Posse in Berlin Fertiger Radweg darf nicht benutzt werden
Der eigentlich fertiggestellte Radweg in Berlin-Reinickendorf steht nun infrage
Foto: Jürgen Ritter / IMAGOSeit Tagen wird in Berlin hitzig über neue Radwege diskutiert – deren Bau will die neue Verkehrssenatorin Manja Schreiner von der CDU überprüfen. Nun haben die Fraktionen von Linken und Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus einen gemeinsamen Antrag für die Plenarsitzung am nächsten Donnerstag angekündigt, mit dem sie den Radwege-Ausbaustopp verhindern wollen.
»Senatorin Schreiner hat es vermocht, innerhalb weniger Wochen Amtszeit zur Chaos-Senatorin zu mutieren, eine nie dagewesene Verwirrung anzurichten und weite Teile der Stadtgesellschaft gegen sich aufzubringen«, erklärten die zuständigen Sprecher der beiden Fraktionen, Oda Hassepaß (Grüne) sowie Kristian Ronneburg und Niklas Schenker (Linke).
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Die Aufregung über die Radwege wächst stetig, seit die Verkehrsverwaltung am Freitag mitgeteilt hatte, dass bestimmte Projekte vorerst nicht weiterverfolgt werden sollten. Betroffen seien Vorhaben, die den »Wegfall von Fahrstreifen, Bussonderfahrstreifen oder sonstigen Einschränkungen des ÖPNV« oder eine »erhebliche Beeinträchtigung von Wirtschafts- und Lieferverkehr« zur Folge hätten.
Die Ansage gilt auch für Radwege, für die eine bestimmte Anzahl von Autostellplätzen wegfallen müssten. Diese Projekte sollen nun geprüft werden. Andere Radwege, die zum Beispiel »in Zusammenhang mit der Schulwegsicherheit« stehen, sollen weiter geplant und priorisiert werden.
Zuvor war ein Schreiben aus der Verkehrsverwaltung an die Berliner Bezirke bekannt geworden, in dem sie ihre Pläne ankündigte. Dieses Papier habe zu einer immensen Verunsicherung in der Berliner Verwaltung, den Bezirksämtern und der Öffentlichkeit geführt, kritisierten die Sprecher der Linken- und Grünenfraktion.
Es sei völlig unklar, wie viel Zeit sich Schreiner nehmen wolle, um die Radwegeprojekte zu prüfen, und nach welchen Kriterien. »Es droht monate-, wenn nicht sogar jahrelanger Stillstand.« Mit ihrem Antrag fordern sie den Senat auf, den angewiesenen Ausbaustopp mit sofortiger Wirkung zurückzunehmen.
Unklar, um welche Projekte es geht
Welche Folgen das Umsteuern beim Radwegebau im Detail hat, ist schwer abzusehen. Es ließe sich noch nicht sagen, um wie viele Radwege es gehe, teilte die Verkehrsverwaltung am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. »Zurzeit erfolgt eine Bestandsaufnahme mit nachfolgender Überprüfung der Radwegeprojekte.« Radwege, die bereits im Bau oder fertiggestellt seien, sollten nicht noch einmal überprüft werden, hat die Verkehrsverwaltung laut Medienberichten gegenüber den Bezirken klargestellt.
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In Reinickendorf soll aber offenbar sogar ein fertiger neuer Radweg nicht für den Verkehr freigegeben werden, wie mehrere Berliner Medien berichten. Auf der Ollenhauerstraße sind die weißen Zeichen auf dem Asphalt, die den Radweg markieren sollten, inzwischen mit gelben Kreuzen überklebt – hier sollen keine Räder mehr fahren, stattdessen dürfen wieder Autos parken. Einem Bericht der »Berliner Zeitung« zufolge hat die Radspur 280.000 Euro gekostet, davon habe der Bund 210.000 Euro beigesteuert.
Demnach sperrt sich die örtliche Verkehrsstadträtin Julia Schrod-Thiel (CDU) gegen den neuen Radweg, sie hofft augenscheinlich auf Unterstützung aus dem Senat. Verkehrssenatorin Schreiner selbst antwortete am Mittwoch auf die Frage nach der Ollenhauerstraße und möglichen Rückzahlungen von Fördermitteln, dazu könne sie nichts sagen. »Ich kenne das Projekt gar nicht so ganz genau.«