Berufsunfähigkeit Absichern gegen das unterschätzte Risiko
Der berufliche Status spielt keine Rolle, promovierte Wirtschaftswissenschaftler können zu Taxifahrern werden und examinierte Juristen zu Pförtnern. Jede Tätigkeit kommt in Frage, wenn die Gesundheit nicht mehr zulässt, dass man seinen eigentlichen Beruf ausübt.
Nur wer auch solche einfachsten Jobs wegen der Krankheit nicht mehr ausüben kann, bekommt eine so genannte Erwerbsminderungsrente, die maximal ein Drittel des letzten Bruttoeinkommens beträgt - vor allem Berufseinsteigern droht so bei schwerer Krankheit das finanzielle Aus. Helfen kann in diesen Fällen nur eine private Versicherung gegen Berufsunfähigkeit. Sie zahlt im Fall der Fälle eine Rente, die Monat für Monat zumindest die nötigsten Kosten deckt.
Wer eine solche Zusatzversicherung abschließen will, sollte bei der Auswahl verschiedener Angebote genau auf die Vertragsbedingungen achten. Wer dabei nicht aufpasst, riskiert eine vernünftige Vorsorge im Krankheitsfall. Wichtig ist vor allem, dass die Versicherung nicht erst bei hundertprozentiger Berufsunfähigkeit zahlt.
Vorsicht vor Nachlässigkeit
Denn komplett berufsunfähig sind Betroffene in den seltensten Fällen und riskieren dann saftige Abzüge von der vereinbarten Rente. Sinnvoll ist die Auszahlung der vereinbarten Rente schon bei 50 Prozent Berufsunfähigkeit.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist übrigens auch möglich für alle, die noch keinen Beruf ausüben und in der Ausbildung sind. Der Haken für Studenten und Auszubildende: Gezahlt wird in der Regel eine Rente von maximal 2000 Mark, und die gibt's auch nur, wenn die Betroffenen überhaupt nicht mehr arbeiten können.
Wichtig ist auch, den Vertrag wahrheitsgemäß und besonders sorgfältig auszufüllen. Wer Vorerkrankungen verschweigt oder aus Nachlässigkeit Fragen ungenau beantwortet, läuft Gefahr, dass die Versicherung den Vertrag im Ernstfall kündigen kann und das bedeutet: Es gibt nicht einen Pfennig Rente.
Wer einen solchen Vertragsvordruck ausfüllen muss, sollte das auch auf keinen Fall dem Versicherungsvertreter überlassen. Nur der Versicherte selbst kann alle Fragen zum Gesundheitszustand wirklich exakt beantworten.
Nicht nur für ein paar Jahre abschließen
Am wichtigsten aber ist vor allem für Berufsanfänger die so genannte Verweisungsklausel in den Verträgen. Diese Klausel erlaubt es den Versicherern, die berufsunfähigen Kunden auf einen anderen Beruf zu verweisen, den sie ja alternativ ausüben könnten.
Der Haken an der Sache: Der vorgeschlagene Beruf muss zwar die Ausbildung und die bisherige Lebensstellung berücksichtigen, aber zum einen lässt die noch kurze Karriere bei Einsteigern viele Möglichkeiten zur Verweisung und zum anderen verweisen die Gesellschaften nur abstrakt, und das bedeutet, eine konkrete Stelle müssen sie dem Versicherer nicht anbieten.
Wer sich gegen Berufsunfähigkeit versichern will, sollte daneben im Vertrag noch auf einige Punkte achten: Zum einen ist es ratsam, Verträge nicht nur für ein paar Jahre abzuschließen. Die Berufsunfähigkeit kann nicht nur in den ersten Karrierejahren bei kleinem Gehalt finanziell einschneidende Folgen nach sich ziehen, auch wer später eine Familie zu versorgen hat und nicht mehr arbeiten kann, sollte abgesichert sein.
Gute Leistungen für günstige Preise
Empfehlenswert ist deshalb eine Police, die bis zum Rentenbeginn reicht. So müssen Betroffene erst im Rentenalter notfalls auf Erspartes zurückgreifen. Außerdem sollten gerade Berufsanfänger genau kalkulieren, wie viel oder wenig Geld sie noch haben, wenn sie nicht mehr arbeiten können. Am besten stellen Interessierte vor Vertragsschluss alle voraussichtlichen Ausgaben und Einkünfte gegenüber, um die Höhe der nötigen Zusatzrente kalkulieren zu können.
Neben den Vertragsbedingungen ist natürlich auch die Höhe der Prämie entscheidend für einen günstigen Vertrag. Die Zeitschrift "Finanztest" hat im Sommer (Heft 8 /2001) über 100 Versicherer, ihre Angebote, Klauseln und Prämien überprüft.
Das Ergebnis: Bei einer monatlichen Rente von 2000 Mark gibt es mehr als 40 sehr gute Angebote und schon für 50 bis 60 Mark monatlicher Prämie ist eine Police möglich, die außerdem auch eine Lebensversicherung über 100.000 Mark beinhalten. Vor allem die HUK-Coburg, die Hannoversche Leben, die Asstel und die Dialog Versicherung bieten dem Test zufolge gute Leistungen zu günstigsten Preisen.