang eigentlich nur Menschen auf Bildschirme starren, ist Bigelow ein packender und sehr amerikanischer Actionfilm gelungen, mit Präzision erzählt und fachkundiger Recherche unterfüttert. Es ist nicht das erste Mal, dass Bigelow die Arbeit von CIA-Leuten und US-Kämpfern vorführt. Auch diesmal ließ sie sich dabei von Experten beraten. Kritik aus dem Pentagon ließ selbstverständlich nicht lange auf sich warten.

Doch der Hardcore-Realismus, mit dem »A House of Dynamite« das Publikum konfrontiert, könne tatsächlich als eine Art politischer Weckruf verstanden werden, schreibt Oliver Kaever in seiner Rezension : »Im Film darf Elbas Präsident gleich zweimal stöhnen: ›Das ist doch Irrsinn!‹ Und zweimal antwortet ihm sein oberster Krieger: ›Es ist die Wirklichkeit, Mr President.‹«


Streamingtipp aus dem Archiv

Kristen Stewart 2017 in »Personal Shopper«: Regisseur Olivier Assayas nannte sie damals die »beste Schauspielerin ihrer Generation«

Kristen Stewart 2017 in »Personal Shopper«: Regisseur Olivier Assayas nannte sie damals die »beste Schauspielerin ihrer Generation«

Foto: Carole Bethuel / Weltkino / dpa

Es ist »Hoa Hoa«-Zeit. Millennials wissen: Alle paar Jahre wird im November »Twilight« aus dem Schrank der Guilty Pleasures geholt. (Hier lesen Sie, warum die Saga immer noch Kult ist ) Keine Angst, die Empfehlung des Monats ist nicht die blau getönte Vampirromanze. Aber es ist ein guter Monat, um zu betonen, dass die Hauptdarstellerin Kristen Stewart eine der interessantesten Schauspielerinnen unserer Zeit geworden ist. Oder war sie es schon immer?

Schon mit elf Jahren bewies Stewart in David Finchers »Panic Room« ihr Schauspieltalent. Twilight machte sie zwar berühmt. Stewart blieb aber nie Bella Swan. Sie überzeugte als Joan Jetts in »The Runaways«, Jean Seberg oder Diana, Princess of Wales. Dieses Jahr wurde ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin »The Chronology of Water«  in Cannes gezeigt. Was in Twilight-Memes noch als emotionsloser Gesichtsausdruck abgestempelt wurde, stellte sich schnell als Talent heraus. Stewart schafft es, eine unangestrengte Lässigkeit zu verkörpern und gleichzeitig den inneren Kampf, Emotionen zu zeigen, vor der Kamera sichtbar zu machen.

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Ein Beleg für ihre schauspielerischen Fähigkeiten ist der 2016 erschienene Film »Personal Shopper«. Der Hybridfilm von Olivier Assayas begleitet die persönliche Einkaufsassistentin eines Supermodels, die in Paris ist, um auf ein Zeichen ihres verstorbenen Zwillingsbruders zu warten. Nichts sei beglückender, als unter der Regie von Olivier Assayas dem Spiel von Kristen Stewart zuzusehen, schreibt Frédéric Jaeger 2017 in seiner SPIEGEL-Rezension. »Wobei, Spiel klingt hier schon falsch. Denn mehr noch geht es darum, ihrer Präsenz beizuwohnen, zu erfassen, wie intensiv anwesend diese Frau sein kann, wie sie sich durch die Welt bewegt, Gegenstände anfasst, Maschinen bedient, sich eine Zigarette anzündet, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres in der Welt, als dass sich alles irgendwie fügt, jedenfalls alles, was eine greifbare Gestalt hat.« Dieser Präsenz beiwohnen kann man aktuell via filmfriend oder im Alleskino-Kanal von Amazon Prime Video.