Neue Küchengeräte Drei weltweit erste Dampfschubladen
Miele-Dampfgarschublade: Drei Marken wollen Dampf machen
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELFür Siemens ist »die weltweit erste Dampfschublade« der »unbestrittene Star« auf dem Ifa-Messestand der Firma in Berlin. Daran ließ die Präsentation des neuartigen Küchengeräts auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Messe keine Zweifel. Traditionell läutet das Münchner Unternehmen mit seiner Veranstaltung die Pressetage der Berliner Messe ein. In diesem Jahr mit ein wenig Trara, denn die Firma feiert »100 Jahre Siemens Backöfen«. Da war die Präsentation der ersten Dampfschublade eine passend exklusive Neuheit.
Aber nur ganz kurz.
Direkt im Anschluss an Siemens zeigte Miele seine Ifa-Innovationen, und die haben es in sich. Das Highlight sind die Outdoorküchen, mit denen das Unternehmen neue Märkte erschließen will. Das Herzstück sind teils vernetzte Gasgrills, deren Preise bis zu 6000 Euro betragen, ergänzt von Outdoor-Küchenmobiliar, weiteren Geräten und Zubehör. Ein Hingucker sind auch die mit Sensoren ausgestatteten Töpfe und Pfannen der Firma, die Überkochen und Anbrennen verhindern sollen, indem sie mit dem Kochfeld kommunizieren. Als dann aber »die erste Dampfgarschublade« als Weltpremiere angekündigt wurde, konnten sich diejenigen, die zuvor schon bei Siemens waren, ein Kichern nicht verkneifen.
Siemens-Dampfschublade: Mit einer Stunde Vorsprung die erste der Welt
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELWenig überraschend war, dass kurz nach Siemens und Miele auch Bosch auf seiner Ifa-Pressekonferenz eine Dampfschublade präsentierte. Das ergibt Sinn, schließlich gehören Bosch und Siemens zur BSH Hausgeräte GmbH. Viele Produkte der beiden Marken sind baugleich oder bauähnlich, werden nur mit unterschiedlichen Bezeichnungen vermarktet. So dürfte es nun auch mit der Dampfschublade sein. Und weil man sich wohl konzernintern abspricht, wusste man bei Bosch, dass Siemens eben die Ersten sein werden. So hat Bosch seine Dampfschublade schlicht als »seine erste« bezeichnet.
Was ist eine Dampfschublade?
Die merkwürdige Bezeichnung der vermeintlichen Weltneuheiten hat ausgesprochen beschreibenden Charakter. Tatsächlich handelt es sich um Schubladen, in denen Dampf steckt. Im Grunde handelt es sich um verkleinerte Dampfgarer. Falls Sie mit diesem Begriff nichts anfangen können: Meist sind es Geräte im Format eines Backofens, in denen Speisen mithilfe von heißem Dampf gegart werden.
Fans dieser Zubereitungsmethode betonen, dass man etwa Gemüse, Fisch und Fleisch auf diese Weise besonders schonend zubereiten kann. Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe bleiben dabei erhalten und sollen aromatischer schmecken. Weil man kein Fett oder Öl benötigt, ist das auch noch gesund. Zudem kann man solche Geräte auch verwenden, um bereits gekochte Speisen schonend aufzuwärmen, ohne zu riskieren, dass diese dabei austrocknen. Man kann den heißen Dampf auch nutzen, um etwa Babyflaschen oder Einmachgläser zu desinfizieren.
Und jetzt gibt es all diese Möglichkeiten eben auch im Schubladenformat.
Das ist schon etwas Besonderes. Denn auch wenn die neuen Dampfschubladen auf den Messeständen meist unterhalb von Backöfen eingebaut sind, muss das nicht so sein. Alle drei Geräte haben eine Standardbreite von 60 Zentimetern und sind 14 bis 15 Zentimeter hoch. Damit dürften sie in vielen Küchen in die Aussparungen passen, die dort etwa für Geschirrschubladen und Ähnliches vorgesehen sind. Alles, was man dann noch benötigt, ist eine Steckdose. Das Wasser für die Dampferzeugung füllt man vom Wasserhahn aus in einen Wassertank ein.
Dass Siemens, Miele und Bosch nun zeitgleich auf dieselbe Idee gekommen sind, macht schon stutzig. Die Frage, ob es da eine Zusammenarbeit gegeben haben könnte, weist Miele jedoch weit von sich. Das Thema habe wohl in der Luft gelegen.
Eine andere Theorie besagt, dass Entwickler der drei Marken nach einer Fachtagung in einer Bar saßen und nach einer hinreichenden Menge geistiger Getränke gemeinsam das Konzept eines Dampfgarers im Schubladenformat erdachten.
Aber diese Theorie ist genau das: pure Theorie, vollkommen unbestätigt und wahrscheinlich sehr unwahrscheinlich.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes war die Rede von der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH, das Unternehmen trägt inzwischen jedoch den Namen BSH Hausgeräte GmbH und produziert Geräte unter verschiedenen Markennamen. Wir haben die Formulierungen angepasst.