Zweifel im Studium Hinschmeißen oder durchbeißen?
Christoph hat schon immer alles durchgezogen, auch wenn es ihm nicht so viel Spaß gemacht hat. Er ist jemand, der nicht einfach aufgibt, der sich Herausforderungen stellt. Doch im Studium ist der 22-Jährige an seine Grenzen gestoßen: Zwei Semester brauchte der Student, um zu erkennen, dass der Studiengang Wirtschaftspolitischer Journalismus an der Technischen Universität Dortmund nicht zu ihm passt.
Er besuchte alle Mathe- und Statistikvorlesungen, obwohl ihn der Stoff ebenso wenig begeisterte wie in der Schule. Mit den ersten Klausuren kamen dann die Zweifel. Christoph fragte sich, warum er immer so schlechte Noten bekam, er zweifelte an sich selbst, nie aber an seiner Studienwahl.
Viele Erstsemester sind unsicher, ob das Studium zu ihnen passt. Studenten können vor allem in den ersten Semestern, in denen sie versuchen, das System Uni zu verstehen, schwer einschätzen, ob sie wegen des Studienfaches oder der Anforderungen der Hochschule überfordert sind. Doch was passiert, wenn die Zweifel immer größer werden?
Entscheidend sei, wie stark die Gefühle im Hinblick auf den Studiengang seien, sagt Hans-Werner Rückert von der Studienberatung der Freien Universität (FU) Berlin. Bin ich überfordert? Fehlt mir der Antrieb, zur Uni zu gehen? Bekomme ich Bauchschmerzen, wenn ich nur an das Studium denke?
Mehr als jeder vierte Bachelorstudent schmeißt sein Studium hin - häufig aus den falschen Gründen. Wann aber sollte man dabeibleiben? Wann ist es Zeit abzubrechen? Tipps für die richtige Entscheidung.
Um die ersten Zweifel richtig zu deuten, ist es wichtig, seine eigene Persönlichkeit einzuschätzen. "Man sollte wissen, ob man eher eine hohe Toleranzgrenze hat oder eher ungeduldig ist", beschreibt dies Psychologieprofessor Stephan Dutke von der Universität Münster.
Am wichtigsten ist in so einer Situation, mit anderen über seine Zweifel zu sprechen. Ansprechpartner können Eltern und Freunde sein, aber auch die Beratungsstellen an den Hochschulen oder die Bundesagentur für Arbeit. Vor allem sollte man seine Entscheidung nicht allein fällen und diese nach ein paar Wochen heroisch verkünden. "Wenn man schon früh Bedenken äußert, ist das Umfeld über eine Entscheidung nicht ganz so überrascht", erklärt Dutke.
Um einen klaren Kopf zu bekommen, helfen laut Experten folgende Fragen: Wie bin ich zu der Studienwahl gekommen? Bin ich eher der Studien- oder Ausbildungstyp? Ist das Studium das Problem oder etwas anderes? Quält der Gedanke ans Studium mich schon morgens, wenn ich aufwache, und verfolgt mich abends wieder ins Bett? Sind meine Kommilitonen vom Studiengang begeistert und ich nicht? Liegt es an meinem Selbstmanagement?
Prominente Studienabbrecher: Es gibt ein Leben nach der Uni
Irgendwann müssen Studenten eine Entscheidung fällen. Es hilft nicht, sich monatelang im Kreis zu drehen. Fakt ist: Man weiß nie, was einen erwartet, wenn man einen Studiengang beendet. Aber es kann meistens nur besser als schlechter werden. Wichtig sei, vor dem Abbruch einen Plan B in der Tasche zu haben, erklärt Studienberater Rückert. Wer nicht weiß, was er nach dem Abbruch macht, dessen Versagensängste könnten größer werden.
Mancher fühlt sich durch den Studiengangswechsel auch stigmatisiert. Das sei aber Irrsinn, sagen beide Experten. "Mit 19 oder 20 Jahren durchlebt man eine dynamische Entwicklung", erklärt Rückert. Es gibt über 18.000 Studiengänge. Da ist die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Wahl zu treffen, ziemlich groß. Es gehört zu der persönlichen Entwicklung, sich mit Zweifeln und Konflikten auseinanderzusetzten. "Wenn man sich selbst Misserfolge eingesteht, wächst man daran menschlich", erklärt Rückert.
Christoph ließ lange Zeit den Gedanken, den falschen Studiengang gewählt zu haben, nicht zu. Doch seine Familie merkte, dass mit ihm etwas nicht stimmte: Christoph sprach immer nur darüber, was er machen müsse und nicht, was ihm am Studium gefalle. Die Fragen danach, was mit ihm los sei, blockte er ab, er wollte kein Versager sein.
Doch als ihm klar wurde, dass ihn Familie und Freunde unterstützten, suchte er sich Hilfe bei einer Studienberatung, deren Mitarbeiter ihm eine Auswahl an Studiengängen vorschlugen, die vielleicht besser zu ihm passten. Nun studiert Christoph Kulturwissenschaften und Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität. Jeder sehe zwar in seinem Lebenslauf, dass er einen Studiengang nicht abgeschlossen habe, "aber damit muss ich leben", sagt Christoph. Dafür studiert er jetzt mit Begeisterung, wie er sagt.