Wir drehen eine Runde: BYD Atto 2 Car-aoke – hören Sie selbst ...
Jürgen Pander, Ressort Mobilität:
»Taste of moonshine, teardrop in my eye. Country road, take me home...«
Niko Bünten, Videojournalist:
»Jürgen? Was soll denn die Singerei?«
Jürgen Pander, Ressort Mobilität:
»Niko, das gehört schon zum Autotest. Denn der Wagen, mit dem wir uns beschäftigen, hat eine Karaoke-Funktion. Wir drehen eine Runde mit dem neuen BYD Atto 2.«
Niko Bünten, Videojournalist:
»Ich bin gespannt!«
Jürgen Pander, Ressort Mobilität:
»Ja, und ich singe den Song noch zu Ende.
Das ist der BYD Atto 2, ein noch einigermaßen kompaktes Elektro-SUV, das seit wenigen Wochen auf dem deutschen Markt ist. Der chinesische Hersteller BYD ist seit 2023 in Deutschland aktiv und dieses ist bereits die achte Modellreihe, die BYD hierzulande anbietet. Doch trotz der Auswahl – der Erfolg ist noch relativ bescheiden. Im vergangenen Jahr wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt lediglich 2.891 neue BYD-Modelle in Deutschland zugelassen. Und logisch, damit kann und wird der größte Elektroautohersteller der Welt nicht zufrieden sein. Jetzt also kommt das preiswerteste SUV der Marke, so nennt BYD den Atto 2, auf den Markt. Schauen wir uns den Wagen mal ein bisschen genauer an.
Das Design hier vorn, an der Frontpartie erkennt man, dass die Designer um so eine schlichte Eleganz bemüht waren. Man sieht hier schmale Voll-LED-Scheinwerfer, darunter Tagfahrlichtleisten. In der Mitte eine schwarze Blende mit dem Markenlogo BYD. Von der Seite, da sieht das ganze Auto schon ein bisschen robuster aus, mehr nach SUV, hier beispielsweise gekennzeichnet durch dicke Plastikplanken an den Radhäusern oder diese sehr auffällig gestalteten Schweller hier. Und auch die Grafik der Seitenscheiben ist besonders, vor allen Dingen hier hinten an der C-Säule und da gibt es sogar noch eine kleine Extrascheibe. Ob die die Rundumsicht von innen wirklich verbessert, das werden wir noch herausfinden. So, und jetzt schauen wir uns erst mal drinnen um.
Im BYD Atto 3, dem größeren Schwestermodell unseres Testwagens, da ist der Innenraum voller Dekoelemente und Design-Besonderheiten. Hier im Atto 2 geht es extrem viel nüchterner zu. Es ist übersichtlich, aufgeräumt, fast schon schlicht, das Interieur hier drin. Und es gibt nur eine Besonderheit, das ist dieser Getriebe-Wählhebel in Diamant-Optik, wie BYD das nennt. Hier in der Mitte, so ein bisschen wie geschliffener Kristall soll das aussehen.
Ansonsten ist die Einrichtung hier das, was man von vielen anderen Elektroautos auch kennt. Auf den Lenkradspeichen beispielsweise sitzen hier links die Tasten für die Assistenzsysteme und hier rechts die Lautstärke-Regelung für alle Multimedia-Funktionen, Sprachbedienung oder auch Telefon. Aber das Allermeiste wird über diesen zentralen Bildschirm geregelt und der lässt sich wie immer bei BYD um 90 Grad drehen, ganz wie man die Ansicht lieber haben möchte. Der funktioniert mit dem neuesten Update des BYD-Betriebssystems und neu daran ist vor allem, dass es hier unten eine Leiste gibt, eine Leisten mit kleinen Symbolen, über die man direkten Zugriff zu dem hat, was man sich da eben hingelegt hat. Es bleibt aber dabei, auch wenn das System sehr schnell funktioniert und die Grafik ansprechend ist – man wird abgelenkt, weil man immer wieder hier hinschauen muss und manches eben doch erst mit drei oder vier Berührungen eingestellt werden kann. Das hat offenbar auch die BYD-Entwickler dazu angeregt, sich ein paar Tricks auszudenken. Beispielsweise, wenn man mit drei Fingern hier drauf geht und waagrecht streift, dann kann man auf einen Handgriff hin die Gebläsestärke variieren und wenn man die gleiche Bewegung senkrecht ausführt, dann kann man mit einem Handgriff die Temperatur der Klimaanlage einstellen.
Einstellen lässt sich über das Bordsystem natürlich auch die Karaoke-Funktion. Ich schalte die mal an. Dazu braucht man, wenn man singen möchte hier drin, dann diesen Sender, der wird hier unten in die USB-A-Schnittstelle eingesteckt, und natürlich das Mikrofon. Und dann ermöglicht einem die App hier die Auswahl unterschiedlichster Lieder, unterschiedlich geordnet und man kann also hier los schmettern. Im Stand, da funktioniert es auf dem großen Bildschirm. Wenn man während der Fahrt die Karaoke-Funktion nutzen möchte, beziehungsweise wenn die Mitfahrer das wollen, dann müssen sie sich die App herunterladen und erhalten dort dann die Sing-Along-Texte eingespielt. Aber wir wollen jetzt nicht singen, wir wollen eine Runde drehen.
