Meta, YouTube, TikTok So gehen die Plattformen mit Aufnahmen des Kirk-Attentats um
Charlie Kirk ist tot: Das Attentat ist Thema Nummer eins auf vielen Social-Media-Plattformen
Foto: Ross D. Franklin / APIn diesem Text wird das Attentat auf Charlie Kirk aus mehreren Perspektiven beschrieben. Wir haben darauf verzichtet, entsprechende Videos im Text zu verlinken.
Ein Schuss, spritzendes Blut, Charlie Kirk, der nach hinten kippt: Nur Minuten nach dem Attentat auf den US-Aktivisten bei einer Kundgebung an der Utah Valley University haben sich Videos und Bilder, die den Vorfall klar und deutlich zeigen, in den sozialen Plattformen verbreitet. Die Aufnahmen haben in kurzer Zeit plattformübergreifend auf X, TikTok, Instagram, Bluesky, YouTube, Reddit und Co. Millionen Accounts erreicht. Charlie Kirk war ein politischer Aktivist, der mit seinen öffentlichen Auftritten enormen politischen Einfluss im Weißen Haus erlangte. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Sein Tod hat das Interesse an ihm noch weiter in die Höhe schnellen lassen.
Einige Nutzerinnen und Nutzer berichten, dass sie unfreiwillig mit Nahaufnahmen von Kirk konfrontiert wurden und nun traumatisiert seien. Vor allem Elon Musks Plattform X wurde mit Clips des Vorfalls geflutet. »Wie ich mich fühlte, als ich durch Twitter scrollte und zufällig die Nahaufnahme von Charlie Kirk sah, wie er erschossen wurde«, schreibt eine Nutzerin auf TikTok zu einem Reaktionsvideo von sich: »Mir wurde buchstäblich schlecht.«
Sensationslüsterne Nutzerinnen und Nutzer suchten wohl gezielt nach Nahaufnahmen, denn wenn man auf TikTok nach »Charlie Kirk« sucht, schlägt die Plattform noch spezifischere Suchanfragen vor, wie etwa »charlie scene footage close up raw«, »charlie kirk close up video« oder »the charlie video shoot«.
Einige der Videos zeigten Kirks blutende Halswunde in hoher Auflösung, wenige sind verpixelt oder auf andere Weise unkenntlich gemacht. Bei einigen Clips wurden Triggerwarnungen vorangestellt, die Nutzerinnen und Nutzer vor dem schockierenden Inhalt vorwarnen sollen. Andere Aufnahmen werden nach und nach von der Plattform gelöscht. Neben den brutalen Bildern häufen sich auch hämische Posts, die das Attentat auf Kirk verharmlosen oder sogar bejubeln.
Wie reagieren die Plattformen darauf?
Das US-Techmagazin »The Verge« hat bei Social-Media-Plattformen angefragt, wie sie Beiträge zu dem Attentat moderieren.
Meta
Eine Suche nach »charliekirk« bei Instagram fördert am Donnerstagvormittag unter den ersten Ergebnissen mehrere Videos zutage, die den Moment des Attentats zeigen. Im Vorschaubild des ersten Suchergebnisses wird der Moment festgehalten, in dem Kirk von der Kugel getroffen wird. Wenn man darauf klickt, erscheint ein grauer Warnscreen: »Sensible Inhalte. Dieses Video enthält Inhalte, die manche Personen als verstörend empfinden könnten.« Diese Warnung können Nutzerinnen und Nutzer mit einem Klick wegdrücken, um sich das Video des Instagram-Accounts »surfchannel.hawaii« anzusehen.
Warnscreen von Instagram
Foto: InstagramDer Account selbst hat auch eine eigene Triggerwarnung hinzugefügt: »WARNUNG: DAS VIDEO IST NICHT FÜR ALLE ZUSCHAUER GEEIGNET: ZUSCHAUER 👀 SOLLTEN SELBST ENTSCHEIDEN, OB SIE ES ANSEHEN MÖCHTEN.« Das Video zeigt Charlie Kirk sitzend aus seitlicher Perspektive, wie er die letzten Fragen vor dem Schuss beantwortet, wie sein Körper nach dem Schuss zusammensackt und die darauffolgende Panik, die in der Menge losbricht. Das Video ist seit elf Stunden online und hat mehr als 1,5 Millionen Accounts auf Instagram erreicht.
Eine Sprecherin des Mutterkonzerns von Instagram, Meta, verwies »The Verge« nach ihrer Anfrage lediglich auf die bestehenden Richtlinien des Unternehmens für »Gewaltdarstellende und drastische Inhalte«. Demnach würde das Unternehmen »drastische Inhalte« entfernen und »andere Arten« von Inhalten mit Warnhinweisen versehen. Zudem werde »die Möglichkeit für jüngere Nutzer*innen, Inhalte zu sehen, die für sie möglicherweise nicht geeignet oder altersgerecht sind«, beschränkt. Zu Meta zählen noch Threads, Facebook und WhatsApp.
