Abhörschutz im Abo Secusmart will Handytelefonate per App verschlüsseln
Ankündigung auf der Cebit: App für abhörsichere Telefonate
Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERSHannover - Die Düsseldorfer Firma Secusmart hat den Massenmarkt für sich entdeckt. Das Unternehmen, das auch Behörden und die Bundesregierung mit abhörsicheren Handys beliefert, kündigte auf der Cebit an, seine Technik für verschlüsselte Handytelefonate jedermann zugänglich machen zu wollen. Gemeinsam mit Vodafone will die Firma einen als "Secure Call" betitelten Dienst anbieten, der über eine App auf verschiedenen Smartphones verfügbar sein soll.
Die Partner sehen vor allem Unternehmen als Zielgruppe. Der Preis für das Angebot werde bei etwa zwölf Euro pro Monat und Gerät liegen, sagte Vodafone-Manager Philipp Lacor. Als ersten Schritt werde es eine Anwendung für das Google-System Android geben. Danach sollen entsprechende Apps auch für andere Plattformen veröffentlicht werden, sagte Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle der Nachrichtenagentur dpa.
Technisch werden Telefonate von der Secusmart-App in Form verschlüsselter Datenpakete, statt einfach als Sprache, übertragen. "Wir versuchen, die Technologie in die gewohnten Abläufe einzubinden und so gut es geht den Weg über eine separate App zu vermeiden", sagte der Secusmart-Chef. Der Dienst sei in das Android-System leichter zu integrieren als in Apples iOS. Auch Metadaten, wie die Nummer des Anrufers werden von der Technik geschützt. Behörden hätten gemäß der rechtlichen Vorgaben aber nach wie vor Zugriff auf solche Informationen.
"Panzerwagen-Lösung"
Vodafone stelle steigendes Interesse an sicherer Telefonie im Geschäftskunden-Umfeld fest, sagte Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum. "Das ist im vergangenen Jahr durch die NSA-Debatte und das Problem der Wirtschaftsspionage noch verstärkt worden." Deutschland habe viele Unternehmen, in denen schützenswerte Technologien besonders wichtig seien. Der Schutz von Sprachtelefonie sei bisher aber mit hohen Kosten verbunden gewesen: "Da gab es bisher nur die Panzerwagen-Lösung, wie das sichere Telefon von Frau Merkel."
Schulte-Bockum deutete an, dass Vodafone bei einem Erfolg in Deutschland auch an einer internationalen Vermarktung des Angebots interessiert wäre. Bereits in der ersten Stufe wird der Dienst auch von ausländischen Gesellschaften der teilnehmenden deutschen Unternehmen zu nutzen sein. Auch wenn eine Firma Sim-Karten eines anderen Mobilfunk-Anbieters im Einsatz hat, können diese Geräte eingebunden werden.
Secusmart und Vodafone bauen mit ihrem Angebot auf das gestiegene Sicherheitsbewusstsein nach dem NSA-Skandal. Im vergangenen Herbst sorgten Enthüllungen für Aufsehen, wonach ein Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel jahrelang vom US-Geheimdienst abgehört wurde. Die Verschlüsselung des betagten, aber für Sprachtelefonie noch viel genutzten Mobilfunk-Standards GSM gilt als brüchig.
Secusmart war im vergangenen Jahr im Tandem mit dem Gerätehersteller Blackberry als ein Lieferant abhörsicherer Smartphones für Bundesbehörden ausgesucht worden. Bei diesem Auftrag ist der Secusmart-Dienst für verschlüsselte Telefonate an die Handys des angeschlagenen Smartphone-Pioniers gebunden. Der zweite Lieferant des Bundes ist die Deutsche Telekom mit einem abgesicherten Telefon auf Basis von Samsungs Galaxy S3.