Schon nach den ersten Metern im Atto 2 merkt man: Das hier ist ein temperamentvolles und vor allen Dingen sehr agiles Elektroauto. Der E-Antrieb ist kraftvoll und der Wendekreis beträgt nur 10,50 Meter. Das heißt, das Auto ist wirklich sehr beweglich. Die Rekuperation lässt sich in zwei Stufen variieren. In keiner der beiden Stufen aber ist One-Pedal-Driving möglich. Also der Wagen bremst niemals bis zum kompletten Stillstand ab. Und es gibt vier Fahrmodi, die werden hier unten über diese Taste in der Mittelkonsole eingestellt. Im Unterboden unseres Autos, da sitzt ein Lithium-Eisenphosphat-Akku. Diese LFP-Akkus, die gelten als besonders robust, sicher und sie kommen ohne Nickel, Kobalt und Mangan aus. Allerdings ist die Energiedichte nicht ganz so groß wie bei Lithium-Ionen-Akkus. Und man muss speziell für unseren Akku noch wissen: Die Ladeleistung ist nicht besonders. 11 KW am Wechselstrom, das ist noch okay. Aber 65 KW am Gleichstromlader, das ist schon unterdurchschnittlich. Das dauert auch mindestens 40 Minuten, bis wieder der Akku von 20 auf 80 Prozent gefüllt ist. Aber es soll noch im Laufe des Jahres, sagt BYD, eine Variante mit stärkerer E-Maschine, größerem Akku und vielleicht dann ja auch besserer Ladeleistung folgen.
Ja, das Handling ist okay, Fahrleistungen sind souverän. Man fühlt sich trotzdem nicht so richtig entspannt hier drin und das liegt an den hyperempfindlichen Assistenzsystemen, insbesondere an der Fahrerüberwachung, hier über diese Kamera. Wir haben die Kamera für den Test allerdings ausgeschaltet, weil die ist wirklich so empfindlich, dass sie kleinste Blicke zur Seite schon mit Alarmsignalen ahndet. Was natürlich total absurd ist in einem Auto, bei dem die allermeisten Bedienfunktionen hier über einen Touchscreen gesteuert werden. Denn natürlich schaut man ab und zu mal auf die Navi-Karte oder man stellt hier Gebläse ein oder sucht sich einen neuen Musiksender. Und weil wir schon bei den Blicken sind: Die Sicht nach schräg hinten, die wollten wir ja noch testen. Also, es gibt diesen Sehschlitz in der C-Säule, aber so richtig verbessert der die Sicht nach schräg hinten auch nicht. So, und wir gucken jetzt noch auf die Rückbank und in den Kofferraum.
Der Platz auf den Rücksitzen, der überrascht – und zwar positiv. Denn hier ist wirklich viel Raum für die Beine, für den Kopf und für die Arme. An den Rückenlehnen der Vordersitze gibt es hier diese Einstecktaschen und hier unten in der Mittelkonsole gibt es zwei unterschiedliche USB-Buchsen. Eine ausklappbare Armlehne, die gibt es leider nicht, aber die braucht man vielleicht auch nicht. So, und jetzt gucken wir noch in den Kofferraum.
Ehe wir unter die Heckklappe schauen, werfen wir erst noch mal einen Blick auf das Heck insgesamt. Man erkennt hier einen sehr wuchtigen Dachspoiler, einen kleinen Heckscheibenwischer, LED-Rückleuchten mit einem durchgehenden Lichtband und eine insgesamt sehr breite, ausladende Optik. Jetzt machen wir auf und da haben wir den Kofferraum: 400 Liter passen rein. Der Ladeboden lässt sich in zwei Höhen fixieren. Jetzt ist er auf der oberen Stufe und dann ergibt sich darunter ein kleines Kellerabteil sozusagen, wo das Ladekabel hereinpasst, denn es gibt keinen Frunk. Die Rücksitzlinie, die ist geteilt, die lässt sich umklappen und dann wächst das Ladevolumen auf 1.340 Liter. Wir drehen noch eine Runde.
Eine gute Serienausstattung, zu der Wärmepumpe, bidirektionales Laden und das große Glasdach gehören, reichlich Raum und ein angenehmes Fahrverhalten – der BYD Atto 2 ist ein weiteres Elektroauto, das keine besonderen Schwächen hat, aber auch über keine großartigen Stärken verfügt. Gut gefallen uns das praktische Format, das ordentliche Platzangebot und das agile Handling. Weniger gut gefallen uns das austauschbare Design, dieser hyperempfindliche Fahrerüberwachungsassistent hier und das schwache Gleichstromladen.«
Niko Bünten, Videojournalist:
»Und der Preis? Was kostet der Wagen hier?«
Jürgen Pander, Ressort Mobilität:
»Den BYD Atto 2 gibt es ab 29.990 Euro. Unser Testauto mit Boost-Ausstattung und Sonderlackierung kostet 32.740 Euro. Ach ja, und wenn du das Karaoke-Mikrofon noch bestellst, dann kommen noch mal 270 Euro drauf. Aber dann kannst du dir die Wartezeit an der Ladesäule verkürzen. Und wer weiß, vielleicht entdeckt dich sogar ein Talent-Scout.«
Niko Bünten, Videojournalist:
»Ja, vielleicht.«
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