Medienbericht China will Regierungscomputer mit westlichen Chips ausmustern
Verkaufsstand des Chipherstellers Intel in Peking: Verdrängung mit Hochdruck
Foto:Andy Wong / dpa
China beginnt offenbar damit, seine regierungsinterne Informationstechnik um ausländische Teile zu bereinigen. Wie die »Financial Times « berichtet, haben die Behörden des Landes damit angefangen, Computer mit Prozessoren der US-Konzerne AMD und Intel auszutauschen.
Damit wird laut dem Bericht eine entsprechende Richtlinie vom Dezember umgesetzt. Diese sehe vor, dass bei der Beschaffung von Computern Kriterien für »sichere und zuverlässige« Prozessoren und Betriebssysteme berücksichtigt werden müssten. Intel und AMD kommentierten den Bericht zunächst nicht.
Auch das Microsoft-Betriebssystem Windows und im Ausland hergestellte Datenbanksoftware sollen demnach durch einheimische Alternativen ersetzt werden. Parallel dazu werde auch die Umstellung in staatlichen Unternehmen vorangetrieben. Wie die »FT« unter Berufung auf Insider berichtet, wird Regierungsbehörden und Staatsunternehmen derzeit aber noch eine gewisse Flexibilität beim Kauf von Computern mit ausländischen Prozessoren eingeräumt.
China's Minister of Commerce Wang Wentao met with AMD CEO Lisa Su on Sunday. The two sides discussed the China-US business and trade relationship, as well as AMD's business development in the Chinese market. Wang wished for the US to work with China in providing clear safety… pic.twitter.com/jwmRxLJNrK
— Global Times (@globaltimesnews) March 24, 2024
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Der Zeitpunkt der Veröffentlichung in der »Financial Times« ist für China peinlich: Derzeit tagt in Peking eine große internationale Wirtschaftskonferenz namens »China Development Forum«, auf der am Sonntag unter anderem Premierminister Li Qiang sowie der Finanzminister Lan Fo’an auftraten. Ihre Botschaft lautete, dass China trotz der momentanen Konjunkturflaute ein unwiderstehlicher Markt und ein lohnendes Ziel für Investitionen sei. So wollen sie internationale Unternehmen nach China locken.
Im Publikum lauschten Lenker Dutzender globaler Konzerne. Darunter Apple-CEO Tim Cook sowie die Chefs zahlreicher Halbleiterfirmen wie Qualcomm, Micron – und auch AMD. AMD-Chefin Lisa Su traf am Sonntag gar mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao zusammen.
Aus chinesischer Sicht soll die Konferenz dazu dienen, Zweifel über den Standort China zu zerstreuen. Dieses Anliegen dürfte nun einen Rückschlag erlitten haben.
Auch wenn Peking es kritisiert, dass Europa und die USA ihre wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China reduzieren wollen, tut das Land andersherum seit geraumer Zeit dasselbe. Um im Konfliktfall nicht auf das Ausland angewiesen zu sein, ersetzt Peking ausländische Technologie nach und nach. Früheren Berichten zufolge wurden Beamte auch angewiesen, keine iPhones mehr bei der Arbeit zu benutzen. Die Maßnahmen dienen gleichzeitig dazu, der heimischen Industrie größere Marktanteile zu verschaffen, indem ausländische Konkurrenz ausgeschlossen wird.
Auf der anderen Seite versuchen die USA bereits seit einiger Zeit mit Restriktionen zu verhindern, dass China an hoch entwickelte Chips gelangt, die auch militärisch genutzt werden könnten. China bemüht sich angesichts der US-Maßnahmen, eigene Chiptechnologien zu entwickeln – und hat in jüngster Zeit einige Fortschritte präsentiert.