Schulsysteme international So machen es die anderen
Auch die neue Pisa-Untersuchung stellt dem deutschen Schulsystem kein gutes Zeugnis aus. Eine der zentralen Fragen in der abermals entflammten Diskussion lautet, ob Deutschland seinen Kindern und Jugendlichen mit dem traditionell dreigliedrigen Schulsystem tatsächlich einen Gefallen tut - oder ob davon nur die guten Schüler profitieren, während die Hauptschulen abgehängt werden, wo sich Jugendliche aus bildungsfernen Schichten und Migrantenfamilien sammeln.
Reisen bildet. Nach der ersten Veröffentlichung im Dezember 2001 brachen deutsche Kultusminister scharenweise zu Pilgerfahrten gen Norden auf - ihre Hoffnung: Von den Finnen lernen heißt Siegen lernen. Denn Finnland war schon bei Pisa I Klassenprimus und hat sich seitdem sogar noch verbessert - 2003 sammelten die Schüler in den drei Kategorien Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften durchschnittlich fünf Punkte mehr als beim Test 2000.
Finnland hat ein integratives Schulsystem. Die Kinder starten ihre Schullaufbahn normalerweise im Alter von sieben Jahren. Seit Ende der sechziger Jahre gibt es eine neunjährige Gesamtschule. Erst nach Abschluss dieser Schule entscheiden sich die Schüler für eine Berufsausbildung oder die gymnasiale Oberstufe. Der Besuch der Sekundarstufe dauert je nach Begabung und Fleiß der Schüler zwischen zwei und vier Jahren und endet mit dem Zentralabitur, das zum Besuch einer Universität oder Hochschule berechtigt.
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Die neue Pisa-Studie der OECD
Bei Pisa 2000 erreichte Deutschland im Fach Mathematik Rang 20. Unter den damals vertretenen Ländern würde Deutschland heute Rang 16 belegen. Im Fach Lesen damals Rang 21, heute Rang 18. In den Naturwissenschaften damals Rang 20, heute Rang 15. |
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Die Niederlande, die beim ersten Schulvergleich nicht in die Wertung kamen, eroberten in allen drei Bereichen Plätze unter den ersten zehn Nationen. Die Niederländer haben ein gegliedertes Schulsystem - darauf verweisen konservative deutsche Bildungspolitiker gern und nehmen das Nachbarland als Beleg, dass nicht nur Nationen mit Gesamtschulmodellen weit kommen können.
Die Niederländer differenzieren aber deutlich später als Deutschland. Die Kinder werden in der Regel mit fünf Jahren eingeschult, besuchen allerdings sieben Jahre lang die Grundschule. Daran schließt sich der Sekundarbereich an. Das erste Jahr dient dabei als Übergangsklasse und soll den Übergang in das zweite Jahr der verschiedenen Schularten erleichtern.
Auch Belgien, unter 41 Pisa-Teilnehmer auf Rang 8, hat ein gegliedertes Schulsystem mit einer späteren Differenzierung als Deutschland. Die Kinder werden ab dem sechsten Lebensjahr sechs Jahre lang gemeinsam unterrichtet. Danach schließt sich ein Sekundärunterricht an, der drei Unterrichtsabschnitte zu je zwei Jahren umfasst. Neben den öffentlichen Schulen gibt es auch von der römisch-katholischen Kirche getragene Privatschulen.
Kanada, das schon 2000 auftrumpfte und diesmal insgesamt auf dem fünften Platz landete, hat ein integriertes Schulsystem. Die Kinder werden mit sechs Jahren eingeschult und besuchen bis zur zwölften Jahrgangsstufe eine Gesamtschule. Eine interne Differenzierung in unterschiedliche Bildungsgänge findet erst ab der zehnten Klasse statt, indem die Schüler auf hochschulvorbereitende oder berufsbildende Bildungsgänge verteilt werden.
Japan zählte beim ersten Pisa-Vergleich zu den großen Überraschungen und hat sich inzwischen leicht verschlechtert, belegt aber trotzdem den vierten Platz. Das japanische System ist integrativ: Die Kinder werden mit sechs Jahren eingeschult und sechs Jahre gemeinsam unterrichtet. Anschließend folgen drei Jahre gemeinsame Mittelschule und drei Jahre Oberschule, mit deren Ende die Schüler die Hochschulreife erhalten.