Massive Verspätungen im ersten Halbjahr Bahn gibt Pünktlichkeitsziel für 2024 vorzeitig auf
Bahnreisende im Hamburger Hauptbahnhof
Foto: Björn Trotzki / IMAGOZuletzt war es auch die Fußball-EM, die die Schwächen der Bahn offengelegt hat. Allein im Juni, während der ersten Turnierhälfte, war fast jeder zweite Fernzug mit Verspätung unterwegs, wie die Bahn nun mitteilte. Im vergangenen November hatte es schon einen derart schlechten Pünktlichkeitswert gegeben, davor viele Jahre nicht.
Ihr Pünktlichkeitsziel fürs laufende Jahr kassiert die Bahn deshalb schon jetzt. Ursprünglich sollten 2024 mehr als 70 Prozent der Züge pünktlich kommen. Es zeichne sich ab, dass die Jahrespünktlichkeit deutlich unter diesem Zielwert liegen werde, hieß es nun.
Im gesamten ersten Halbjahr dieses Jahres kamen der Bahn zufolge lediglich 62,7 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerung am Ziel an. Das waren fast sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum.
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Die sogenannte Reisendenpünktlichkeit sah im ersten Halbjahr mit 66,8 Prozent nicht viel besser aus. Anders als die betriebliche Pünktlichkeit wird dabei ausgewertet, wie groß der Anteil der Reisenden war, die ihr Ziel ohne größere Verzögerungen erreicht haben. Berücksichtigt werden dabei auch Zugausfälle. Als verspätet gilt ein Fahrgast dabei ab einer Verzögerung von 15 Minuten.
»Die massiven Streiks, das bundesweite Baugeschehen und insbesondere die Extremwettereignisse im ersten Halbjahr in einem noch nie dagewesenen Ausmaß haben die Zahl nach unten gedrückt«, teilte die Bahn mit. Das Wetter machte Bahn und Fahrgästen vor allem im Juni schwer zu schaffen. »Mit durchschnittlich über 400 Zügen pro Tag waren mehr als doppelt so viele Fernzüge von externen Einflüssen wie Hangrutschen, Überflutungen und Dammschäden betroffen wie normalerweise«, hieß es. »Damit lag diese Zahl sogar 33 Prozent über den bisherigen Spitzenmonaten während der Flutkatastrophe im Sommer 2021.« Noch nie gab es demnach so viele unwetterbedingte Verspätungen bei der Bahn.
Laut Wissenschaftlern führt der Klimawandel zu häufigeren Extremwetterereignissen. Auch das Hochwasser in Bayern Ende Mai und Anfang Juni sei durch die Erderhitzung wahrscheinlicher gewesen .
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Nur noch gut die Hälfte rechtzeitig: Die Pünktlichkeitsquote der Bahn ist so mies wie das Wetter2 Min
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Doch Streiks und das schlechte Wetter erklären die geringe Zuverlässigkeit der Bahn nur zum Teil. Schließlich kämpft der Konzern schon seit Jahren mit hohen Verspätungsquoten. Hauptgrund dafür ist die schlechte Infrastruktur, die seit Jahrzehnten auch aufgrund der mangelnden Finanzierung auf Verschleiß gefahren wird.
Seit einiger Zeit tut sich jedoch etwas. Mit bisher nicht gekannten Milliardensummen will der Bund das Schienennetz modernisieren. Seit dieser Woche läuft die Rundum-Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Bis Mitte Dezember ist der viel befahrene Korridor komplett gesperrt. Danach soll die Strecke für mehrere Jahre baufrei bleiben.
Nach diesem Konzept sollen bis 2031 weitere 40 stark frequentierte Streckenabschnitte wieder fit gemacht und die Pünktlichkeit stückweise wieder verbessert werden. »Mit der Sanierung des Schienennetzes wird dieses auch widerstandsfähiger gegen Extremwetterereignisse«, teilte die Bahn mit.