Ausrangierte Züge Deutsche Bahn nimmt Abschied vom klassischen Intercity
Intercity 1 in Kassel (Bild von 2025)
Foto: Rüdiger Wölk / IMAGODie Deutsche Bahn trennt sich vom klassischen Zugtyp Intercity 1. Am Samstag fuhren zwei Züge von Hamburg-Altona und München Hauptbahnhof für eine Abschiedstour nach Wiesbaden, wo die Bahn Loks und Wagen aus 55 Jahren Intercity-Geschichte ausstellte. Ursprünglich war eine Sternfahrt mit einem dritten Zug aus Berlin geplant, der jedoch mangels Nachfrage gestrichen wurde.
Moderne ICE auf den Hauptstrecken oder doppelstöckige Intercity 2 für Verbindungen in kleinere Städte hätten den »Reisezugwagenklassiker inzwischen flächendeckend ersetzt«, teilte die Bahn mit. Der im September 1971 eingeführte Intercity habe jedoch »die Grundlagen für den schnellen, vertakteten Eisenbahnverkehr in Deutschland, wenn nicht gar in Europa gelegt«.
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Foto: Wassmuth / Fotostand / picture allianceDie nun abgeschafften Züge ließen sich flexibel aus einer Lokomotive und mehreren Wagen zusammenstellen. Feste Abfahrzeiten im Stundentakt, ein Bordrestaurant in der Mitte des Zugs zwischen den beiden Wagenklassen und geregelte Anschlüsse zum Umsteigen am selben Bahnsteig seien heute Standard, so die Bahn. Vor dem Intercity habe es Derartiges jedoch nicht gegeben. Auch die Reisegeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer pro Stunde sei mit den vorigen D-Zügen nicht vorgesehen gewesen.
Auch mit Diesellok
Los ging es 1971 mit vier Linien der damaligen Deutschen Bundesbahn durch Westdeutschland, anfangs nur mit Wagen der 1. Klasse und alle zwei Stunden. Ab 1979 fuhren die Intercitys stündlich und auch mit der 2. Klasse. Die Hauptstrecken wurden ab 1991 allmählich vom Hochgeschwindigkeitszug ICE übernommen. Mit den modernen Konzepten trotzte die Bahn ihrem langjährigen Abstieg, da sie Passagiere an Auto und Flugzeug verlor.
Zuletzt waren die klassischen Intercitys vorwiegend auf touristischen Strecken zur Nordsee oder in die Alpen unterwegs. Dort hatten sie den Vorteil, dass statt einer Elektro- auch eine Diesellok den Zug antreiben konnte – auf bis heute nicht elektrifizierten Strecken wie der nach Sylt. Außerdem ließ sich ein Zug mit sogenannten Kurswagen zweiteilen, um auf einem kurzen Abschnitt verschiedene Ziele anzufahren, die allein nicht genug Fahrgäste anlockten. Seit dem Sommer werden solche Strecken vom neuen ICE L bedient, der ebenfalls mit unterschiedlichen Loks bespannt werden kann, allerdings nicht teilbar ist.
Die letzten Intercity 1 verschwanden bereits im September sang- und klanglos aus dem Fahrplan – »baustellenbedingt«, wie die Bahn mitteilte. Noch bis zum 20. September waren die Züge auf der Linie Köln-Gera im Einsatz, die erst 2018 neu eingeführt wurde, auch um die einstige Großstadt im Osten Thüringens wieder an den Fernverkehr anzuschließen. Nun soll die sogenannte Mitte-Deutschland-Verbindung durch Thüringen ausgebaut und in den kommenden Jahren elektrifiziert werden. Die Arbeiten dauern nach Angaben des Thüringer Verkehrsministeriums voraussichtlich bis Ende 2032.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde die Strecke Oberstdorf/Berchtesgaden als Beispiel genannt, wo nun statt der klassischen Intercitys Züge vom Typ ICE-L fahren sollen. Dies trifft für Oberstdorf zu, aber nicht für Berchtesgaden. Wir haben das Beispiel entfernt.