Bildschirmarbeit: Wie man ergonomisch arbeiten sollte - DER SPIEGEL
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Bildschirmarbeit Warum man nicht wie ein Shrimp am Schreibtisch hängen sollte

Mit einem Comic-Shrimp will das BSI von einer krummen Haltung am Arbeitsplatz abschrecken. Doch ist ein Rundrücken wirklich so schlecht? Wir haben einen Experten gefragt.
Foto: Beyhes Evren / E+ / Getty Images

Ende April postete die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bei LinkedIn und Instagram eine kleine Animation, die eine Garnele an einem Computerarbeitsplatz zeigt. »Bist du auch ein Shrimp?«, stand neben dem Tier mit dem krummen Rücken. Darunter pries die Behörde die Vorzüge der eigenen Arbeitsplatzausstattung mit ergonomischen Bürostühlen und höhenverstellbaren Schreibtischen.

Der harmlose Witz zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz kam beim Publikum an. In den Kommentaren finden sich viele Büroarbeiter, die sich ertappt fühlen, weil sie bei der täglichen Büroarbeit wie ein Shrimp zum krummen Rücken neigen.

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Tatsächlich hat die Behörde einen Punkt. »Mit einem Rundrücken zu arbeiten ist wirklich das Schlechteste, was man machen kann«, sagt Joachim Grifka vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Doch auch das Gegenteil schadet. Wer bei der Arbeit zum Hohlkreuz neigt, kann es bald auch bereuen. »Irgendwann zieht es in der Hüfte«, erklärt der Orthopäde.

Obwohl Rückenschmerzen weltweit einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit sind, sind viele noch verunsichert, wie sie vorbeugen können. Einige Kommentatoren beklagen unter dem Beitrag des BSI etwa, die Annahme sei veraltet, dass ein krummer Rücken grundsätzlich schlecht sei. »Warum wird dieser veraltete Müll immer wieder überall gepostet?«, fragt ein Nutzer bei Instagram. Es sei wichtig, die Haltung möglichst oft zu ändern. »Die beste Haltung ist die nächste Haltung.« Bei LinkedIn schreibt ein Nutzer von sich, dass er auch oft ein Shrimp sei: »Kerzengerade sitzen und mit Krawatte machen mich total unproduktiv.« Er wechsle einfach oft die Arbeitsposition und stehe auch mal mit dem Laptop an einem hohen Tisch. »Erste digitale Generation und immer noch kein Rücken.«

»Lendenstützen sind ein Irrsinn«

Das BSI reagiert mit Humor. »Da haben die Kommentatoren völlig recht«, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Eine dynamische Arbeitshaltung sei wichtig. »Das gilt auch und gerade im öffentlichen Dienst, dem Dynamik allzu oft ja eher nicht nachgesagt wird.« Deshalb stellt das Amt allen Mitarbeitenden höhenverstellbare Tische zur Verfügung.

Dafür gibt es Lob vom Experten. Höhenverstellbare Schreibtische seien ideal, sagt Joachim Grifka vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch Bewegung sei wichtig. »Ich gehe beispielsweise beim Telefonieren im Zimmer herum«, sagt Grifka. Doch auch im Sitzen sollte man immer wieder bewegen: Hier könnten Stühle helfen, deren Sitzkissen etwas nachgebe, damit man nicht so starr vor dem Bildschirm sitze.

Was vielen gesund erscheint, ist nicht immer gut für den Rücken. Der Facharzt aus Regensburg rät etwa von Bürostühlen ab, die den unteren Rücken stützen – was auf zahlreiche Bürostühle zutrifft. »Lendenstützen sind ein Irrsinn, der sich in den Siebzigerjahren entwickelt hat.« Sportsitzhersteller seien die Vorreiter dieses Trends gewesen. Dabei sei Autofahren etwas ganz anderes als Schreibtischarbeit. Formel-1-Fahrer müssten starr sitzen, weil Seitenkräfte wirken. Im Büro komme das eher selten vor. Bürostühle sollten stattdessen den Oberkörper abstützen durch eine sogenannte Thoraxstütze. Die ist nicht nur Luxusmodellen vorbehalten. »Es muss kein Bürostuhl für 2000 Euro sein«, betont Grifka.

Armlehnen sollten leicht über die Tischplatte hinausragen: Laut dem Rückenexperten Joachim Grifka ist das hier die optimale Haltung am Schreibtisch

Armlehnen sollten leicht über die Tischplatte hinausragen: Laut dem Rückenexperten Joachim Grifka ist das hier die optimale Haltung am Schreibtisch

Foto: J. Grifka / Springer-Verlag

Auch die Wahl des Computers beeinflusst den Rücken. Bei Laptops sind etwa Bildschirm und Tastatur direkt verbunden, was ungesunde Haltungen begünstigt. Um das zu verhindern, stellen viele Arbeitgeber neben externen Tastaturen und Mäusen auch Monitore zur Verfügung.

Das Problem mit Gleitsichtbrillen

Auch hier kann man Fehler machen. Die Bildschirme sollten etwa nicht zu hoch eingestellt werden, empfiehlt Grifka. Das Kinn sollte leicht nach unten fallen. Tücken liegen im Detail. »Gleitsichtbrillen taugen nichts für die Arbeit am Bildschirm«, sagt der Rückenexperte. Wer im Nahbereich scharf sehen will, muss den Kopf in den Nacken legen – und dann würden bei der Arbeit am Monitor die Bandscheiben der Halswirbelsäule maximal belastet. »Das hält keiner aus.«

Am besten sei eine abgestützte Klavierspielerhaltung. »Für eine bequeme Sitzposition sollten die Lehnen des Bürostuhls etwas über die Tischplatte hinausragen.« Wer Probleme mit der Klickhand habe, dem empfiehlt der Orthopäde eine ergonomische Maus. Das Ziel: Die Hand sollte möglichst mit dem Daumen nach oben auf dem Schreibtisch liegen wie beim Griff nach einer Flasche.