YouTube
Wer am Donnerstagvormittag auf YouTube nach Nahaufnahmen des Attentats gesucht hat, wurde nicht ganz so schnell fündig wie auf Instagram. Bei einer schnellen Suche fanden sich auf YouTube weniger Videos, die den Moment, in dem Kirk getroffen wird, explizit zeigen. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass sich Suchergebnisse auf den sozialen Plattformen schnell ändern können und nicht für alle Nutzerinnen und Nutzer gleich sind. Einige der Videos wurden mit einer Warnung versehen, die man wegklicken kann: »Das folgende Video enthält möglicherweise schockierende Bilder oder Gewaltdarstellungen.«
Triggerwarnung von YouTube
YouTube-Sprecher Jack Malon sagte »The Verge«, dass YouTube »einige explizite Inhalte« im Zusammenhang mit Kirks Tod entfernen werde, »insbesondere wenn sie den Zuschauern nicht genügend Kontext bieten.« Einige Inhalte, die den Angriff zeigen, wurden zudem mit einer Altersbeschränkung versehen. Sie können also von nicht angemeldeten Zuschauern oder Nutzern unter 18 Jahren nicht angeschaut werden.
Die ersten Suchtreffer bei YouTube sind vorwiegend Videos von US-Nachrichtenseiten wie CNN, New York Post oder MSNBC. »Wir beobachten unsere Plattform genau und heben Nachrichteninhalte auf der Startseite, in der Suche und in Empfehlungen deutlich hervor, damit die Menschen auf dem Laufenden bleiben können«, so Malon.
Bluesky
In einem Beitrag unter dem Account »Bluesky Safety« betont die Plattform, dass sie gegen gewaltverherrlichende Inhalte vorgeht. »Wir überprüfen Meldungen und ergreifen Maßnahmen gegen Inhalte, die Schaden gegen andere Personen verherrlichen. Gewalt hat in einer gesunden öffentlichen Debatte keinen Platz, und wir setzen uns für einen gesunden, offenen Dialog ein.«
Glorifying violence or harm violates Bluesky’s Community Guidelines. We review reports and take action on content that celebrates harm against anyone. Violence has no place in healthy public discourse, and we’re committed to fostering healthy, open conversations
— Bluesky Safety (@safety.bsky.app) 2025-09-10T22:26:53.669Z
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Auch das Internetforum Reddit kündigte gegenüber »The Verge« an, die Beiträge auf der Plattform genau zu überwachen. Die Betreiber betonen, dass sie Inhalte, die »zu Gewalt anzustiften, sie zu verherrlichen, dazu aufzurufen oder dazu auffordern« verbieten. Sprecherin Gina Antonini antwortete auf die Anfrage von »The Verge«: »Wir überwachen die Plattform, um regelwidrige Inhalte zu entfernen, einschließlich Hashing, um ein erneutes Hochladen zu verhindern.«
Discord
Die Plattform Discord verweist ebenfalls auf ihre Richtlinien . »Die Community-Richtlinien von Discord verbieten Inhalte, die Gewalt verherrlichen oder fördern«, teilte Sprecherin Jillian Susi »The Verge« mit. Auch sie würden »aktiv Videos und andere Inhalte im Zusammenhang mit diesem Vorfall, die gegen die Richtlinien verstoßen« entfernen. Der Hilfetext zu den »Richtlinien zu Gewalt und expliziten Inhalten« wurde zuletzt Ende August aktualisiert.
X
In der englischen Version der Richtlinien von X zu »Violent Content« steht übersetzt: »Sie dürfen explizite Medien teilen, wenn diese ordnungsgemäß gekennzeichnet sind, nicht prominent angezeigt werden.« Demnach sollten diese Inhalte »nicht übermäßig blutig« seien oder sexuelle Gewalt darstellen. Nicht gestattet seien jedoch »explizite Drohungen, Aufforderungen, Verherrlichungen oder Äußerungen von Gewaltwünschen.
TikTok
Die chinesische Plattform TikTok erklärt in seinen Richtlinien allgemein: »Wir gestatten keine Darstellung oder Förderung gefährlicher Aktivitäten und Herausforderungen oder Gewalt.« Eine TikTok-Sprecherin teilte dem SPIEGEL in einer Stellungnahme mit: »Solch entsetzliche Gewalttaten haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir bleiben entschlossen, unsere Community-Richtlinien proaktiv durchzusetzen, und haben zusätzliche Schutzmaßnahmen eingeführt, um zu verhindern, dass Menschen unerwartet Aufnahmen sehen, die gegen unsere Regeln verstoßen.«
Dass sich Aufnahmen mit expliziter Gewaltdarstellung nach Schießereien und Amokläufen im Netz schnell verbreiten, ist nicht neu. Immer wieder haben die großen Plattformen erklärt, dass sie gewaltverherrlichende Inhalte, die auf ihre Plattformen hochgeladen werden, entfernen oder einschränken wollen. Das Attentat von Charlie Kirk zeigt jedoch, dass solche Inhalte trotz Moderation immer wieder ein Millionepublikum finden.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war von »grafischen Inhalten« die Rede, gemeint waren jedoch Inhalte mit expliziter Gewaltdarstellung. Wir haben die Formulierung aktualisiert.