Papierboot-Wettbewerb Ein Schiffbruch wird kommen
Wer schon als Schüler ungekrönter Klassen-König im Papierbootbasteln war, kann sich nun einer echten Herausforderung stellen: Das Institut für Maritime Systeme und Strömungstechnik der Uni Rostock lädt bereits zum sechsten Mal zu einem Papierbootwettbewerb ein. Gesucht wird das tragfähigste Schiffchen.
Um sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen, kann man noch bis zum 22. März Boote einsenden. Doch die Rostocker Forscher nehmen nicht alles, was schwimmt: Ausschließlich aus Papier und höchstens zehn Gramm schwer dürfen die Boote sein - einzig Menge und Fabrikat des verwendeten Klebers bleibt den Konstrukteuren überlassen.
Zum großen Showdown kommt es dann Mitte April im Strömungskanal der Hochschule. Alle angenommenen Papierboote werden vor dem Start wasserdicht imprägniert - und dann mit Bleikugeln versenkt. Es gewinnt das Schiffchen, das bis zum Kentern die größte Last im Verhältnis zum Eigengewicht tragen kann.
Im vergangenen Jahr siegte das Kunstwerk eines Gymnasiums. 2,6 Kilo Blei waren nötig, um es absaufen zu lassen. Dieser Gewinner war ganz im Sinne der Jury, denn gerade Jugendliche will man mit dem Wettbewerb für das eher unpopuläre Studium des Schiffbaus begeistern.
Akademiker-Bespaßung mit Tiefgang
Was zunächst nach purer Gaudi für exzentrische Akademiker klingt und regelmäßig Hunderte von Schaulustigen anlockt, hat also einen ernsten Kern - es soll Studieninteressenten und Studenten spielerisch an die Wissenschaft heranführen. Solche Wettbewerbe haben an den deutschen Hochschulen eine gewisse Tradition. Sie zeigen durchaus Sinn für Skurriles, wenn sie Flugrobotern in die Luft schicken, ihre Studenten zur Konstruktion von Papierbrücken antreten lassen oder, wie seit vielen Jahren in Bochum, zum möglichst unfallfreien Transport roher Eier animieren.
Alle zwei Jahre findet auch eine Betonkanu-Regatta statt, gesponsert vom Bundesverband der Deutschen Zementindustrie (nächster Termin: 14. und 15. Juni in Potsdam). Und schon legendär sind die "Robocups", die Welt- und Europameisterschaften der kickenden Roboter.
In Rostock gibt es neben der Ehre für die Konstrukteure auch materielle Anreize, sich beim Basteln ins Zeug zu legen: Als Preise winken in diesem Jahr 250 Euro, die Mitfahrt auf einem echten Schiff und ein Besuch in der Rostocker Schiffsbauversuchsanstalt. Einige der übrigen Sieger werden mit Büchern und Videos für den Verlust ihres gefalteten Badewannendampfers entschädigt - verliehen nach Bewertungskriterien wie beste Dokumentation oder Konstruktion.
Der vom Leiter des Instituts, Robert Bronsart, initiierte Wettbewerb läuft nun bereits zum sechsten Mal - mit steigender Teilnehmerzahl. Die Phantasie der Hobbyschiffbauer überrascht die Forscher aber immer wieder. Das gilt nicht nur für die Konstruktion, sondern auch für die Namensgebung: Wann sieht man schon mal ein auf "The Real Slim Shady" oder "Wu-Tang-Clan" getauftes Boot im Hafen?