Eliteuniversitäten Überall Hirn
Die Wissenschaftsminister der Bundesländer haben sich auf ein eigenes Konzept zur Hochschul-Eliteförderung verständigt. Anders als Bildungsministerin Edelgard Bulmahn wollen sie nicht komplette Hochschulen zu Elite-Universitäten ausbauen, sondern einzelne Fachbereiche untereinander in einen Wettbewerb um zusätzliches Geld treten lassen - an insgesamt bis zu 100 Hochschulen. Ziel sei ein weltweites anerkanntes "Netzwerk der Exzellenz", heißt es in einem von der Kultusministerkonferenz (KMK) verabschiedeten Papier.
"Der Aufbau auch nur einer oder gar mehrerer Eliteuniversitäten, wie ihn die Bundesregierung vorschlägt, ist Illusion", sagte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Keine Universität sei in allen Disziplinen spitze.
"In Deutschland existiert ein flächendeckendes, dicht geknüpftes Netz von leistungsfähigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit einem insgesamt sehr guten Leistungsspektrum einschließlich international kompetitiver wissenschaftlicher Bereiche", betonen die Wissenschaftsminister aller Länder in ihrem gemeinsamen Positionspapier. Nicht aufgenommen wurde hingegen die Forderung der unionsgeführten Länder nach Studiengebühren in den zu schaffenden Elite-Studiengängen.
"Leistungsstarke Cluster"
Statt eines Schaulaufens ganzer Universitäten wünscht sich die Kultusministerkonferenz, dass die Hochschulen ihr jeweiliges Fachprofil stärker ausbauen. Aus dem gesamten Spektrum sollen sich dann die "leistungsstärksten wissenschaftlichen Cluster" zusammenfinden. Bei den zu fördernden Fächern soll es sich um "Zukunftsfelder handeln, die im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen." Dieser "Elite-Campus-Deutschland" soll "auch im Ausland sichtbar gemacht werden."
Das sieht Bundesbildungsministerin Bulmahn etwas anders: Zwar begrüßt sie, dass die Bundesländer ihre "grundsätzliche Blockade" gegen einen Wettbewerb zwischen den Hochschulen aufgegeben hätten. Sie äußerte aber Skepsis gegenüber den Umsetzungsplänen: "Wir brauchen international sichtbare Markennamen, wie etwa Oxford." Deshalb müsse die jeweilige Universität als Ganzes hinter dem Elite-Konzept stehen: "Wir wollen Spitze, kein Hochplateau."
Die Bundesbildungsministerin will deshalb weiterhin an dem Wettbewerb "Brain Up!" zur Förderung von einigen wenigen Eliteuniversitäten festhalten - bisher war meist von fünf auserwählten Ausbildungsstätten die Rede. "Für mich ist die Zahl fünf kein Dogma, ich habe auch die Zahl zehn genannt", sagte Bulmahn. Für "Brain Up!" sollen in den nächsten fünf Jahren jeweils 250 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Ausschreibung für die Eliteuniversitäten könnte bereits Mitte des Jahres beginnen. Bulmahn schloss nicht aus, dass der Wettbewerb dann auch ohne Unterstützung der Bundesländer starten könnte.
Von Jan Friedmann