Getarnter Streik: Lehrer kränkeln aus Protest - DER SPIEGEL
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Getarnter Streik Lehrer kränkeln aus Protest

Streiken dürfen Beamte nicht - aber krank sein, dachten sich Lehrer in Hamburg. Aus Protest gegen ein neues Arbeitszeitmodell kamen sie einfach nicht zur Schule. Offiziell gaben sie "gesundheitliche Gründe" an. Rekordquote beim kollektiven Schwächeln: 87 Prozent Krankenstand.
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Hamburg - An zwei Tagen in Folge machten Lehrer in Hamburg kollektiv blau. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, konnten am Dienstag und Mittwoch an sieben Schulen bis zu 4000 Kinder nicht unterrichtet werden, weil sich 240 Lehrer krankgemeldet haben. Vor der Aktion haben die Pädagogen ein Flugblatt verteilt. Darin heißt es: "Stellt euch vor: Am 6. und 7. Mai fiele der Unterricht aus, denn alle Kollegen müssten sich auf Grund erheblichen Unwohlseins als Reaktion auf die angekündigten drastischen Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen einem Gesundheitscheck unterwerfen."

Der Anlass für das plötzliche kollektive Unwohlsein ist ein neues Arbeitszeitmodell, das vom kommenden Schuljahr an in Hamburg getestet werden soll. Die Lehrer befürchten, dass der Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) mit diesem Modell 1000 Stellen einsparen will - und sie rechnen damit, dass mehr Arbeit auf sie zukommt.

Mehr Gerechtigkeit oder mehr Hetze?

Dabei klingt die Idee des Behördenchefs zunächst einleuchtend. Ausgehend von einer 40-Stunden-Woche sollen in diesem bundesweit einmaligen Modell nicht mehr die reinen Unterrichtsstunden, sondern alle Lehrer-Aufgaben erfasst werden: etwa die Vorbereitung des Unterrichts, die Korrektur von Hausaufgaben und Klausuren oder die Vorbereitung von Klassenfahrten. Der umstrittene Bildungssenator behauptet, er wolle damit mehr Gerechtigkeit schaffen.

Doch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das anders. Nach dem neuen Arbeitszeitmodell bleibe einer Lehrerin etwa 15 Minuten Zeit für die Vor- und Nachbereitung einer Unterrichtsstunde und zehn Minuten für die Vor- und Nachbereitung einer Arbeit, so die GEW. Das sei schlicht inakzeptabel. Dennoch wies die Gewerkschaft Vorwürfe zurück, die kollektiven Krankmeldungen angezettelt zu haben.

Lange, der Admiral a.D., will die Meuterei jedenfalls nicht ungestraft lassen. Die Hamburger Bildungsbehörde prüft zur Zeit rechtliche Schritte gegen die Lehrer. "Dies ist ein getarnter, feiger Streik", sagt Behördensprecher Alexander Luckow. Lange fordert jetzt von den vermeintlichen Blaumachern schon am ersten Tag der Krankmeldung ein ärztliches Attest - sonst drohen disziplinarische Maßnahmen. Und auch Sabine Blick, Vorsitzende der Elternkammer Hamburg, hat kein Verständnis für die Aktion der Lehrer. Es könne nicht angehen, dass der Unmut gegen das Arbeitszeitmodell "auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird".


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