Insolvenzantrag Die Odenwaldschule ist pleite - Eltern wollen weitermachen
Die Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim: Kurz vor Insolvenzverfahren
Foto: Boris Roessler / dpaJetzt ist es offiziell: Für die Odenwaldschule wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die Privateinrichtung im südhessischen Heppenheim ist zahlungsunfähig, teilte Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein am Freitag nach einer Prüfung mit.
"Das Ergebnis der Prüfung belegt, dass die Insolvenz der Schule durch betriebswirtschaftliches Missmanagement eingetreten ist", sagte Rhein. Die Geschäftsführung habe es versäumt, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, die eine Insolvenz hätten verhindern können.
Mitte Mai hatte die Odenwaldschule noch verkündet, nach einem Rettungsappell in letzter Minute seien mehr als 2,2 Millionen Euro für den Weiterbetrieb zusammengekommen. Einen Monat später wurde dann bekannt gegeben, dass ein Insolvenzantrag gestellt wurde.
In der Odenwaldschule war sexueller Missbrauch lange vertuscht worden; vor allem in den Siebziger- und Achtzigerjahren waren mindestens 132 Schüler den Übergriffen von Lehrern ausgesetzt. Vor fünf Jahren kamen viele Fälle an die Öffentlichkeit. In der Folge ging die Zahl der Schüler spürbar zurück und damit auch das Schulgeld für das Privatinternat.
Eltern wollen weitermachen
Auf die Enthüllungen folgten zudem Zerwürfnisse in der Schulleitung, Aufsichtsbehörden griffen ein, immer wieder legte die Schule neue Konzepte vor. Die Querelen an der Spitze hielten auch noch nach dem Insolvenzantrag an. Die Odenwaldschule hatte am Mittwoch zwei Führungskräften fristlos gekündigt, die im Februar erst vorgestellt und der Öffentlichkeit als Retter gepriesen worden waren. Die beiden hatten sich aber zuletzt kritisch geäußert.
Trotz all dem und trotz des Insolvenzantrags will nun eine Gruppe aus Eltern versuchen, die Schule unter neuem Namen und in abgespeckter Form weiterzuführen. Laut Schulamt Heppenheim planen die Initiatoren, den Schulbetrieb zum 7. September wieder aufzunehmen.
Der Aufsichtsbehörde zufolge haben die Eltern jedoch noch kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für die nächsten drei Jahre. "Außerdem liegt noch kein Antrag auf Betriebsgenehmigung vor", hieß es in einer Stellungnahme. Es müsse geklärt werden, ob das geplante "Schuldorf Lindenstein" von den Behörden als genehmigungsfähiges Konzept anerkannt werde, sagte auch Insolvenzverwalterin Rhein: "Zum Erhalt eines Bildungsangebots ist ein Personalabbau unumgänglich."
Zuletzt gab es noch rund 150 Schüler und fast 110 Mitarbeiter.
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