Streamingfahrplan Welche Serien und Filme im Februar kommen – und was sich jetzt schon lohnt
Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.
Was sich aktuell lohnt (und was nicht)
Man muss nicht immer alles verstehen. »Wie kann eine Geschichte, von der man so wenig begreift, so spannend sein?«, schreibt etwa mein Kollege Oliver Kaever über die Serie »Severance« , deren zweite Staffel aktuell läuft. Angestellte des Unternehmens Lumon lassen sich in dieser Apple TV+-Produktion einen Chip ins Hirn pflanzen, der ihre Persönlichkeit in zwei voneinander getrennte Ichs aufspaltet: ein privates und eines, das jeden Morgen im Büro erscheint.
Vollständig begreifen lässt sich auch »Queer« kaum. Luca Guadagninos (»Call me by your name«, »Challengers«) Drogentrip eines Kinofilms ist seit Ende Januar bei Mubi zu sehen. William S. Burroughs schrieb die Romanvorlage, kurz nachdem er betrunken seine Frau Joan Vollmer bei einer Wilhelm-Tell-Darbietung erschossen hatte. Daniel Craig füllt die Rolle des alternden, heroinsüchtigen Schriftstellers, der sich nach einem jüngeren Mann verzehrt, mit Leben. Im Mexiko der Fünfzigerjahre verschwimmen Sehnsucht und Rausch zu einem surrealen Fiebertraum.
Auf völlig andere Art verklärt ist man in der ZDF-Mediathek unterwegs. Mit ordentlich Nostalgie schwelgt die unterhaltsame Dokureihe »FC Hollywood« in den »verrückten Neunzigern« des FC Bayern München. Die Reihe zeige, schreibt SPIEGEL-Redakteur Danial Montazeri , wie unterhaltsam der Profifußball einst war – und was ihm heute fehlt.
Weitere Highlights im Januar waren »Paradise« auf Disney+, »American Primeval« bei Netflix und »In my Skin« in der Arte-Mediathek.
Was im Februar anläuft – die Übersicht
Die Startdaten können sich kurzfristig ändern, häufig kommen Ankündigungen der Streaminganbieter in letzter Sekunde dazu. Wir versuchen, die Übersicht aktuell zu halten, können jedoch keine Vollständigkeit garantieren.
Worauf wir uns im Februar freuen
An das Horrorgenre wagt man sich in Deutschland selten, noch seltener in Form einer Serie. Sieht man sich die neue Netflix-Produktion »Cassandra« an, so bleibt das besser so. Zumindest, wenn es nach SPIEGEL-Redakteur Oliver Kaever geht. In »Cassandra« bedroht die namensgebende elektronische Haushaltshilfe ein behütetes Familienleben. Die Hauptdarstellerin aus Plastik sei jedoch, so Kaever, ähnlich Furcht einflößend wie ein Staubsauger, die Dramaturgie mindestens genauso wackelig.
Szene aus »The White Lotus«: Alte Bekannte kommen zurück in die Streamingwelt
Foto: ZUMA Press / IMAGOVielleicht also doch lieber klassischer Horror aus der Traumfabrik? »Ein Film mit Serienmörder-Greatest-Hits: junge FBI-Agentin, mysteriöse Bekennerschreiben, irgendwas mit Satan und Nicolas Cage mit operiertem Gesicht.« So fasst SPIEGEL-Mitarbeiterin Lisa Ludwig den US-Hit »Longlegs« zusammen . Ob das nun der gruseligste Horrorfilm der Dekade ist? Zumindest schafft er etwas, das nur wenige Filme schaffen: Er bleibt noch lange im Kopf. Ab 8. Februar ist »Longlegs« bei MagentaTV zu sehen.
Auf Netflix muss Robert De Niro unterdessen als Ex-US-Präsident einen Cyberangriff stoppen und die Welt retten. Der Verschwörungsthriller »Zero Day« erscheint Ende Februar in sechs Episoden. Es geht um »die Wahrheit«, um Fakten, Desinformation und politische Intrigen – wie aktuell.
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Dann lieber etwas für die ganze Familie? »Win or Lose« erinnert uns diesen Monat auf Disney+ daran, Ereignisse immer aus unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten. In acht Episoden begleitet die animierte Pixar-Serie acht verschiedene Figuren rund um das Softball-Spiel der »Portland Pickles« an einer amerikanischen Middle School.
Und natürlich kehren im Februar auch ein paar alte Bekannte zurück in die Streamingwelt. Neben dem Reality-Klassiker »The Kardashians « bekommen »The White Lotus«, »Yellowjackets« und die Krimiserie »Reacher« eine neue Staffel.
Streamingtipp aus dem Archiv
Manchmal braucht es jedoch keine neue Staffel, kein Remake und keine Fortsetzung. Manche Filme kann man sich einfach so immer wieder ansehen. Und versteht sie am Ende vielleicht immer noch nicht. Denn »Mulholland Drive«, aktuell in der Arte-Mediathek, ist gar nicht dazu da, verstanden zu werden.
Szene aus Mulholland Drive: Die Liebesgeschichte führt in einen Krimi
Foto: Landmark Media / IMAGOVordergründig folgen wir im ersten Teil des Films Rita (Laura Harring), die bei einem mysteriösen Autounfall ihr Gedächtnis verloren hat und sich mit der Schauspielerin Betty (Naomi Watts) auf die Suche nach ihrer Identität macht. An dieser Stelle den weiteren Handlungsverlauf genauer zu erläutern, würde Ihnen nur den Spaß verderben. Der jüngst verstorbene Regisseur David Lynch spielt in diesem Mystery-Klassiker mit unseren Erwartungen, statt einer klassischen Erzählstruktur zu folgen. Der Krimi führt in eine Liebesgeschichte, die Liebesgeschichte führt in einen Krimi.
Nicht nur machte Lynch Naomi Watts damit zum Weltstar, ihm gelang auch einer der besten Filme des 21. Jahrhunderts, laut Ranking der BBC sogar DER beste. Der SPIEGEL schrieb zum Kinostart von »Mulholland Drive« 2001: »Lynch gelingen Szenen von geradezu grotesker Perfektion.« Nicht nur dem Regisseur zu Ehren sind diese Szenen eigentlich immer einen Blick wert.