Zum Tod von Peter Hermann Der zweite Mann
Thorsten Wagner / WITTERS
Es ist der normale Werdegang eines Fußballtrainers, dass er einige Jahre als Assistent dem Chefcoach zuarbeitet und irgendwann selbst in die Rolle des Verantwortlichen aufrückt. Bei Peter Hermann war das anders. Er wollte die Nummer zwei bleiben – und auf der Position war er die Nummer eins. Die Trainer, denen er in mehr als drei Jahrzehnten assistierte, sind das Who’s who der Bundesliga. Er war der Co-Trainer von Dragoslav Stepanović, Erich Ribbeck, Christoph Daum, Berti Vogts, Edin Terzić, Friedhelm Funkel, Niko Kovač, und die Liste ist noch lange nicht vollständig. Die engste und nachhaltigste Zusammenarbeit verband ihn mit Jupp Heynckes, dem er zunächst bei Bayer Leverkusen und später bei Bayern München zur Seite stand. Das Triumphjahr der Bayern 2013 mit dem Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League verbindet sich mit Heynckes, aber genauso mit seinem Assistenten Hermann. Als Profi des Hamburger SV war er 1973 in die Fußball-Bundesliga eingestiegen, heimisch als Fußballer wurde er aber erst in den späten Siebzigerjahren in Leverkusen. Für Bayer absolvierte er 235 Pflichtspiele – die Bindung an den Club hielt auch nach seiner aktiven Zeit – insgesamt verbrachte er fast 26 Jahre im Leverkusener Trainerstab. Von Schalke bis Dortmund, von Düsseldorf bis Hamburg – überall wurden seine Dienste als loyaler zweiter Mann geschätzt. Dem FC Bayern war die Verpflichtung Hermanns sogar mal fast zwei Millionen Euro Ablösesumme wert. So viel wurde noch nie in Deutschland für einen Assistenten gezahlt. Peter Hermann starb im Alter von 74 Jahren an den Folgen der Nervenkrankheit ALS.