Apple-Gerüchte: Digi-Beatles und Mac-Tablet - DER SPIEGEL
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Apple-Gerüchte Digi-Beatles und Mac-Tablet

Ein Tablet-Mac? Ein Riesen-iPod? Womöglich gar die digitalen Beatles-Songs? Seit der Termin für eines von Apples legendären Special Events durchs Web geistert, wird wild spekuliert, was dort wohl gezeigt, welche Neuheiten präsentiert werden. Vieles davon ist - wie so oft - wohl reines Wunschdenken.
Apple-Boss: Steve Jobs predigt, die Mac-Jünger lauschen und kaufen
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Apple-Boss: Steve Jobs predigt, die Mac-Jünger lauschen und kaufen

Foto: PAUL SAKUMA/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am 9. September wird Apple neue Produkte vorstellen, da sind sich nicht nur die üblichen Gerüchteköche, sondern auch etliche Profis einig. So zum Beispiel das "Wall Street Journal", das auf seiner Technik-Webseite "D-All Things Digital"  schreibt, Quellen, die der Firma nahestünden, hätten bestätigt, es werde eines der typischen Special Events in der zweiten Septemberwoche in San Francisco stattfinden.

Das klingt plausibel. Schließlich hat Apple in den letzten Jahren mit schöner Regelmäßigkeit den Septemberanfang genutzt, um neue iPods für das Weihnachtsgeschäft und Veränderungen an iTunes und dem iTunes Store vorzustellen. Damit nicht genug gibt es ein anderes, längst bekanntes Datum im September, das nahelegt, Apple plane sein Event für genau dieses Datum: Den Erscheinungstermin des digital überarbeiteten Gesamtwerks der Beatles auf CD.

Die Beatles? Für die Jüngeren unter den Lesern: Die Beatles waren eine Pop-Kapelle, die in den Sechziger Jahren enorm erfolgreich war, also lange, bevor sich überhaupt jemand den Begriff Internet ausgedacht hatte. Damit mag auch zusammenhängen, dass die Songs der "Fab Four" bis heute nicht als digitale Downloads angeboten werden.

Für Apple muss es Dienstag sein

Dass sich das bald ändern könnte und dass der Beatles-Katalog dann zunächst exklusiv via iTunes vermarktet würde, ist ein beliebtes Gerücht, das seit einigen Jahren immer wieder hervorgeholt wird, wenn Neuerungen rund um die iPods und den iTunes Store anliegen. Ob sich das Gerücht nun bewahrheitet oder die noch lebenden Bandmitglieder und ihre Erben weiterhin auf die Download-Bremse drücken, ist unklar. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass Apple sich von den alten Beat-Recken zu einer Änderung der Firmengepflogenheiten verleiten lässt.

Denn Apple, dessen Marketing-Maschinerie nicht zuletzt auf der Pflege diverser Mythen fußt, stellt seine Produkte grundsätzlich an Dienstagen vor. So auch im vergangenen Jahr, als Apple-Chef Steve Jobs am Dienstag, dem 9. September neue iPods und den Vertrieb von TV-Serien in HD-Auflösung über den iTunes Store ankündigte. Das deutet darauf hin, dass Apple bereits am 8. September an die Öffentlichkeit gehen wird - und das wiederum gäbe Apple die Chance, noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

Denn es gäbe Apple zumindest einen Tag Vorsprung vor der Erstveröffentlichung der neu aufgemischten CD-Versionen der Beatles-Songs  via Amazon und Co. . Realistisch betrachtet dürfte sich aber für beide Produktvarianten nur eine begrenzte Käuferschaft finden. Neben dem reifen Alter, das Beatles-Fans der ersten Stunde heute erreicht haben, dürfte der Preis des Pakets zumindest Spontan-Käufe verhindern: 200 Euro kostet die CD-Sammlung bei Amazon, eine mögliche Digital-Version wäre im iTunes Store kaum billiger.

Ein Cocktail soll digitale Musikverkäufe ankurbeln

Allerdings könnte Apple mit dem Beatles-Mega-Album eine neue Technik einführen, über die seit einigen Wochen spekuliert wird und die laut der "Financial Times"  den Codenamen Cocktail tragen soll. Ähnlich wie Adobes PDF-Format Texte, Bilder und Weblinks miteinander verbindet, soll Cocktail Musik, Videos, Cover Art, Texte und interaktive Elemente miteinander verschmelzen. Derart mit Inhalten angereichert soll Musik wieder als Gesamtkunstwerk vermarktet werden. Statt einzelner Songs könnte man per Cocktail-Technik, wie in alten Vinyl- und CD-Zeiten, wieder komplette Alben verkaufen, wovon sich die Plattenfirmen höhere Umsätze erhoffen.

