Online-Medizinertest: System durchgefallen - DER SPIEGEL
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Online-Medizinertest System durchgefallen

Es sollte alles so schön werden: Den Rechner hochfahren, die Matrikelnummer eingeben, die Fragen beantworten, fertig. Doch der bundesweit erste Medizinertest via Internet floppte, weil der Zentralrechner streikte. Jetzt bekommen alle 150 Teilnehmer einen Schein - ohne Prüfung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um kurz vor elf Uhr sollten die 150 Teilnehmer des bundesweit ersten Medizinertests ihre Rechner anschalten, eine eigens eingerichtete Seite im Internet aufrufen und dort ihre Immatrikulationsnummer und ihren Namen in ein Feld eintippen. Das solchermaßen gestartete Prüfprogramm hätte 20 Fragen aus dem Fachbereich Rechtsmedizin gestellt, im Multiple-Choice-Verfahren und mit einer Beantwortungszeit von einer Minute pro Frage - damit auch niemand genug Muße zum Schummeln habe.

Nach zwanzig Minuten wäre alles vorbei gewesen, die erfolgreichen Testkandidaten hätten sich nach kurzer Wartezeit ihren benoteten Schein ins Studienbuch heften können.

So weit die Theorie. Dummerweise stürzte bei dem groß angekündigten Pilotversuch der Berliner Charité der zentrale Großrechner ab. Das Vorzeigeprojekt scheiterte, die Studenten konnten sich nicht einmal einloggen. Um ihre Scheine müssen sie allerdings nicht bangen. Den Schein bekommen sie jetzt für ihre bloße Anwesenheit im Seminar.

Die Charité hatte den Ende Februar stattfindenden Test bereits mehrere Monate im Voraus angepriesen. Erstmals sollten in Deutschland Studenten eine Studienprüfung online ablegen. Das Universitätsklinikum, das pro Semester rund 5300 Studenten durch diverse Kurse und Seminare schleust, wollte so der seit Oktober vergangenen Jahres gültigen neuen Ausbildungsordnung (AO) für angehende Ärzte Rechnung tragen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Nach der neuen AO müssen Medizinstudenten mehr Scheine durch mündliche oder schriftliche Prüfungen erwerben. Bisher war häufig allein die Teilnahme am Seminar ausreichend.

"Das war ein Flop"

Dass das zeitgleiche 150-fache Einwählen den Zentralrechner der Charité abstürzen ließ, kann sich Kliniksprecherin Silvia Schattenfroh nicht vorstellen. Derzeit würden parallel große Datenmengen auf den Rechner übertragen. Computerabstürze, so Schattenfroh, seien daher "zurzeit häufiger der Fall". Von einer Neuauflage der Medizinerprüfung via Internet ist sie überzeugt: "Das wird wiederholt."

Allerdings müsse erst die Technik mitspielen, bevor der nächste Online-Prüfversuch unternommen werde, sagt Volkmar Schneider, Chef des Instituts für Rechtsmedizin. Schneider setzt erst einmal wieder auf bewährte Prüfverfahren. Alle Studenten, die im fünften klinischen Semester den obligatorischen Schein in Rechtsmedizin erwerben wollen, werden eine schriftliche Prüfung absolvieren müssen. Ob er den Versuch noch einmal wagen werde, wisse er nicht, nur so viel: "Das war ein Flop."