Terry Jones: Nachruf auf den Monty-Python-Komiker - Da waren es nur noch vier - DER SPIEGEL
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Zum Tod von Terry Jones Da waren es nur noch vier

Terry Jones war einer der großen britischen Komiker des 20. Jahrhunderts. Als Mitglied von Monty Python wurde er weltberühmt. Seine besten Rollen spielte er in Frauenkleidern.
Ein Nachruf von Martin Wolf
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Er war der Mann, der nackt am Klavier sitzt: Terry Jones trägt nur eine Fliege in einer der berühmtesten Szenen von "Monty Python's Flying Circus", sonst nichts. Das Klavier steht auf einer Wiese, es ist Nacht, Jones dreht sich Richtung Kamera um, er greift in die Tasten und lacht sein irres Lachen. Im Hintergrund explodiert irgendetwas.

Ein paar Sekunden nur dauert dieser Sketch, der eigentlich keiner ist: keine Entwicklung, keine Pointe. Bloß ein großer kleiner Spaß, eine alberne Idee, ein Bruch mit Gewohnheiten, nicht zuletzt den eigenen: Vor der Kamera trug Terry Jones sonst häufig Damenklamotten – Röcke, Twinsets, Perlenketten und Hüte, die aus dem Fundus der Queen stammen könnten. 

Als junger Mann, mit Anfang, Mitte 30, spielte er in den Monty-Python-Sketchen nämlich gern alte Ladys, die sich mit keifender Stimme über die schlechten Manieren ihrer Mitmenschen beschweren. Im Kino-Film "Das Leben des Brian", einer Parodie auf Hollywoods Bibelfilme, verkörperte Jones die Mutter des Titelhelden. Vergeblich versucht sie, dessen Jünger zu vertreiben: "Er ist nicht der Messias, er ist bloß ein ungezogener Junge". 

Terry Jones, der am 21. Januar im Alter von 77 Jahren gestorben ist, war einer der großen britischen Komiker des 20. Jahrhunderts. Jones stammte aus Wales, an der Universität Oxford studierte er englische Literatur. Dort lernte er einen Kommilitonen kennen, Michael Palin; die beiden begannen, gemeinsam Sketche zu schreiben, sie traten in Studenten-Revuen auf. Ende der Sechzigerjahre gründeten Jones und Palin mit zwei Cambridge-Absolventen – John Cleese und Graham Chapman – sowie Eric Idle und Terry Gilliam, einem amerikanischen Grafiker, die Komikertruppe Monty Python.

Mit ihrer BBC-Show "Monty Python's Flying Circus" revolutionierte das Sextett von 1969 an den Humor, erst in Großbritannien, später überall. Der Anfang war allerdings schwer: Einige Sketche für die erste Episode wurden vor Publikum aufgezeichnet. Im Saal saßen viele englische Rentner, "die dachten, sie würden eine Zirkus-Vorstellung sehen", wie Jones sich später erinnerte. "Niemand lachte." 

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Terry Jones

Foto: URS FLUEELER/EPA-EFE/REX

"Monty Python's Flying Circus" ging trotzdem in die Geschichte ein, als Beispiel dafür, was im Fernsehen möglich ist, wenn der Einwand "Das versteht der Zuschauer nicht" ebenso ignoriert wird wie die Schere im Kopf. In einem Sketch verkörperten die Pythons berühmte Philosophen, die zum Fußball-Länderspiel antreten, Griechenland gegen Deutschland: Platon steht im Tor, Aristoteles in der Abwehr, die Stürmer der Deutschen sind Nietzsche und Wittgenstein. Am Ende gelingt Sokrates ein Kopfballtor. 

Monty Python machte Blödsinn für ein gebildetes Publikum, erst im Fernsehen, später fürs Kino, aber auch, wie einst als Studenten, live vor Publikum. Die Komiker wurden zu Stars, sie traten in der Hollywood Bowl in Los Angeles auf. Terry Jones wuchs dabei immer mehr in die Rolle des Regisseurs hinein. Bei den Python-Kinofilmen "Die Ritter der Kokosnuss", "Das Leben des Brian" und "Der Sinn des Lebens" führte er Regie, manchmal unterstützt von Terry Gilliam.

Satirische Attacke auf Präsident Bush

Mitte der Achtzigerjahre löste sich die Truppe auf, jedes Mitglied ging eigene Wege. Terry Jones wurde hauptberuflich Regisseur, aber nach einigen Spielfilm-Flops (wie "Erik, der Wikinger") drehte er vor allem Dokumentationen, am liebsten über das Mittelalter. Und er schrieb: viele Kinderbücher, aber auch einige bissige politische Kommentare.

"Ich verliere die Geduld mit meinen Nachbarn, Mr. Bush" – unter dieser Überschrift attackierte Jones in einem Beitrag für die britische Wochenzeitung "The Observer" 2003, kurz vor Beginn des Irak-Kriegs, den US-Präsidenten George W. Bush, natürlich mit den Mitteln der Satire. Jones gratulierte Bush für dessen Pläne, den Irak präventiv angreifen zu wollen. Ihm, Jones, ginge es mit seinen Nachbarn nämlich genauso: Zwar könne er nicht beweisen, dass Mr. Johnson und Mr. Patel Massenvernichtungswaffen versteckt hätten. Aber er wolle lieber kein Risiko eingehen: "That’s why I want to blow up Mr. Johnson’s garage and kill his wife and children. Strike first!" 

2014 traten die Mitglieder von Monty Python wieder live auf, zehn Abende in der Londoner O2-Arena, das Motto ihrer Show hieß "One down, five to go" – einer tot, fünf sind noch übrig. Graham Chapman, das Python-Mitglied Nummer sechs, war 1989 im Alter von 48 Jahren verstorben.

Bei den Proben für die Show klagte Terry Jones über Gedächtnisprobleme, "ich kann mir meinen Text nicht merken". Warum er trotzdem auftrat? "Geld", sagte Jones damals. 2012 hatte er in zweiter Ehe seine Freundin Anna geheiratet, eine Schwedin, 41 Jahre jünger als er, er war noch einmal Vater geworden. Er wisse auch nicht, wo das Geld aus seinen Python-Jahren geblieben sei, sagte Jones.

2016 gab die Familie bekannt, dass Terry Jones unter einer Form von Demenz litt. In seinen letzten Jahren konnte er nicht mehr sprechen. Was bleibt, sind einige der lustigsten Sketche, die je erfunden wurden. Terry Jones ist tot, Monty Python lebt in der Erinnerung weiter.

Two down, four to go.

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