Taylor Swift: Fans werfen Popstar Heuchelei vor – wegen möglicher KI-Nutzung - DER SPIEGEL
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#SwiftiesAgainstAI Fans werfen Taylor Swift Heuchelei vor – wegen möglicher KI-Nutzung

Taylor Swift gilt als eine, die für die Rechte von Künstlern an ihren Werken kämpft. Nun könnte für ihre Album-Promo KI zum Einsatz gekommen sein. Fans zeigen sich empört und verweisen auf Swifts eigene Erfahrungen mit KI.
Gamifizierte Album-Promo: Setzt Taylor Swift auf künstliche Intelligenz?
Gamifizierte Album-Promo: Setzt Taylor Swift auf künstliche Intelligenz?

Gamifizierte Album-Promo: Setzt Taylor Swift auf künstliche Intelligenz?

Foto: Kylie Cooper / REUTERS

Taylor Swift hat am Freitag »The Life of a Showgirl« veröffentlicht – und manche ihrer Fans sind nicht glücklich damit, wie sie ihr neues Album aktuell bewirbt. Als Teil der Promotion schickte Swift ihre Fancommunity übers Wochenende auf eine weltweite Schnitzeljagd, bei der in zwölf verschiedenen Städten wie Paris, London und Berlin orangefarbene Türen auftauchten, in Berlin etwa in Form einer Projektion. An den Locations fanden Fans QR-Codes angebracht, die sie scannen mussten, um zu YouTube-Clips weitergeleitet zu werden. In diesen Clips wiederum waren Buchstaben versteckt, und die Buchstaben aus allen zwölf Videos zusammengepuzzelt ergaben den Satz: »You must remember everything. But mostly this: The crowd is your king.«

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Wenn Fans diesen Satz googelten, erschien auf der Google-Seite eine digitale orangefarbene Tür, an die die Swift-Fans gemeinsam »klopfen« mussten, indem sie insgesamt zwölf Millionen Mal darauf klickten. Am Ende »öffnete« sich die digitale Tür und offenbarte auf YouTube ein sogenanntes Lyric-Video zum Song »The Fate of Ophelia«.

Schnitzeljagd-Promo geht nach hinten los

Obwohl ihre Fans Swifts gamifizierte Album-Promo sonst lieben, hagelte es diesmal Kritik. Denn die zwölf Hinweisvideos warfen bei einigen ihrer Anhängerinnen und Anhänger die Frage auf, ob die Clips mithilfe von künstlicher Intelligenz generiert wurden. Viele wiesen darauf hin, dass Taylor Swift in der Vergangenheit KI-Deepfakes verurteilt und sich immer wieder für die Rechte von Künstlerinnen und Künstlern an ihren Werken eingesetzt hat. Einzelne Nutzerinnen und Nutzer warfen ihr Heuchelei vor. Die Kritik wurde so laut, dass der Hashtag #SwiftiesAgainstAI auf X trendete.

Erst vergangenes Jahr hatte Swift auf Instagram über ihre »Ängste« und mögliche Gefahren in Bezug auf künstliche Intelligenz gesprochen, nachdem Donald Trump KI-generierte falsche Wahlempfehlungen im Namen ihrer Fans geteilt hatte. Der Vorfall veranlasste die Sängerin auch noch dazu, öffentlich ihre Unterstützung für US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris zu teilen.

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Die Schnitzeljagd zur aktuellen Album-Promotion wurde vom Account von YouTube auch auf der Plattform X beworben, sowie von Google auf Instagram geteilt . Ebenso wurden die Clips in Taylor Swifts YouTube-Kanal veröffentlicht. Inzwischen wurden diese offiziellen Postings aber offenbar alle gelöscht , eventuell aufgrund der negativen Reaktion von Swifts Fans. In den sozialen Medien lassen sich nur vor allem Aufnahmen und Screenshots finden, in denen Fans Indizien dafür teilen, dass für die Videos wohl KI genutzt wurde.

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In einem Post, der den Clip zur Tür in London  zeigt, sieht man beispielsweise, dass am Ende ein Bügel an einer Garderobe fehlt. »Das ist KI, seht, wie der Kleiderbügel einfach verschwindet«, bemerkt ein Nutzer und kommentiert: »Taylor Swift, eine Milliardärin, nutzt KI für Werbezwecke.« Sein Post hat mehr als 75.000 Likes. Der Nutzer greift damit einen Kritikpunkt auf, den andere Social-Media-User zu teilen scheinen: Warum sollte eine Milliardärin, der sämtliche kreative und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, KI verwenden, um ihr Album zu bewerben? Ein anderer Fan fordert: »Taylor muss sich öffentlich dafür entschuldigen, dass sie mithilfe von generativer KI die Werke anderer Künstler gestohlen hat.« Dazu verweist der Fan auch noch auf mögliche Umweltschäden, die durch den Einsatz von KI entstehen.

