Erklärung von Apple-Manager Darum hat Siri Verspätung
Apple-Präsentation in Kalifornien: Die persönliche Siri kommt später
Foto:Andrej Sokolow / dpa
Apple war spät dran, als der Konzern im Juni 2024 angekündigt hat, wie er künstliche Intelligenz (KI) in seine Gadgets integrieren will. Der Plan: Ein System namens Apple Intelligence sollte iPhones, iPads, MacBooks, iMacs, Apple Watches und viele weitere Apple-Geräte schlaumachen. Für besonderes Interesse sorgte damals die Ankündigung, es werde eine neue Version der Sprachassistenzfunktion Siri geben.
Auf der Bühne wurde gezeigt, wie das von KI unterstützte System umgangssprachlich formulierte Anfragen verstand, dass es sich an frühere Gespräche erinnern konnte und sehr persönliche Fragen, wie etwa »Wann kommt meine Mutter an?«, beantworten konnte. Möglich werden sollte das, indem die KI Zugriff auf persönliche Daten wie Kalender und E-Mails bekommen sollte.
Die Privatsphäre und Sicherheit sollten gewahrt bleiben, weil die Anfragen direkt auf dem Gerät verarbeitet werden sollten. Nur wenn die Fähigkeiten der lokalen KI überfordert würden, sollten die Daten in einer Art Hochsicherheits-Cloud verarbeitet werden, die Apple Private Cloud Compute nennt. Deren Trick: Die Daten werden auf kryptografisch gesicherter Apple-Hardware in Apple-Rechenzentren verarbeitet und sofort nach Ausgabe der Antwort aus deren Speicher gelöscht werden.
Gerüchte über Siri-Trickserei
Einen konkreten Starttermin für all das nannte Apple damals nicht. Ab Sommer 2024 standen erste Funktionen für US-Nutzer zum Ausprobieren bereit, nach und nach wurden mehr veröffentlicht. In Deutschland gab es die entsprechenden Updates erst im März 2025. Dass die neue Siri nicht dabei sein würde, war da schon klar, denn wenige Wochen zuvor hatte Apple erklärt: Es wird länger dauern, viel länger . Der prominente Apple-Blogger John Gruber hatte daraufhin mit der Vermutung für Aufregung gesorgt, dass Apple auf der WWDC womöglich manipulierte Videos von Siri gezeigt haben könnte.
In Apples Hauptquartier in Cupertino bestreitet Vorstandsmitglied und Marketingchef Greg »Joz« Joswiak gegenüber dem SPIEGEL solche Theorien und liefert eine andere Erklärung: »Die persönliche Siri haben wir damals in Aktion gezeigt. Da war sie noch nicht ganz fertig, aber wir hatten gehofft, sie später im Jahr finalisieren zu können. Die Fehlerquote war uns dann aber immer noch zu hoch, also dachten wir, wir könnten sie vielleicht im Frühjahr ausliefern. Aber auch dann hat sie unseren Qualitätsansprüchen nicht genügt.«
»Für unsere Kunden einfach nicht zufriedenstellend«
Joswiak weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass die damals gezeigten Videos tatsächlich die damalige Arbeitsversion der KI-Assistentin zeigten und nicht etwa Computeranimationen waren. Im Frühjahr 2025 hätte Apple die neue, persönliche Siri dann veröffentlichen können, sagt der Topmanager, »sie war ja da«. Doch nach seiner Einschätzung wäre Siri in der damals verfügbaren Variante »für unsere Kunden einfach nicht zufriedenstellend gewesen, wenn sie nicht oft genug getan hätte, was sie sollte.«
Apple-Manager Greg Joswiak: »Die Fehlerquote war uns zu hoch«
Foto: AppleDas Management des iPhone-Konzerns habe deshalb »die harte Entscheidung getroffen, zu erklären, dass die persönliche Siri später kommen wird. Wir haben damals gesagt, dass Siri im kommenden Jahr, also 2026, kommen würde.« Damit stellt Joswiak klar: Es lohnt sich nicht, auf eine Veröffentlichung noch in diesem Jahr zu warten.
Die nötigen Umbauarbeiten, um die KI-Siri zu einem zuverlässigen Assistenzsystem zu machen, sind offenbar so umfangreich, dass es mehr als nur ein paar Monate dauern wird, eine veröffentlichungsreife Version zu entwickeln. Laut Bloomberg hatte die Malaise einen drastischen Umbau des Apple-Managements zur Folge . Manager John Giannandrea musste die Siri-Entwicklung an den Management-Kollegen Mike Rockwell abgeben. Ein Neustart.
Apple Intelligence läuft
Während Rockwell nun mit einem neu aufgestellten Team einen zweiten Anlauf nimmt, Siri zu dem zu machen, was Apple 2024 versprochen hat, konzentriert sich Apple darauf, Apple Intelligence um neue Funktionen zu erweitern und verspätet nachzuliefern. »Auf der letzten WWDC hatten wir über eine Reihe von Funktionen gesprochen und erklärt, dass einige von ihnen in den kommenden Monaten kommen würden. Und wir haben fast alle von ihnen geliefert. Wir haben weit über 20 große Apple-Intelligence-Funktionen geliefert«, sagt Joswiak.
Mit dem für den Herbst angekündigten iOS 26 soll die KI etwa Telefonate und Chats nahezu in Echtzeit in mehrere Sprachen übersetzen und erkennen können, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Ähnliche Funktionen, bei Google etwa »Circle to Search« genannt, gibt es bereits für Android.
Funktionen, die es sonst nicht gäbe
Mit den universellen Fähigkeiten etwa von ChatGPT und Gemini hat das wenig zu tun, aber das sei auch nicht Apples Ziel, sagt Joswiak: »Wir wollen nicht einfach einen weiteren Chatbot entwickeln.« Er schätze die vorhandenen Angebote und nutze sie »andauernd«.
Aber: »Wir wollten unseren eigenen Weg gehen. Für uns ist generative KI eine technologische Grundlage, die es uns ermöglicht, Funktionen, Betriebssysteme und Produkte zu verbessern. Wir betrachten generative KI als etwas, das wir überall in unsere Betriebssysteme und Funktionen integrieren können.« Deshalb gebe es auch nicht »den einen Ort, an dem man Apple Intelligence findet. Apple Intelligence ist da, wo du bist. Es steckt in den Apps, die du nutzt, ermöglicht Funktionen, die es sonst nicht gäbe.«
Laut Joswiak, der während der WWDC sein 39-jähriges Betriebsjubiläum feierte, ist dieser Ansatz tief in Apples DNA verankert. »Im Laufe unserer Geschichte haben wir uns immer bemüht, die Technologie in den Hintergrund treten zu lassen. Wir wollen es leicht machen, Dinge zu erledigen, ohne dass man über die Technologie dahinter nachdenken muss«, sagt der Manager. »Man sollte nicht darüber nachdenken müssen, wenn man generative KI verwenden will; sie sollte einfach helfen.«