Akademikergehälter "Frauen hinken hinterher"
Forscherin Leuze: Erhebliche Nachteile für Frauen
Foto: David AusserhoferUniSPIEGEL: Kürzlich ergab eine Studie, dass Frauen in Deutschland schon beim Berufseinstieg 18,7 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Geht es Akademikerinnen ebenso?
Leuze: Die Unterschiede sind bei den Akademikerinnen sogar noch größer als bei geringer Qualifizierten. Unsere Studien haben ergeben, dass Männer fünf Jahre nach ihrem Abschluss im Schnitt 3838 Euro Brutto verdienen, Frauen aber nur 3074. Zwar haben sie bei der Bildung extrem aufgeholt - inzwischen sind fast 50 Prozent aller Uni-Absolventen Frauen. Doch was ihr Einkommen angeht, hinken sie noch immer gewaltig hinter den Männern her, und zwar schon unmittelbar nach Abschluss des Studiums.
UniSPIEGEL: Liegt das an Unterbrechungen durch Schwangerschaft?
Leuze: Auch, aber schwerer wiegt, dass es Abiturientinnen häufiger in Studienfächer wie Sozial-, Erziehungs- und Pflegewissenschaften drängt - und damit in fürsorgende Jobs. Die erinnern aber an die unentgeltlich geleistete Arbeit in Familie und Haushalt und gelten daher als weniger entlohnenswert. Außerdem sind diese Stellen oft in kleinen Betrieben und im Öffentlichen Dienst angesiedelt, wo weniger gezahlt wird als in der Privatwirtschaft.
UniSPIEGEL: Andere Frauen begeistern sich für typische Männerberufe. Werden sie auch dort schlechter entlohnt?
Leuze: Ja, das werden sie. Aber sie können froh sein, wenn sie überhaupt einen Job finden. Die Arbeitslosenquote ist zum Beispiel bei Ingenieurinnen mehr als doppelt so hoch wie bei Ingenieuren - und damit sogar höher als bei allen anderen Akademikerinnen. Und wenn sie denn zum Zuge kommen, landen sie häufiger als die Männer in zeitlich befristeten und schlechter bezahlten Jobs. Warum das so ist, wollen wir jetzt genauer erforschen.
UniSPIEGEL: Sind die Frauen nicht hartnäckig genug?
Leuze: Auf jeden Fall haben Männer ein größeres Verhandlungsgeschick. Frauen geben sich zu schnell zufrieden, wenn es um den Lohn geht. Und die meisten männlichen Chefs wissen das.