Meta Connect: Mark Zuckerberg stellt KI-Gadget für den Schlüsselbund vor - DER SPIEGEL
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Neue Produkte von Meta Zuckerberg stellt KI-Gadget für den Schlüsselbund vor

Weltweit wird diskutiert, ob eine ungezügelte künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen könnte. Meta-Chef Zuckerberg setzt dagegen auf totale Verniedlichung: Ein winziges Gadget soll KI noch stärker in den Alltag von Nutzern bringen.
Muse-Charm-Prototyp: KI am Schlüsselbund
Muse-Charm-Prototyp: KI am Schlüsselbund

Muse-Charm-Prototyp: KI am Schlüsselbund

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Carlos Barria / REUTERS

Mit einem Gadget im Tamagotchi-Format will der Facebook-Konzern Meta seine KI mobil machen. Das von Mark Zuckerberg auf der Konferenz Meta Connect gezeigte Gerät hat einen kleinen Touchscreen, über den man es wie ein Smartphone steuern soll. Anders als ein Handy soll es allerdings keine Telefonate oder Videogespräche ermöglichen. Stattdessen ist es ganz für den Zugriff auf Metas KI-Software zugeschnitten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa verfügt das Muse Charm getaufte Gadget über ein Mikrofon, zwei Kameras sowie eine Internetanbindung über 5G-Mobilfunknetze.

Viel mehr hat Zuckerberg zu dem Gerät nicht preisgegeben. Noch sei es nicht ganz fertig, schränkte der Meta-Chef ein, einige Materialien und Komponenten müssten noch festgelegt werden. Dennoch kündigte er an, Muse Charm rechtzeitig zur Weihnachtssaison auf den Markt bringen zu wollen. Angaben dazu, was das KI-Gadget kosten und in welchen Ländern es angeboten werden soll, machte er nicht.

Mark Zuckerberg bei der Meta Connect: KI zum Mitnehmen im Miniaturformat

Mark Zuckerberg bei der Meta Connect: KI zum Mitnehmen im Miniaturformat

Foto: Jeff Chiu / AP

Seinen auf den Alltag zugeschnittenen KI-Assistenten Muse, der die Grundlage für Charm bildet, hatte Meta erst vor wenigen Wochen in den USA herausgebracht. In Deutschland ist er noch nicht verfügbar. Muse soll Anwendern Alltagsaufgaben wie Einkäufe abnehmen und sogar Bankgeschäfte erledigen können.

Erneuter Angriff auf Apple und Google

Die Präsentation des Muse Charm ist eine erneute Attacke auf die Dominanz der Betriebssysteme von Apple und Google im Smartphonegeschäft. Meta hatte in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, unter anderem mit Brillen für virtuelle Realität (VR) eine neue Computerplattform für die Zukunft zu etablieren. Das Smartphone erweist sich jedoch bisher weiterhin als der dominante Alltagscomputer. Der neue Apple-Chef John Ternus machte jüngst bei der Vorstellung neuer iPhone-Modelle deutlich, dass der Konzern seine Mobiltelefone weiterhin als tragende Säule des digitalen Alltags sieht.

Mit dem Charm übernimmt Meta die Führung bei Versuchen, ein Gerät auf den Markt zu bringen, mit dem man auf KI-Dienste zugreifen kann, ohne ein Smartphone aus der Tasche ziehen oder eine KI-Brille tragen zu müssen. Bisher war bekannt, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI an einem derartigen Produkt arbeitet. Das KI-Unternehmen hatte dafür den ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive an Bord geholt. Ive hatte das Aussehen und die Funktionsweise von iPhone, iPad und anderen Geräten mitgeprägt.

Mark Zuckerberg auf der Meta Connect: KI-Entwickler und Brillenhändler

Mark Zuckerberg auf der Meta Connect: KI-Entwickler und Brillenhändler

Foto: Jeff Chiu / AP

Das Projekt geriet zuletzt allerdings in schwieriges Fahrwasser. Apple wirft OpenAI in einer Klage vor, Geschäftsgeheimnisse von abgeworbenen Mitarbeitern zu verwenden. Dem iPhone-Konzern zufolge arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI.

An der Konkurrenz »vorbeigeschlichen«

Meta sei es gelungen, sich an Rivalen wie OpenAI »vorbeizuschleichen«, kommentiert nun Branchenanalyst Avi Greengart von der Beratungsfirma Techsponential. Auf absehbare Zeit werde zwar kein Gerät das Smartphone ersetzen. »Aber kann es ergänzt werden? Absolut!« Meta habe zwar das Problem, dass viele Menschen dem Konzern beim Datenschutz misstrauten, meint Greengart, doch das würde dem Erfolg seiner Produkte keinen Abbruch tun.

»Wir nehmen das sehr ernst«

Sehr umstritten sind derzeit allerdings KI-Brillen, die Zuckerbergs Unternehmen in Kooperation mit den Brillenmarken Ray-Ban und Oakley entwickelt hat. Hintergrund der Aufregung ist, dass manche Nutzer die Brillen verwenden, um heimlich Fotos und Videos von Frauen zu machen, die sie dann ohne Zustimmung der Frauen im Internet verbreiten.

