Zum Tod von Sly Dunbar Der Taktgeber
Schlagzeuger Sly Dunbar: Präzise und hypnotisch
Foto:David Corio / Getty Images
Wenn er in seiner Wohnung in London telefonisch gerade nicht zu erreichen war, sprang der Anrufbeantworter an. Erst nach ein paar Sekunden knisternder Stille meldete er sich mit grabestiefer Stimme und einem einzigen Wort: »Dub!«, gefolgt vom typischen Piepston des Aufnahmegeräts. Was wie ein Gag klang, war im Grunde eine minimalistische Komposition – und zeigte den spielerischen Erfindungsreichtum dieses Ausnahmemusikers.
Geboren wurde Lowell Fillmore Dunbar 1952 in Kingston Town auf Jamaika, getrommelt hat er schon als Jugendlicher und Anfang der Siebzigerjahre lernte er seinen langjährigen Partner kennen, den Bassisten Robbie Shakespeare. Während Reggae seinen weltweiten Siegeszug antrat, bildeten Sly & Robbie nicht selten seine Rhythmusgruppe. »Wenn man eine Reggae-Platte kauft«, sagte 1979 der britische Musiker und Produzent Brian Eno, »liegt die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent, dass der Drummer Sly Dunbar ist.« Was nicht bedeuten soll, dass er auf 90 Prozent aller Platten des Genres getrommelt hat – aber anerkennt, dass er auf maßgeblichen Aufnahmen von Black Uhuru, Jimmy Cliff oder Peter Tosh den ebenso präzisen wie hypnotischen Takt vorgegeben hat.
-
1 Min
Auch Bob Dylan, Serge Gainsbourg, Mick Jagger, Madonna oder Herbie Hancock nahmen die Dienste des zweifachen Grammy-Gewinners gern in Anspruch. Mit Grace Jones verband ihn seit »Warm Leatherette« von 1980 eine kreative Partnerschaft, und bis kurz vor dessen Tod 2021 arbeitete er auch immer wieder mit Robbie Shakespeare zusammen. Sly Dunbar starb im Alter von 73 Jahren in seinem Haus auf Jamaika.