Von Beruf Kapitän Ein Schiff wird kommen
Sebastian Fuchs studiert am Institut für Schiffsbetrieb, Seeverkehr und Simulation der Hamburger Fachhochschule. Im Sommer schließt er sein Studium mit dem Diplom ab und erhält damit das technische und das nautische Patent, das zum Führen von Schiffen berechtigt. "In den ersten vier Semestern werden Grundlagen in Mathematik, Elektronik und Maschinenbau vermittelt", erzählt der 24-Jährige. Im Hauptstudium belegen angehende Kapitäne dann Kurse, die sich speziell mit Nautik und Technik beschäftigen.
Navigation und Seerecht etwa gehören dazu. Nach dem Studium möchte Sebastian Fuchs als Offizier auf Schiffen fahren und irgendwann einmal selbst ein Schiff führen. Dafür sammelt er schon während des Studiums praktische Erfahrungen. "Das Fahren ist das A und O. Man muss in den Semesterferien am Ball bleiben", sagt Fuchs. Auch nach dem Diplom sammeln Offiziere zunächst Berufserfahrung, bevor sie ein Schiff führen dürfen. Das Kapitänspatent wird nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) nach drei Berufsjahren als Wachoffizier verliehen.
Weit weg von allen Klischees
Das Bild vom bärtigen Seemann, der nächtelang Geschichten aus fernen Ländern erzählt, trifft auf den Kapitän längst nicht mehr zu. Für den Landgang bleibt kaum noch Zeit. Die Herren der See halten heute millionenschwere Ladung auf Kurs und verantworten, dass Fahr- und Lieferpläne eingehalten werden. Auf der Kommandobrücke sind daher fähige Führungskräfte gefragt.
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Frachtschiffe fahren ständig gegen die Uhr, die Liegezeiten in den Häfen werden immer kürzer. Im harten Wettbewerb brauchen die Reedereien gut ausgebildetes Personal. "An Bord eines großen Containerschiffes gibt es mehr Hightech als in einem Airbus", sagt Kapitän Hans-Jürgen Dietrich vom VDR in Hamburg. Zu den Aufgaben von Kapitänen gehören das Navigieren und Manövrieren. Ferner planen sie mit ihren Offizieren die Arbeiten im Schiffsbetrieb.
Auch für die Ladung zeichnen sie verantwortlich. "Schiffe können heute bis zu 7500 Container befördern", sagt Hans-Jürgen Dietrich. Um ein solches Schiff zu lenken, sind viele Kenntnisse erforderlich: In Fragen von Recht, Sicherheit und Technik müssen sich Kapitäne auskennen. Auch Meteorologie, Nachrichtenwesen und das Beherrschen der englischen Sprache sind unabdingbar. Sogar für Wohl und Wehe der Mannschaft ist der Kapitän zuständig, so Hans-Jürgen Dietrich.
An Hochschulen suchen die Reedereien Führungskräfte
Wenn so viel Verantwortung auf einer Person lastet, stimmt auch die Heuer: Auf der Kommandobrücke werden nach VDR-Angaben zwischen 4100 und 5100 Euro brutto verdient. Voraussetzung für den Beruf ist neben der Seediensttauglichkeit der Hauptschulabschluss. Jeder vierte Patentanwärter bringt den Realschulabschluss, rund zwei Drittel sind Abiturienten.
Die Ausbildung kann man auf zwei Wegen absolvieren: Nach einer Facharbeiterlehre zum Schiffsmechaniker bei einer Reederei lassen sich Nachwuchskapitäne an einer Fachschule in vier Semestern zum Nautischen Schiffsoffizier ausbilden. Abiturienten können an einer Fachhochschule in sechs Semestern das Nautische Patent erwerben. Die Ausbildungsstätten liegen an der Waterkant: in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Den deutschen Reedereien fehlt allerdings Nachwuchs - auch weil viele Seeleute nach einigen Berufsjahren an Land gehen. Jedes Jahr suchen die Unternehmen rund 400 Nachwuchskapitäne, nur 300 junge Leute legen jährlich aber das Diplom ab. "Die Reedereien werben daher direkt an den Hochschulen um die Führungskräfte", so Professor Michael Rachow vom Fachbereich Seefahrt der Fachhochschule Wismar.
Nach einigen Jahren ist Land in Sicht
Kapitäne arbeiten lange Zeit von Freunden und Familie getrennt auf dem Schiff. "Da gibt es abends keinen Feierabend", gibt Hans-Jürgen Dietrich zu bedenken. Schon deshalb verlassen viele Kapitäne ihre Schiffe und suchen eine neue Tätigkeit, wo der Boden nicht schwankt. Chancen bieten sich Nautischen Offizieren und Kapitänen als Lotsen, als Inspektoren bei Reedereien, in der Schifffahrtsverwaltung sowie in Speditions- und Exportfirmen.
Arvid Grosse-Bley zum Beispiel hat auf Großtankern und Containerschiffen die ganze Welt gesehen. Heute ist er Leiter der Logistikabteilung beim Ingenieursbüro Krupp Uhde in Dortmund. Das Unternehmen plant und baut Chemieanlagen in aller Herren Länder. Sein Job ist es, die Baustellen mit Material zu versorgen. Seine Erfahrungen aus der Seefahrt kommen ihm dabei zugute. Grosse-Bley ist der Familie zuliebe an Land gegangen. Die Seefahrt vermisst er manchmal: "Ich kann nur jedem raten, die eigene heile Welt einmal zu verlassen. Man bekommt eine völlig andere Sicht auf die Dinge."
Von Thorsten Wiese, gms
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