Anzeigen neben Nazi-Inhalten IBM stoppt Werbung auf X
IBM-Gebäude in Paris: »Absolut inakzeptable Situation«
Foto: Reuters Photographer / ReutersAnzeigen, die ungewollt neben positiven Äußerungen über Adolf Hitler und über die Ideologie der Nationalsozialisten auftauchten, erzürnen IBM. Der Computerkonzern stoppt alle Werbung auf Elon Musks Plattform X (ehemals Twitter), nachdem die Organisation Media Matters IBM-Werbung neben derartigen Inhalten entdeckt hatte . IBM dulde keine Hassrede und untersuche die »absolut inakzeptable Situation«, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Das Unternehmen habe im Schlussquartal rund eine Million Dollar bei X ausgeben wollen, wie die »New York Times« unter Berufung auf interne Nachrichten der Plattform berichtete .
Laut Media Matters waren auch Anzeigen von Apple und dem Softwarekonzern Oracle neben rechtsextremen X-Beiträgen zu sehen. Es ist aber auch bei Weitem nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Unternehmen hatten in der Vergangenheit wenig Einfluss darauf, neben welchen Beiträgen genau ihre Werbung platziert wird. Anzeigen wurden eher mit Bezug auf Alterszielgruppen, bestimmte Gegenden oder Interessen der Nutzer ausgespielt. Im August jedoch stellte X neue Funktionen vor, mit denen Werbekunden angeblich selbst dafür sorgen könnten, nicht neben unerwünschten Inhalten aufzutauchen.
Um ein negatives Umfeld für ihre Marken zu vermeiden, sind die Werbekunden aber vor allem darauf angewiesen, dass X Hassrede konsequent von der Plattform fernhält. Andere Onlinedienste hatten in der Vergangenheit ähnliche Probleme mit ihren Werbekunden, zum Beispiel YouTube, das seine Inhalte-Aufsicht verschärfte, um Werbekunden zurückzugewinnen.
Seit Musk vor einem Jahr Twitter kaufte, haben viele Unternehmen Bedenken wegen der unzureichend moderierten Inhalte und bleiben der Plattform fern oder schränken ihre Ausgaben ein. Musk sagte mehrfach, die Werbeeinnahmen seien nur noch in etwa halb so hoch wie zu Twitter-Zeiten. Er versuchte zeitweise, seine Anhänger gegen abtrünnige Werbekunden aufzustacheln. Als Berichte erschienen, dass Apple die Ausgaben für Anzeigen auf der Plattform gekürzt habe, besuchte Musk Konzernchef Tim Cook in der Zentrale in Cupertino. Die von Musk eingesetzte X-Chefin Linda Yaccarino versprach Werbekunden ein sicheres Umfeld.
Schon wieder fällt Musk durch fragwürdige Äußerungen auf
Musk vertritt politische Ansichten der amerikanischen Rechten und warf der früheren Twitter-Führung vor, diese unterdrückt zu haben. Er versprach mehr Redefreiheit – alle Äußerungen, die nicht gegen das Gesetz verstießen, müssten erlaubt sein. Zugleich trafen seine Entlassungsaktionen in großem Stil die Twitter-Teams, die für die Löschung von Hassrede sorgen sollten.
Der X-Besitzer selbst sorgte für eine erneute Kontroverse: Er befürwortete einen Beitrag, in dem eine antisemitische Verschwörungstheorie verbreitet wurde. Darin hieß es unter anderem, von jüdischer Seite werde »Hass gegen Weiße« verbreitet. Musk schrieb unter dem Beitrag am Mittwoch, darin stehe die »tatsächliche Wahrheit«. Später ergänzte Musk, er meine »einige Gruppen« wie die jüdische Organisation Anti-Defamation League (ADL), die »faktisch anti-weißen Rassismus und anti-asiatischen Rassismus« verbreiteten. In weiteren Äußerungen bekräftigte Musk, dass es aus seiner Sicht ein Problem mit Rassismus gegenüber Weißen gebe.
ADL-Chef Jonathan Greenblatt schrieb auf X zu Musks Äußerungen, es sei »unbestreitbar gefährlich«, wenn jemand seinen Einfluss nutze, um antisemitische Theorien zu bestätigen und weiterzuverbreiten. Auch die Organisation American Jewish Committee verwies darauf, dass der von Musk unterstützte Beitrag Elemente der Verschwörungstheorie enthielt, die 2018 eine Rolle bei der Attacke auf eine Synagoge in Pittsburgh spielte. Der Angreifer tötete damals elf Menschen.
Musk hat auf X mehr als 160 Millionen Follower. Er hatte nach früherer Kritik betont, er habe keine antisemitischen Ansichten. Yaccarino schrieb bei X am Donnerstag, Diskriminierung von allen Seiten müsse aufhören.
US-Investor Ross Gerber warf die Frage auf, welche Konsequenzen Musks Handeln für den von ihm geführten Elektroautohersteller Tesla haben werde. Musk handele nicht im Interesse von Tesla, kritisierte Gerber im TV-Sender CNBC. »Er zerstört alles, was er aufgebaut hat« und schade dem Ansehen des Autobauers. Er selbst werde sein Tesla Model Y kommendes Jahr durch ein Fahrzeug des Konkurrenten Rivian ersetzen – »und ich bin sicher, der Rest von Los Angeles macht das auch«.