Corona-Warn-App erhält wichtige neue Funktion zum Einchecken in Restaurants und Geschäfte - DER SPIEGEL
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Update in wenigen Tagen Corona-Warn-App erhält wichtige neue Funktion

Mit dem Update auf die nächste Version erhält die Warn-App die lang erwartete Erweiterung, dass sich Nutzer aktiv in Restaurants und Geschäfte einchecken können. Weitere Neuerungen sind geplant – mit Hilfe von Karl Lauterbach.
Logo der Warn-App: Neue Funktion in den kommenden Tagen
Logo der Warn-App: Neue Funktion in den kommenden Tagen

Logo der Warn-App: Neue Funktion in den kommenden Tagen

Foto: Florian Gaertner/photothek.de / imago images/photothek
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für die Corona-Warn-App (CWA) der Bundesregierung wird in den kommenden Tagen ein neues Update bereitstehen, das zahlreiche Funktionserweiterungen bringen soll. Einer der zentralen Bausteine dieses Updates dürfte dazu führen, dass die App für Nutzerinnen und Nutzer zu einem aktiv genutzten Begleiter im Alltag werden könnte. Denn nach dem Update wird die App die Möglichkeit bieten, sich in Restaurants, bei Veranstaltungen oder an anderen Orten einzuchecken.

Dazu müssen Nutzerinnen und Nutzer lediglich mit der App einen QR-Code scannen, der an beteiligten Orten aufgehängt oder aufgestellt ist. Wenn später jemand, der ebenfalls an diesem Ort eingecheckt ist, positiv getestet wird, dann kann die Person freiwillig all jene warnen, die an den gleichen Orten eingecheckt waren und für die ein Risiko bestand.

Von den Entwicklern der App, der Deutschen Telekom und SAP, heißt es am Freitag, dass das Update in den kommenden Tagen oder der nächsten Woche bereitstehen soll. Aktuell befinde man sich im Freigabeprozess des Updates in den App-Stores von Apple und Google. Sobald das Update in den App-Stores zur Verfügung steht, wird es innerhalb von zwei Tagen Schritt für Schritt allen Nutzerinnen und Nutzern bereitgestellt. Um das Update herunterzuladen, genügt es, die App in den Stores von Apple oder Google aufzurufen.

Bei der Berechnung des Infektionsrisikos zwischen Kontakten, die sich über einen QR-Code eingecheckt haben, soll auch berücksichtigt werden, wie lange sich die Menschen an dem entsprechenden Ort aufgehalten haben.

Damit die Funktion genutzt werden kann, sollen Organisatoren von Events dafür selbst QR-Codes erstellen können und dazu auch die Dauer der Veranstaltung angeben. Das Feature wird ohne Zutun der Gesundheitsämter funktionieren, und die Veranstaltungen werden nicht zentral gespeichert.

Unterschiede zur Luca-App

Anders als bei den zahlreichen kommerziellen Check-in-Angeboten wie der App Luca soll die neue Funktion der Corona-Warn-App ohne persönliche Daten auskommen. Nutzerinnen und Nutzer werden potenziell Gefährdete aus Veranstaltungen pseudonym warnen. Andererseits können die Daten aus der Warn-App anders als bei Luca nicht direkt an die Gesundheitsämter übertragen werden.

Zudem wollen die Verantwortlichen auch die von Experten schon seit Monaten geforderte Cluster-Erkennung in Innenräumen ermöglichen – und dafür die bisher bei der Bluetooth-Berechnung relevante Abstandsmessung von zwei Metern deaktivieren. So soll auch das Infektionsrisiko durch Aerosolübertragungen berücksichtigt werden können.

Bei der Entwicklung der Cluster-Erkennung habe man auch den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach einbezogen, heißt es von den Machern der App. Der Arzt und Epidemiologe war einer derjenigen, die sich schon lange für diese Zusatzfunktion ausgesprochen hatten.