Mit der Einführung von Cocktail werde auch die Vorstellung des sagenumwobenen Apple-Tablet-PC einher gehen, vermuten - oder wünschen - sich nun etliche Gerüchteköche. Daraus wird aber nichts werden, heißt es bei The Loop , denen "sehr verlässliche Quellen" gesteckt haben sollen, das Apple-Tablet werde erst Anfang 2010 veröffentlicht werden.

Das Ende des klassischen iPods?

Aber auch das würde zu Apple passen, denn Apples Special Events sind meist auf eine Produktgruppe fokussiert. Und wenn es neue iPods gibt, dann dreht sich eben alles um Musik - und vielleicht ein wenig Video. Deshalb wird man sich am 8. September wohl eher auf aufgebohrte iPods einstellen müssen. Der dem iPhone ähnliche iPod touch etwa dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Speicherverdopplung auf 64 GB erfahren. Das würde ihm wieder den Speicherplatzvorteil zurückgeben, den er mit Einführung des 32 GB starken iPhone 3GS eingebüßt hat.

Außerdem wird orakelt, Apple werde die iPod touch und iPod nano mit Digitalkameras aufrüsten. Keine schlechte Idee, zumal Apples MP3-Playern andere Funktionen, die bei manchem Konkurrenten Standard sind, fehlen. Ein integrierter Radioempfänger beispielsweise.

Der Speicherverdopplung des touch könnte allerdings der iPod Classic zum Opfer fallen. Er ist das letzte verbliebene Modell mit Festplatte statt Flash-Speicherchips. Schon beim letzten Modellwechsel wurde die Variante mit 160 GB Festplatte gestrichen. Seither gibt es nur noch eine Variante mit 120 GB. Allerdings würde die Verabschiedung des Classic auch das Ende des klassischen iPod-Designs bedeuten, das seit dem ersten Modell von 2001 bis heute zumindest in groben Zügen weiter existierte. Ob sich der Classic allerdings heute noch gut verkauft, darf angesichts der Farbenvielfalt des nano und des großen Touchscreens des touch bezweifelt werden.

Finger weg!

Kaum zweifelhaft ist dagegen, dass künftig alle iPods mit Sprachfunktionen ausgestattet sein dürften. Der iPod shuffle hat es in seiner jüngsten Inkarnation vorgemacht, liest beispielsweise Titelnamen, Interpret oder Albumtitel auf Knopfdruck vor. Diese Funktionen auf alle iPod-Baureihen auszuweiten, ist in erster Linie Aufgabe für Apples Programmierer. Kombiniert mit den Sprachsteuerungsfunktionen, die mit dem iPhone 3GS eingeführt wurden, könnte man die iPod-Steuerung fast fingerlos möglich machen.

Doch egal, was Apple Anfang September tatsächlich zu zeigen haben wird, als nahezu sicher gilt, dass dieses Mal wieder der Chef persönlich durch die Präsentation führen wird. Steve Jobs, der sich krankheitsbedingt monatelang aus der Firma zurückzog, ist seit Mitte des Jahres wieder aktiv. Und wenn Apple tatsächlich den Digitalvertrieb der Beatles-Songs übernehmen darf, wird es sich der bekennende Beatles-Fan Jobs kaum nehmen lassen, dies selbst anzukündigen - womöglich flankiert von Ringo Starr und Paul McCartney.

Denn die digitale Veröffentlichung des Uralt-Repertoires ist längst zum symbolträchtigen Prestige-Projekt geworden: Für viele ist die beharrliche Weigerung der Beatles-Rechteinhaber, Downloads zuzulassen, so etwas wie das letzte Bollwerk des alten Musik-Business gegen die neue digitale Zeit. Dass die alle Jahre wieder aufkochenden Gerüchte darum längst zur Realsatire geworden sind, ändert daran nichts. Relevant sind legale Beatles-Downloads vor allem, weil es sie bisher nicht gibt. Sollte sich das Anfang September ändern, wäre der Online-Verkauf von Musik endgültig zum Alltagsgeschäft geworden.