Vernetzter Campus: Invasion der Notebooks - DER SPIEGEL
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Vernetzter Campus Invasion der Notebooks

Eine Uni nach der anderen feiert sich als Vorreiter in Sachen Zukunftstechnologien. Jetzt will die Bremer Universität drahtloses Studieren per Notebook ermöglichen. Die Geräte dafür müssen die Studenten aber selbst kaufen. Ein paar neue Rechner mit Internetzugang hätten es vielleicht auch getan.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kein Papier, das raschelt, niemand, der in seinem Rucksack nach dem Kuli sucht. Stattdessen Vorlesungssäle, die nur vom leisen Klackern der Computertastaturen erfüllt sind. So soll die Zukunft der Universität aussehen. Das wünscht sich zumindest Manfred Wischnewsky, Leiter des Zentrums für Multimedia in der Lehre (ZMML) an der Uni Bremen. Der Informatik-Professor ist Leiter des Projekts "Mobiler Campus".

Wischnewsky will die Uni Bremen mit einem Funknetzwerk überziehen, in das sich die Studenten mit ihren Notebooks drahtlos einloggen können. Geht alles nach Plan, können sich die Studenten nicht nur die Skripte der Professoren, sondern auch Lehrbücher aus der Bibliothek direkt auf ihre Rechner laden. Auch in Prüfungen sollen sie die mobilen Rechner künftig nutzen dürfen. Service-Stationen auf dem Campus, die von privaten Unternehmen betrieben werden, sollen Abhilfe schaffen, falls der Laptop einmal streikt.

Die Rechner, mit denen sich die Nachwuchs-Akademiker künftig in das Netzwerk einwählen sollen, müssen sie aber selber bezahlen. Die Universität hat nach eigenen Angaben Verträge mit Bremer Computerhändlern abgeschlossen. Dadurch sollen die teuren Notebooks billiger werden. Trotzdem werden die Studenten wohl zwischen 2000 und 2500 Mark hinblättern müssen, ehe sie virtuell an Vorlesungen teilnehmen können. Um soziale Härten zu vermeiden, will die Universität deshalb ärmeren Studenten bei der Anschaffung der Geräte finanziell unter die Arme greifen.

Dieser Geldpool sei mit viel zu geringen Mitteln ausgestattet, kritisiert Frank Sobich, AStA-Referent der Uni Bremen. "Die Idee, dass damit nur fünf Prozent der Studenten bezuschusst werden sollen, geht doch an der Wirklichkeit vorbei", wirft Sobich der Universität vor. Prinzipiell, so der Studentenvertreter, würde man es begrüßen, dass Vorlesungsskripte aus dem Internet heruntergeladen werden könnten. Doch dafür würde es auch genügen, die Zahl der allgemein zugänglichen Computer zu erhöhen.

Ein Vorbild für das Großprojekt der Bremer Uni ist die private Bucerius Law School in Hamburg. Dort gehört ein Notebook zur Grundausstattung jedes Studenten. Die Kosten tragen die Hochschüler selber. Erstsemester müssen für so einen Hightech-Rechner zu Studienbeginn über 5000 Mark auf den Tisch legen. Doch das fällt an der Privatuni nicht weiter ins Gewicht. Für den Bachelor-Grad sind nämlich 50.000 Mark Studiengebühren fällig. Und schon dafür müssen viele einen Kredit aufnehmen.

Auch andere Universitäten wollen sich das Prädikat "Notebook-Uni" an die Brust heften. So können Informatik-Studierende der Uni-Freiburg die mobilen Rechner zum Vorzugspreis von 1750 Mark kaufen und sich damit drahtlos ins Uninetzwerk einwählen. Auch an der TU Darmstadt wird mit Hochdruck daran gearbeitet, den Studenten Papier und Stift auszutreiben. Die Darmstädter Hochschüler müssen die teuren Rechner noch nicht einmal kaufen - sie können leasen. Dafür müssen sie aber 101 Mark pro Monat vom ohnehin meist knappen Budget abknapsen.

Dass eines Tages alle Studenten still und leise hinter ihren Rechnern sitzen, bezweifelt AStA-Mitglied Sobich. "Gemeinsames Lesen und Diskutieren macht das Studium aus. Das lässt sich mit keiner Internetpräsenz und keinem Chatroom erreichen." Protestieren gegen die Pläne einer Notebook-Uni wollen die Bremer Studenten nicht. "Das ist doch eher eine überdimensionierte Werbeaktion für die Uni", urteilt Sobich. "Man könnte unsere Position eher als desinteressiertes Schulterzucken bewerten. Das einzig Ärgerliche ist, dass die Universität Partnerschaften mit bestimmten Computerfirmen eingeht. Und das ist nicht ihre Aufgabe."