Metas zuständiger Topmanager Alex Himel sagte der dpa, sein Unternehmen gehe gegen solchen Missbrauch der KI-Brillen vor: »Wir nehmen das sehr ernst.« Alle Brillen, bei denen die LED-Leuchte manipuliert wurde, die umstehenden Personen eine laufende Aufnahme signalisieren soll, seien abgeschaltet worden. Es habe sich um weniger als 0,1 Prozent der Geräte gehandelt.

Meta scanne auch Plattformen wie Instagram und Facebook, um Videos mit heimlich gemachten Aufnahmen zu finden, erklärte Himel: »Und dann löschen wir nicht nur die Inhalte, sondern blockieren auch die Accounts.«

Außerdem versuche Meta, bekannter zu machen, dass das Licht an der Vorderseite der Brillen auf eine laufende Kamera hinweise, heißt es vom Manager: »Wir wollen, dass die Leute das wissen.« Aus Sicht von Meta ist die Anzeige bei seinen Glasses deutlicher sichtbar als bei anderen Arten von Geräten, mit denen man ebenfalls Aufnahmen machen kann, wie etwa Smartphones.

KI-Brille ohne Kamera

Wohl auch um der Kontroverse etwas entgegenzustellen, bringt Meta nun eine Variante seiner KI-Brillen auf den Markt, die keine Kamera hat. Mit Preisen ab 349 Euro ist das Ray-Ban Meta Audio genannte Gerät 100 Euro günstiger als die Varianten mit Kamera. Es soll auch weitgehend dieselben KI-Funktionen haben und sich etwa für Telefonate und zum Musikhören eignen.

Mangels Kamera wird man die KI mit ihm aber beispielsweise nicht fragen können, auf welches Gebäude man gerade blickt. Davon abgesehen sind gerade die per Sprachbefehl auslösbaren Kameras bisher ein wichtiges Verkaufsargument für Metas Brillen. Und es stellt sich die Frage, ob Unbeteiligte überhaupt erkennen würden, dass es sich um kameralose Brillen handelt. Von außen ist das schwer einzuschätzen.

Neues Meta-Ray-Ban-Modell: Können Sie erkennen, ob da Kameras drin sind?

Neues Meta-Ray-Ban-Modell: Können Sie erkennen, ob da Kameras drin sind?

Foto: Carlos Barria / REUTERS

In Deutschland bringt Meta nun auch seine Meta Ray-Ban Display auf den Markt. Sie unterscheidet sich insofern von den anderen Smartglasses des Unternehmens, als bei ihr in einem der Brillengläser ein kleines Display steckt, über das Informationen ins Sichtfeld eingeblendet werden können. In den USA ist das Gerät seit fast einem Jahr erhältlich, in Deutschland wird es ab dem 13. Oktober für 899 Euro verfügbar sein.

Gegenstück zu Apples Vision Pro

Zugleich gibt Meta auch bei seinen Brillen für virtuelle Realität (VR) nicht auf. Im Frühjahr soll ein neues Modell auf den Markt kommen, das leichter und deutlich dünner ist als Geräte der Konkurrenz. Die Meta VR Glasses wiegen nur 100 Gramm. Dagegen wirken selbst die kompaktesten bisherigen VR-Headsets klobig.

Zudem haben Metas VR Glasses die Form einer gewöhnlichen Brille. Statt Gläsern hat man bei ihnen Displays vor den Augen, die ein scheinbar riesiges Bild erzeugen können. Das geringe Gewicht wird unter anderem dadurch erreicht, dass der Computer, der die Displays mit Daten speist, in ein externes Gerät von der Form und Größe einer Powerbank ausgelagert wurde. Es ist per Kabel mit der Brille verbunden.

Meta VR Glasses: Leichter und günstiger als Apples Vision Pro

Meta VR Glasses: Leichter und günstiger als Apples Vision Pro

Foto: Carlos Barria / REUTERS

Mit den VR Glasses tritt Meta in direkte Konkurrenz zu Apples Vision Pro, die eher das Format einer schweren Skibrille mit Aluminiumrahmen hat. Genau wie die Apple-Brille soll sich auch Metas Modell dafür eignen, Filme und Serien anzuschauen. Es ist aber auch von 3D-Sportübertragungen sowie der Nutzung als PC-Monitor die Rede. Zudem eignet sich die neue Brille, um VR-Games wie »Beat Saber« zu spielen, wie Meta-Manager Andrew Bosworth auf der Meta Connect zeigte.

Mark Zuckerberg betonte bei der Vorstellung, dass seine VR Glasses deutlich leichter seien als die Vision Pro. In den USA soll die neue VR-Brille 1299 Dollar kosten, während Apple sein Gerät ab 3699 Dollar verkauft. Bei einer Vorführung in Kalifornien wirkte die Bildqualität der Meta-Brille allerdings etwas schlechter als bei der Vision Pro, was an der geringeren Auflösung ihrer Bildschirme liegen könnte. In Deutschland soll das Gadget ab dem Frühjahr 2027 erhältlich sein. Einen Euro-Preis nannte Meta noch nicht.

mak/dpa