Das alles ist harter Gegenwind, obwohl bisher unklar ist, ob für die Clips tatsächlich KI verwendet wurde und wenn ja, in welchem Umfang. Möglicherweise könnten auch nur einzelne Sequenzen mithilfe der Technik produziert worden sein. Einige der Clips sehen zwar teilweise computergeneriert aus, aber der Einsatz von KI lässt sich schwer nachweisen.

Was dafür spricht: In einem Screenshot aus einem Clip sieht man etwa den verschwundenen Bügel und in einem anderen Clip ändert sich die Schriftart für das Wort »Honey« plötzlich.

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Einige Fans vergleichen die Album-Promo mit Swifts aufwendig produzierten, zusätzlich zum Lyric-Video veröffentlichten Musikvideo für »The Fate of Ophelia«. Ein Making-of dieses Musikvideos zeigt Swift in ihrem Kinofilm zum Album-Release. Dabei sieht man, wie einige Sets im Stil aufwendiger Theaterproduktionen aufgebaut wurden. Eine Nutzerin schreibt dazu auf X : »Es war irgendwie sehr irritierend, im Showgirl-Film zu sitzen und zu sehen, wie viel Mühe, Überlegung und Liebe zum Detail Taylor in ihre Musikvideos steckt, und dann hinauszugehen und eine Reihe von KI-generierten Werbevideos zu sehen. Wie kann das sein? Was ist denn hier los??«

Andere Fans verteidigen Swift und argumentieren, dass sie die Videos eventuell nicht selbst abgenickt habe, sondern sie von ihrem Team in Zusammenarbeit mit Google und YouTube gepostet worden sein könnten. Andere Fans kritisieren, dass die Sängerin so sehr attackiert wird und erklären, dass Swift sich nie grundsätzlich als »anti-ai« bezeichnet habe.

Suche nach Taylor Swift und AI auf X nicht möglich

Trumps KI-Wahlempfehlung aus dem August 2024 war nicht das erste Mal, dass Taylor Swift ungewollt in Kontakt mit künstlicher Intelligenz kam. Zu Beginn jenes Jahres wurden auf X bereits massenhaft KI-generierte Nacktbilder der Sängerin geteilt. Obwohl solche pornografischen Deepfakes auf der Plattform explizit verboten waren, wurde eines der Postings laut der Statistik von X mehr als 45 Millionen Mal angezeigt, bevor es nach 17 Stunden verschwand.

X-Suche nach »Swift ai« auf dem Smartphone: Hier gibt es nichts zu sehen

X-Suche nach »Swift ai« auf dem Smartphone: Hier gibt es nichts zu sehen

Foto: Markus Böhm / DER SPIEGEL

Doch mit dem Löschen der Postings wurde X nur einen Teil des Problems los. Die Plattform spielte auch danach noch gefälschte pornografische Bilder von Swift aus, etwa, wenn man nach ihrem Namen suchte. Das veranlasste X dazu, die Suche nach Swift zu unterbinden. Bis heute – mehr als anderthalb Jahre später – kann auf X nicht nach der Kombination der Begriffe Swift und AI, Englisch für KI, gesucht werden. Je nach Gerät ploppt die Fehlermeldung »Etwas ist schiefgelaufen. Probiere, es erneut zu laden« oder »Posts können im Moment nicht geladen werden« auf.

Desktop-Suche bei X nach »Swift ai«: Auch hier ohne Ergebnis

Desktop-Suche bei X nach »Swift ai«: Auch hier ohne Ergebnis

Foto: Markus Böhm / DER SPIEGEL

Erst ab August dieses Jahres konnte man wieder sehen, inwieweit Taylor Swift von solchen KI-generierten Deepfakes betroffen ist. Wie Elon Musk seinen KI-Chatbot Grok zum Generator von Softpornos macht, lesen Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Textes stand, dass die Schnitzeljagd auf dem offiziellen Instagram-Account von Taylor Swift beworben wurde. Die Clips wurden lediglich auf dem YouTube-Kanal von Swift geteilt und sind mittlerweile gelöscht worden. Ein fehlender Buchstabe im Wort »Ophelia« wurde zudem als Indiz für den Einsatz von künstlicher Intelligenz genommen, allerdings war er wohl Teil der Schnitzeljagd. Wir haben die Passagen angepasst.