»Tatort« heute aus Ludwigshafen: »Explosive Mischung« im Schnellcheck - DER SPIEGEL
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ARD-Sonntagskrimi Der Ludwigshafener »Tatort« im Schnellcheck

Neon über der Stadt, Sprengstoff im Hirn: Der »Tatort« mit Ulrike Folkerts folgt jungen Gangstern durch ihr Problemviertel – und verliert sich dabei in Achtzigerjahre-Ästhetik.
Szene mit Bernd Hölscher und Ulrike Folkerts: Sitzt der schlimmste Feind der Polizei auf deren Chefposten?
Szene mit Bernd Hölscher und Ulrike Folkerts: Sitzt der schlimmste Feind der Polizei auf deren Chefposten?

Szene mit Bernd Hölscher und Ulrike Folkerts: Sitzt der schlimmste Feind der Polizei auf deren Chefposten?

Foto: Benoît Linder / SWR

Das Szenario:

Testosteron und Sprengstoff. Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Team treffen in einem Ludwigshafener Problemviertel auf einen Haufen krimineller Halbstarker, die als »Schlachthofgang« für Trouble sorgen. Einer der Jungs hat sich bei der Sprengung eines Bankautomaten offenbar selbst in die Luft gejagt. Die Bürgerwehr, die in der Nachbarschaft für Ordnung sorgt, wirkt nicht vertrauenswürdiger als die Kids. Das Aggressionspotenzial ist hoch, der Frauenhass erheblich. Dass Odenthals junge Revierhelferlein (Davina Chanel Fox, Johannes Scheidweiler) zum Teil auf eigene Faust und undercover ermitteln, macht die Situation nicht entspannter.

Der Clou:

Plastikcharaktere in Kunstlichtkulisse. Die Knallharthandlung ist in blinkenden Spielotheken und verspiegelten Shishabars angesiedelt. In diesem artifiziell überreizten Sozialkrimi-Niemandsland werden Themen wie Misogynie, Manosphere und Femizid angerissen. Regisseur und Autor Martin Eigler, eigentlich ein Krimikönner, hatte schon 2024 die Odenthal-Folge »Dein gutes Recht« inszeniert. Aus der greift er jetzt einen Handlungsstrang auf. Am Ende verrennt sich der Filmemacher allerdings in eine hanebüchene Zuspitzung, so wie sich die versammelten männlichen Antihelden in abstrusen Exitstrategien verlieren.

»Tatort«-Folge: Das Leuchten über der Stadt

»Tatort«-Folge: Das Leuchten über der Stadt

Foto: Benoît Linder / SWR

Das Bild:

Das Leuchten über der Stadt. Als es zur Eskalation kommt, holt einer der jungen Delinquenten eine Pistole aus einem Versteck. Die Waffe befindet sich an einer Verstrebung hinter menschengroßen Leuchtbuchstaben. Wer will, kann in diesem »Tatort« den Versuch sehen, ästhetisch an die Neon-Krimis der Achtziger- und Neunzigerjahre anzuschließen.

Der Auftritt:

Bernd Hölscher als zwielichtiger Polizeidirektor Breising. Schon in der letzten Folge hatte er einen großen Auftritt. Auch hier fragt man sich durch das Agieren des schwitzenden Opportunistenpakets, ob der größte Feind der Polizei auf deren Chefposten sitzt.

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Der Song:

»Naysayer« von Anika . Während undercover eine junge Polizistin in der Spielhalle sitzt, läuft im Hintergrund dieser düstere, formschöne Postpunksong. Der fügt sich zwar ins Achtziger-Ambiente, trotzdem drängt sich die Frage auf: Hört man in der Ludwigshafener Problemvierteltristesse tatsächlich solch avancierte Undergroundmusik?

Die Bewertung:

3 von 10 Punkten. Bisschen Krawall, viel Klischee: Dieser »Tatort« über labile Lederjäckchenträger ist nicht so explosiv, wie er tut.

Odenthals Fall zuvor:

Lesen Sie hier eine Kritik zu »Sashimi Spezial« .

»Tatort: Explosive Mischung«, bereits in der ARD-Mediathek. Lineare Ausstrahlung: Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: HR