"Jack the Ripper": Gemeinsam gegen den Ripper
Erweiterung für "Assassin's Creed: Syndicate" W, Mitte 40, sucht einen Serienmörder
Im Sommer letzten Jahres eröffnete im Londoner East End ein "Jack the Ripper"-Museum und sorgte für Empörung: Der Bauantrag galt nämlich für ein Museum der Frauenbewegung, in dem der Kampf der Suffragetten und anderer früher Frauenrechtlerinnen für Gleichberechtigung und Wahlrecht vorgestellt werden sollte. Und jetzt zog dort Jack the Ripper ein, der durch bestialische Morde an Frauen bekannt und geächtet wurde.
"Assassin's Creed Syndicate: Jack the Ripper" dreht den Spieß um und jubelt Spielern, die bei einem Serienmörder Grusel erwarten, einen kleinen Kurs in Sachen Frauenrechte unter.
"Jack the Ripper" ist ein kostenpflichtiges Add-on zu "Assassin's Creed: Syndicate" und - man kann es vorwegschicken - es ist bedauerlich, dass die Erweiterung nur dann gespielt werden kann, wenn man das Hauptspiel besitzt. Schließlich mutet "Jack the Ripper" Spielern inhaltlich einiges zu und geht neue Wege, wenn auch nicht unbedingt spielerisch. Da greift es auf das bewährte "Assassin's Creed"-Gameplay zurück: schleichen, klettern, unerkannt morden oder offen kämpfen. Das Arsenal wurde um einige nicht tödliche Angstattacken erweitert. Wer "Assassin's Creed" kennt, wird sich hier schnell zurechtfinden.
Die Frage nach Geschlechterrollen
An anderen Punkten werden Spieler, die Stereotypen erwarten, zu knabbern haben. Die Protagonistin ist Evie Frye, eine Frau Anfang vierzig, der man ihr Alter ansieht und die damit eine der ersten Frauen im Mainstream-Gaming sein dürfte, die vom Jugendwahn abweicht. Und die dabei auch noch Fragen nach Geschlechterrollen und der Unterdrückung von Frauen stellen darf, die in spitzen Bemerkungen das Thema Wahlrecht anspricht und die Prostituierten Beistand gewährt. Sie sind es schließlich, die unter dem Ripper leiden.
Ebenso leiden sie unter der Gesetzgebung, die von ihnen Gesundheitsprüfungen verlangt und sie bei übertragbaren Krankheiten zur Heilung ins Gefängnis steckt. "Jack the Ripper" lässt Prostituierte selbstbewusst auftreten und macht aus ihnen kein schmückendes Beiwerk, das etwas anrüchig sein soll und vielleicht sogar wagemutig. Es gibt ihnen sogar so etwas wie Würde.
Natürlich: Die Botschaft ist relativ subtil verpackt und erschließt sich nur beim aufmerksamen Spielen. Der Fokus des Spiels liegt auf dem Kampf zwischen Evie Frye und dem Ripper, der ein paar denkwürdig-brutale Auftritte hat. Es geht darum, ihn zu fassen und einer neuen - dem Thema der "Assassin's Creed"-Spiele angepassten - Verschwörungstheorie zu folgen, die danach fragt, wer das Monster geschaffen hat. Und weshalb.
"Assassin's Creed Syndicate: Jack The Ripper" von Ubisoft, Download für Playstation 4, Xbox One und PC, 14,99 Euro, Hauptspiel erforderlich; USK: Ab 16 Jahren