Die Warn-App und die Luca-App sollen allerdings auch zusammenarbeiten. So sollen jene QR-Codes, die für Check-ins mit der Luca-App genutzt werden, auch für das Einchecken mit der Corona-Warn-App genutzt werden können, heißt es von den Betreibern der Warn-App.

Konfliktpotenzial mit Apple und Google

Das Bundesgesundheitsministerium hatte ursprünglich angekündigt, dass die Check-in-Funktion »zeitnah nach Ostern« zur Verfügung stehen sollte. Nach SPIEGEL-Informationen kam es aber auch deshalb zu Verzögerungen, weil zunächst Unklarheiten darüber herrschten, ob die Funktion möglicherweise gegen Regeln von Apple und Google verstoßen könnte. Die beiden US-Unternehmen stellen die technische Grundlage zur Verfügung, mit der die deutsche Warn-App funktioniert.

Apple und Google schließen in ihrem Regelwerk aus, dass Warn-Apps Ortsdaten mit ihnen oder den Gesundheitsbehörden teilen und Schnittstellen nutzen, die auf Ortsdaten basieren. Diese Woche wurde ein Update der Check-in-Funktion der britischen Warn-App in den App-Stores von Google und Apple gesperrt , weil das Update gegen die Regeln verstoßen haben soll.

Die deutschen Entwickler der Warn-App wollten derlei Probleme vermeiden und haben den Start daher verschoben, um mögliche Probleme vorab mit den App-Store-Betreibern zu klären. Nach SPIEGEL-Informationen hat Apple bereits diesen Donnerstag prinzipiell signalisiert, grünes Licht für das Update geben zu wollen. Eine Änderung der Vorgaben für Warn-Apps plant Apple nicht, heißt es von dem Unternehmen. Check-in-Funktionen sollten innerhalb solcher Apps zwingend den bestehenden Vorgaben entsprechen.

Wird die Corona-Warn-App zur Eier legenden Wollmilch-App?

Nach der Check-in-Funktion kündigten die Entwickler der App, Deutsche Telekom und SAP, weitere Erweiterungen an: So sollen in der App bald auch Ergebnisse von Schnelltests angezeigt werden – somit könnte die Warn-App im Alltag der Nutzer zu einer Art Eintrittskarte für Geschäfte oder Veranstaltungen werden.

Von den Verantwortlichen für die Warn-App heißt es, man sei inzwischen mit zahlreichen Anbietern von Schnelltests bereits in Kontakt. Darunter seien auch viele größere Anbieter wie dm, Budnikowsky, Galeria Kaufhof, Doctorbox und der Deutsche Apothekerverband. Auch das Bundeskanzleramt soll mit dem dortigen Schnelltestzentrum von Beginn an dabei sein.

In späteren Updates soll auch das angekündigte digitale Impfzertifikat mit in die CWA aufgenommen werden können. Dazu tauscht sich die Deutsche Telekom mit den Entwicklern des Impfzertifikats wie etwa IBM aus.

Bundesregierung sieht App weiterhin als Erfolg

Die Bundesregierung wertet ihre offizielle und im vorigen Juni gestartete Corona-Warn-App weiterhin als »erfolgreichen Baustein« in der Pandemiebekämpfung. Als Beleg nennen Regierungskreise neben den inzwischen 27 Millionen Downloads auch die Tatsache, dass allein in den vergangenen vier Wochen 79.000 Nutzerinnen und Nutzer andere Personen über die App gewarnt hätten, nachdem sie positiv getestet worden seien.

Zudem sei die seit März angebotene Möglichkeit, mehr als nur die notwendigen Daten zu »spenden«, umfassend angenommen worden, heißt es. Mehr als 6,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer würden bereits aktiv Informationen spenden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium – daraus ließen sich auch erste vorläufige Erkenntnisse gewinnen. So seien zwei Drittel derjenigen, die über die App über eine Risikobegegnung gewarnt worden seien, überrascht gewesen von einem roten Risikonachweis. Rund 80 Prozent dieser Nutzerinnen und Nutzer ließen sich danach testen.