Handelshochschule Leipzig HHL braucht Subventionen - DER SPIEGEL
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Privathochschulen Arme schicke Business School

Die Leipziger Business School HHL möchte eine unabhängige Privatuni sein, kommt aber seit ihrer Gründung nicht ohne staatliche Hilfe aus. Der Rechnungshof wirft ihr nun vor, Steuergelder zweckentfremdet zu haben.
Von Philipp Alvares de Souza Soares
Studenten der Handelshochschule Leipzig (HHL): Where's your hat at?
Studenten der Handelshochschule Leipzig (HHL): Where's your hat at?

Studenten der Handelshochschule Leipzig (HHL): Where's your hat at?

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa
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Die Handelshochschule Leipzig (HHL) gilt als eine der besten Business Schools in Deutschland - eine Privatuni mit elitärem Anspruch, die künftige Top-Manager ausbilden will. Ihren 550 zahlenden Studenten bietet sie persönliche Betreuung, eine 24/7-Bibliothek und exklusive Kontakte in die Großkonzerne der Republik.

Mit ihrem Geschäftsmodell allerdings hat die Privatuni handfeste Probleme. Der Sächsische Landesrechnungshof legt in seinem aktuellen Jahresbericht offen, wie stark die HHL inzwischen direkt und indirekt von Staatsgeld abhängig ist. Besonders scharf kritisieren die Prüfer dabei zwei Sonderzuwendungen à 700.000 Euro, die ihr das sächsische Wissenschaftsministerium 2011 und 2012 bereitstellte.

Das Geld, so stand es im offiziellen Haushaltsplan, sollte die HHL für eine "verstärkte Kooperation" mit der Universität Leipzig nutzen.

Das Problem: Die HHL soll große Teile des Geldes nicht für den eigentlichen Zweck verwendet haben. "Ich kann mir jedenfalls nicht erklären, inwiefern sich die Zusammenarbeit mit der HHL seitdem verbessert haben soll", sagt Thomas Lenk, Prorektor der Universität Leipzig.

Zuwendung für HHL-Forum offenbar zweckentfremdet

Der Rechnungshof moniert zum Beispiel, dass laut Förderantrag 306.000 Euro für "Möblierung und technische Ausstattung" von HHL-Räumen verwendet werden sollten. Ein weiterer Teil des Geldes soll 2011 in eine Veranstaltung namens "HHL-Forum" geflossen sein, die jedoch schon durch Dritte finanziert war und sogar einen Überschuss erzielte.

"Die Zuwendung für das HHL-Forum", schreibt der Rechnungshof auf Anfrage des manager magazins, "diente tatsächlich vollständig der Deckung anderer Ausgaben und wurde somit zweckwidrig verwendet". Außerdem soll die HHL dabei mit "unrichtigen Zahlenangaben" gearbeitet haben. Mehr Details nannte die Behörde nicht.

Die HHL sieht das natürlich anders. Im Jahresbericht des Rechnungshofs wird sie zitiert, dass sie die Folgerungen des Rechnungshofs für zum Teil "nicht nachvollziehbar" hält. Der Haushaltsplan habe etwa die Anschaffung von Möbeln nicht ausgeschlossen. Auch seien die vom Land bereitgestellten Mittel nur zum Teil abgerufen worden.

Privatuni HHL ist eng mit dem Staat verflochten

Die offiziell als Privatuni firmierende HHL ist auch so eng mit dem Staat verflochten: So residiert die HHL nach Angaben des Rechnungshofes zum Beispiel mietfrei in Gebäuden des Landes. Die Behörde hat ausgerechnet, dass sie allein dadurch rund 343.000 Euro im Jahr spart, nach einer geplanten Erweiterung werden es ab 2017 sogar 620.000 Euro sein.

Die enge Verflechtung hat eine lange Tradition: Schon 1994 spendierte der Freistaat Sachsen der HHL ein zinsloses Darlehen über 25 Millionen Mark, aus dem sich die Hochschule bei finanziellen Nöten bedienen konnte. In diesem Jahr sollte die Privatuni den Kredit eigentlich spätestens zurückgezahlt haben.

Doch der Schutzschirm für alle Fälle musste längst bis 2020 verlängert werden. Von 2006 bis 2012 glich die HHL Defizite in Höhe von insgesamt fast 6 Millionen Euro über das Darlehen aus. Auch das Jahr 2013 endete für die HHL mit einem Verlust.

Auf die Vergütung der HHL-Geschäftsführung sollen diese Umstände indes keine negativen Auswirkungen gehabt haben: 2012 lag deren Verdienst laut Rechnungshof "deutlich" über dem Niveau an staatlichen Universitäten.

Pinkwart: "Eine Business School sollte auf Dauer unabhängig sein"

Die Uni weist die Vorwürfe von sich - oder schweigt. So möchte sich der HHL-Präsident Andreas Pinkwart zu dem laufenden Verfahren des Landesrechnungshofs auf Anfrage nicht weiter äußern. Der ehemalige Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen gibt sich ansonsten selbstbewusst: Erst kürzlich habe man mit einer Crowdfunding-Aktion rund 280.000 Euro eingeworben, die Studentenzahl will er bis 2017 auf 690 steigern.

Und das Darlehen des Landes will Pinkwart in den nächsten sechs Jahren ablösen, wobei er sich nicht festlegen möchte, ob die HHL dieses Ziel auch sicher erreichen wird. Nur so viel: "Gerade eine Business School sollte auf Dauer unabhängig sein."

Das sah Pinkwarts Vorgänger Ludwig Trippen ähnlich: "Ich will", sagte der erste HHL-Präsident dereinst, "nicht in die Lage der Privatuniversität Witten-Herdecke kommen und eines Tages bitte, bitte bei der Landesregierung machen müssen."

Diesem Stadium scheint die HHL in der Tat schon lange entwachsen zu sein.


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