Studentenproteste: Die Nadelprobe - DER SPIEGEL
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Studentenproteste Die Nadelprobe

Alle Jahre wieder im Sommer kündigen Asten einen "heißen Herbst" an, im November kommen Studenten in Wallung, im Dezember bröckeln ihre Proteste ab - und überleben Weihnachten nicht. Jan Friedmann ahnt: Dahinter steckt doch ein göttliches Störmanöver.
Foto: Michael Sohn/ AP
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Als der liebe Gott das Weihnachtsfest erfand, terminierte er es auf Ende Dezember. Er hatte dafür seine Gründe: Nicht nur dass die kalte Jahreszeit schöne Accessoires mit sich brachte wie Schneeflocken, Bratäpfel oder Glühwein. Nein, der Schöpfer sah auch, dass der 24.12. ungefähr in der Mitte des Wintersemesters liegt.

Und er wollte Ruhe unter seinen Schäfchen, vor allem unter den Studenten, weil die zur Aufmüpfigkeit neigen. Der Plan ging auf. Mochte im Herbst der Protest noch so wütend sein, entfalteten Gänsekeule, Lametta und Muttis Spritzgebäck stets ihre konterrevolutionäre Wirkung: Sie machten dem Aufstand den Garaus.

So geschehen in den Jahren 1997 und 2003. Wer wirklich etwas bewegen will, muss dem göttlichen Störmanöver weiträumig ausweichen, wie eine Rebellion zeigt, die sich während zweier heißer Sommer abspielte, 1967 und 1968.

Prompt wurde sie zur Mutter aller Revolten. Rudi Dutschkes Erben des Jahres 2009 wollen nun sogar über die Feiertage Hörsäle besetzt halten; manche haben schon Schichtpläne erstellt, um Dauerpräsenz zu garantieren.

Aber werden die Aktivisten durchhalten? In grauer Hörsaaltristesse statt daheim unterm Tannenbaum? Es ist die Nadelprobe für die gesamte Protestbewegung.