Spur führt nach Russland Deutsche Behörden identifizieren Ransomware-Erpresser
Arbeit am Laptop: Mit verteilten Rollen richten Ransomware-Banden Millionenschäden an
Foto: YAY Images / IMAGODeutsche Behörden haben zwei Personen aus Russland ermittelt, die als Onlinekriminelle für einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verantwortlich sein sollen. Sie sind nun zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.
Es geht um zwei mutmaßliche Mitglieder der Cybercrime-Gruppierungen GandCrab und REvil. Daniil Maksimovich Shchukin und Anatoly Sergeevitsch Kravchu sollen in Deutschland und international hinter einem System digitaler Erpressungsversuche stehen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mitteilen.
Die Gruppe GandCrab und ihre Nachfolgeorganisation REvil gehörten zwischen 2018 und 2021 zu den erfolgreichsten kriminellen Ransomware-Banden. Diese verschaffen sich Zugang zu den internen Daten zahlreicher Firmen und anderer Organisationen, verschlüsseln diese und schalten sie erst gegen ein Lösegeld wieder frei. Die beiden Verdächtigen sollen als Kopf der Bande und als Programmierer agiert haben.
Millionenbeute und noch größerer Schaden
Allein in Deutschland sind Angriffe der Gruppen auf 130 Unternehmen und Einrichtungen bekannt, darunter mehrere Hersteller von Medizinprodukten sowie das Württembergische Staatstheater in Stuttgart. Der Schaden liegt dabei weit höher als die Beute. Die Cyberattacken verursachten in Deutschland den Angaben zufolge Kosten in Höhe von rund 35 Millionen Euro. In 25 Fällen wurde demnach das geforderte Lösegeld bezahlt – insgesamt rund 1,8 Millionen Euro.
Auf das Konto von REvil geht auch einer der spektakulärsten und folgenschwersten Ransomware-Angriffe: der auf die US-Softwarefirma Kaseya im Jahr 2021 . Die Attacke hatte Auswirkungen auf zahlreiche Unternehmen in mindestens 17 Ländern.
Die Gruppe agierte wie viele andere nach dem Affiliate-Prinzip: Die Hinterleute stellten Software und eine Infrastruktur zur Abwicklung der Erpressungen bereit. Die eigentlichen Angriffe werden von Kooperationspartnern übernommen, die Beute wird im Erfolgsfall aufgeteilt. Mehr zum kriminellen Geschäftsmodell lesen Sie hier.
Nach den beiden Russen wird international gefahndet
Foto: Polizei Baden-WürttembergIm Sommer 2021 verschwand die Gruppe plötzlich aus unbekannten Gründen von der Bildfläche. Der Schaden wird inzwischen auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt.
Erste Täter bereits verurteilt
Schon mehrfach konnten Ermittler Beteiligte zur Verantwortung ziehen. 2024 wurde ein ukrainisches Bandenmitglied in den USA zu 13 Jahren und sieben Monaten Gefängnis und zur Zahlung einer Millionensumme verurteilt. Ende Januar dieses Jahres verurteilte das Landgericht Stuttgart einen 46-jährigen Ukrainer wegen Erpressung und Computersabotage zu sieben Jahren Haft. Der Mann, der als Affiliate gearbeitet haben soll, war 2024 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert worden.
Auf die Spur der mutmaßlichen Schlüsselfiguren der Gruppierung kamen die Ermittler den Angaben zufolge durch die Auswertung von Datensätzen, etwa von Transaktionen mit Kryptowährungen, sowie durch die Zusammenarbeit mit Behörden in Europa und Nordamerika.
Inzwischen arbeiten Ransomware-Banden mit einer Art doppelten Erpressung: Statt Daten nur zu verschlüsseln, wird mit der Veröffentlichung der erbeuteten Informationen gedroht. Jüngstes Opfer war die Bundeszentrale der Partei Die Linke.