Campus-Typologie: Vier aus 164.000 - DER SPIEGEL
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Campus-Typologie Vier aus 164.000

Wer sind die Studenten von heute? Die große Umfrage Studentenspiegel 2010 wollte wissen, was das Uni-Volk bewegt. Ergebnis: Auf dem Campus tummeln sich Karriere- und Familienmenschen, Weltverbesserer und Selbstverwirklicher. SPIEGEL ONLINE stellt vier Archetypen vor.
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Hochschulen: Gespaltene Persönlichkeit

Foto: DPA

Wenn man den deutschen Studenten beschreiben will, kann man es sich ganz einfach machen. Die Ergebnisse der großen Umfrage, genau ermittelt und gemittelt? Der Student von heute beherrscht 2,7 Sprachen, hat bisher in 1,7 Städten gelebt, 1,6 Praktika absolviert und 0,16 Stipendien erhalten.

Mit dem "Studentenspiegel 2010" hat der SPIEGEL-Verlag gemeinsam mit studiVZ und McKinsey & Company kürzlich rund 164.000 junge Leute befragt. Sie beantworteten Dutzende Fragen zu ihren Studienleistungen, Sprachkenntnissen oder Praktika. Zugleich gaben sie Auskunft über ihre Einstellungen, Erwartungen und Wünsche. Solch eine große Umfrage unter angehenden Akademikern hat es noch nie gegeben.

Die Daten erlauben hübsche Zahlenspielereien mit krummen Mittelwerten als Ergebnis. Doch die Analysten von McKinsey haben sich nicht mit solchen Rechnungen begnügt, sondern in den Daten auch nach einem Bild der heutigen Studentenschaft gesucht. Genau genommen: nach sechs Bildern. Unter den vielen Teilnehmern entdeckten die Berater bei ihren Auswertungen ein halbes Dutzend unterschiedliche Typen: den Karrieremenschen und den Familienmenschen, den Weltverbesserer und den Rationalen, den Selbstverwirklicher und den ambitionierten Aufsteiger.

Sie alle kommen in der Studentenschaft ungefähr gleich häufig vor. Viel gemein haben sie nicht. Von einer Generation, die sich auf einen Nenner oder einen Begriff bringen ließe, wirken die Studenten von 2010 weit entfernt. "Wir sind die Generation ohne Generation" und "finden uns in unüberschaubar vielen Szenen wieder", heißt es in dem neuen Buch zweier junger Autoren, Cosima Schmitt und Manuel Hartung.

Mit dem "Studentenspiegel 2010" haben der SPIEGEL-Verlag, McKinsey und studiVZ versucht, diese unterschiedlichen Lebenswelten der Studenten von heute zu erfassen. Jeder Teilnehmer der Umfrage konnte eine kostenlose persönliche Einschätzung seiner Leistungen anfordern. Dieses Angebot besteht fort: Wer wissen will, wo er im Vergleich zu seinen Kommilitonen steht, kann auch jetzt noch mitmachen.

Vier Studenten haben sich die McKinsey-Ergebnisse der Studentenspiegel-Umfrage angesehen und entschieden, in welcher Schublade sie sich sehen:

Simon Winter, 22, BWL und Geschichte - Typ selbstbewusster Karrieremensch

Die Eltern des selbstbewussten Karrieremenschen haben ein hohes Bildungsniveau, er stammt also vermutlich aus einem Akademikerhaushalt, hat viele Praktika und Auslandserfahrung in seinem Lebenslauf aufgelistet und studiert sehr wahrscheinlich BWL.

Seine Ziele im Leben sind: ein hohes Gehalt, Prestige und eine Familie mit Kind, weil das ja schließlich dazugehört. Aber um die Erziehung sollen sich bitte andere kümmern. Der Frauenanteil: Etwa ein Fünftel der deutschen Studenten zählt zu dieser Gruppe, jeder dritte selbstbewusste Karrieremensch ist eine Frau.

Paul Lagala, 20, Flugzeugbau - Typ Familienmensch

Er findet sich von diesem Typus am ehesten repräsentiert:

Der Familienmensch ist heimatverbunden und nicht der Top-Absolvent mit Einser-Examen oder -Masternote. Zu finden ist er an deutschen Hochschulen meist in den Fächern Erziehungs- und Sprachwissenschaften, seltener bei den BWLern oder Ingenieurswissenschaften.

Der Studententyp Familienmensch sucht Sicherheit und daher eine Arbeit im öffentlichen Sektor oder einer NGO. Er will heiraten, Kinder haben und sich auch um deren Erziehung kümmern. Ein Fünftel der Studenten sehen sich als Familienmenschen, der Frauenanteil ist bei ihnen besonders hoch: Knapp 80 Prozent.

Jennifer Kasch, 23, Jura - Typ Rationalist

Sie findet sich von diesem Typus am ehesten repräsentiert:

Der Rationalist kommt seltener aus einem Akademikerhaushalt, seine Eltern haben ein eher niedriges bis durchschnittliches Bildungsniveau. Er leistet kaum Praktika oder Auslandsaufenthalte ab. Seine typischen Fächer sind Mathematik, Informatik und Ingenieurswissenschaften.

Von seiner Arbeitsstelle erwartet sich der Rationalist ein hohes Gehalt und eine sichere Stelle. Er wählt eher einen Job in der freien Wirtschaft und legt großen Wert auf soziale Absicherung. Ein gutes Sechstel der Studenten gehört dieser Gruppe an, Frauen stellen 40 Prozent.

Juliane Große, 22, Behindertenpädagogik - Typ Selbstverwirklicher

Sie findet sich von diesem Typus am ehesten repräsentiert:

Der Selbstverwirklicher plant nicht weit voraus, die Studienwahl folgt den individuellen Interessen und eher nicht im Hinblick auf spätere Jobchancen. Im Beruf bevorzugt er flache Hierarchien, legt wert auf Internationalität des Arbeitsplatzes und sucht sich diese eher bei einem Start-up-Unternehmen als bei einem etablierten Konzern.

Selbstverwirklicher stellen mit 16 Prozent Anteil an der Studentenschaft die zweitkleinste Gruppe an den Hochschulen. Etwas mehr als 50 Prozent sind dabei männlich.

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