Streit um Hochschul-Fassade Und hier kommt die fünfte Strophe
Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin
Foto: David von Becker/Alice Salomon Hochschule BerlinEigentlich ist ja nur die Hochschule selbst gefragt: Was soll aus dem umstrittenen Gedicht werden, das seit sechs Jahren an der Fassade der Berliner Alice Salomon Hochschule prangt?
Damals wurden die 20 spanischen Worte des Dichters Eugen Gomringer in dicken schwarzen Lettern an die Fassade der Bildungseinrichtung gepinselt. Sie lauten übersetzt so: "Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer".
An der Hauswand fristeten sie ein friedliches Dasein, bis sich im vergangenen Jahr der Asta der Hochschule über die Bedeutung des Gedichts beschwerte: "Ein Mann, der auf die Straßen schaut und Blumen und Frauen bewundert. Dieses Gedicht reproduziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren", kritisierte der Asta . "Es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind."
Die Studierendenvertreter forderten, das Gedicht, das aus dem Jahr 1951 stammt, zu übermalen. Der Akademische Senat nahm den Antrag an, doch Rektor Uwe Bettig war dagegen, Gomringers Werk zu entfernen.
Der Dichter zählt zu den bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur seit den Fünfzigerjahren. Er gilt als Initiator der Konkreten Poesie, bei der es weniger um den Inhalt von Sprache geht und mehr darum, Wörter anschaulich aneinanderzureihen.
Bettig schlug deshalb vor, das Gedicht in einen anderen Kontext zu rücken, etwa durch eine weitere Strophe. Noch bis Mitte Oktober können die Hochschulmitglieder Änderungsvorschläge machen. Die Leserinnen und Leser von SPIEGEL ONLINE haben bereits jetzt welche gemacht. Klicken Sie sich durch:
Fünfte Strophe für umstrittenes Gedicht: "Und ein Mops"