Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •WormGPT generiert betrügerische E-Mails Kriminelle Intelligenz
Heute habe ich eine E-Mail bekommen, die ich direkt an unsere IT-Sicherheitsexperten im Haus weitergeleitet habe, mit den Worten »das hier wirkt wie ein Phishingversuch . Habe den Anhang nicht geöffnet, könnte auch einfach miese PR sein«.
Die betreffende Mail war korrekt formuliert, aber im Betreff ging es um irgendwas mit »Mehr Geld verdienen«, dazu ein bemüht-launiger Text, der wohl zum Öffnen des Anhangs animieren sollte. Absender war augenscheinlich eine Firma, um deren PR ich definitiv niemals gebeten hatte.
Die Antwort unserer internen Fachleute kam schnell: »Harmlose und angestaubte PR-Maßnahme. Es lohnt sich nicht, das Dokument überhaupt zu öffnen«. Zumindest sei keine Schadsoftware im Anhang versteckt.
Dieser Newsletter könnte jetzt abbiegen in eine Klage über PR-Mails aus der Sicht eines Betroffenen. Aber erstens habe ich die schon geschrieben. Und zweitens gibt es einen technischen Grund, warum ich gerade besonders vorsichtig bin: KI. Künstliche, oder in diesem Fall: kriminelle Intelligenz.
Phishingversuche könnten dank KI zunehmen
Foto: sarayut Thaneerat / Moment / Getty ImagesLaut Sicherheitsforschern macht nämlich in Untergrundforen gerade eine Software namens WormGPT die Runde. Der Dienst generiert – ähnlich wie ChatGPT – Texte, allerdings für Kriminelle: brauchbare Phishing- oder Betrugs-E-Mails in verschiedenen Sprachen. Die Experten der in Kalifornien beheimateten Firma SlashNext haben die KI auf die Probe gestellt und eine E-Mail angefordert, mit der ein nichts ahnender Buchhalter unter Druck gesetzt werden sollte, eine betrügerische Zahlung zu veranlassen. Sie schreiben : »Die Ergebnisse waren beunruhigend. WormGPT produzierte eine E-Mail, die nicht nur bemerkenswert überzeugend war, sondern auch strategisch klug.«
Wenn ich eine Firma hätte, die von der Sorge anderer Firmen vor kriminellen Hackern lebt, würde ich das natürlich auch so schreiben. Das Gruselszenario von KI-generierten Phishingfluten geht seit Monaten um, ist ja auch naheliegend. Wenn Textgeneratoren ordentliche Dankesbriefe, Gedichte oder Präsentationen schreiben können, sollten sie auch betrügerische Anschreiben hinbekommen – wenn die Texteingaben passen und die Schutzvorkehrungen fehlen.
Mit WormGPT hat dieser Fall jetzt einen konkreten, wenn auch etwas albernen Namen. Das Modell basiert auf dem quelloffenen GPT-J und wurde angeblich für kriminelle Einsatzzwecke feinjustiert. Filter, die in ChatGPT oder Googles Bard den Missbrauch der Technik verhindern sollen, fehlen in so einem Modell ganz einfach.
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Das nächste derartige Werkzeug wird vielleicht CriminaLLLama heißen (oder so) und auf Metas soeben veröffentlichtem Code für sein eigenes Sprachmodell Llama 2 basieren.
Wenn derartige Modelle erst einmal kursieren, sind sie für Betrüger vermutlich praktischer als zum Beispiel gehackte Zugänge zum originalen ChatGPT. Denn um mit der Software von OpenAI eine Phishingmail zu erzeugen, braucht man unter Umständen noch spezielle Kommandos zum Überlisten der Schutzfilter .
Kein Wunder also, dass WormGPT Geld kostet. Stolze 60 Euro pro Monat werden dafür fällig, zahlbar in Kryptowährungen . Zum Vergleich: Microsoft will seinen Firmenkunden für die eigene KI nur 30 Dollar pro Monat und Nutzer berechnen. Wie viele Kriminelle ein WormGPT-Abo abschließen und es dann schaffen, diese Investition wieder reinzuholen, wage ich nicht vorherzusagen. Im besten Fall ist WormGPT also noch mehr Hype als ChatGPT.
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