Durchgespielt: "Call of Juarez: Gunslinger" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Durchgespielt: "Call of Juarez: Gunslinger"

Foto: Ubisoft

"Call of Juarez: Gunslinger" Western von gestern, Witze von heute

"Call of Juarez: Gunslinger" ist eine echte Überraschung. Während der Vorläufer dröge und nervig ausfiel, ist dieses Westernspiel nicht nur unterhaltsam, sondern richtig witzig. Was vor allem dem sehr von sich eingenommenen Erzähler zu verdanken ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Habe ich gerade Apachen gesagt? Nein, es waren die Cowboys, die wie Apachen kämpften." Der Erzähler korrigiert sich, und dann passiert etwas Seltsames: Das Spiel hält kurz an, spult zurück, die Apachen im Bild werden gegen Cowboys getauscht. Der Kampf geht weiter. Ich muss lachen. Nicht das erste und nicht das letzte Mal bei "Call of Juarez: Gunslinger". Das ist unerwartet.

Der letzte Teil der "Call of Juarez"-Serie war nämlich ein verunglückter Ausflug in die heutige Zeit und quälte den Spieler mit Klischees, unlustigen Witzen und nervendem Gameplay. "Gunslinger" setzt neu an, geht zurück in die Zeit der Western-Legenden, lässt Jesse James, Billy the Kid und Butch Cassidy auftreten. Und natürlich Silas Greaves, den Protagonisten des Ego-Shooters.

Er erzählt die Geschichte, seine Geschichte. Nicht so, wie sie in den Groschenromanen steht, die seine Zuhörer im Saloon kennen. Sondern so, wie er sie gerne in den Groschenromanen läse. Silas Greaves ist ein Kopfgeldjäger, alt und grau geworden und doch jemand, der es schafft, seine Zuhörer einzunehmen. Seine Mittrinker hängen an seinen Lippen. Mir macht es Spaß. Greaves erzählt ausschweifend, selbstironisch und ist doch von sich selbst überzeugt. Er war überall dabei, er hat die Banditen zur Strecke gebracht. Natürlich.

Cowboygarn von Anfang bis Ende

Er erzählt diese Geschichte nicht nur in den Zwischensequenzen, sondern auch während der Kämpfe. Deshalb gibt es Pausen im Spiel, deshalb wird zurückgespult, Figuren werden ausgetauscht, Szenen aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Und das ist es, was "Gunslinger" auszeichnet: die Liebe zum Western, die Detailfreude und der Spaß an der Geschichte. "Western von Gestern" mit einem Spiel zu kreuzen, die Gewaltdarstellung aus Sam-Peckinpah-Filmen zu übernehmen und doch nie zu brutal zu werden. "Gunslinger" bleibt immer bewusst, dass es Cowboygarn spinnt, und deshalb ist es von Anfang bis Ende unterhaltsam.

Ein überragendes Spiel ist es dennoch nicht. Dafür ist das Spielprinzip nicht abwechslungsreich genug, erinnert immer wieder an Schießbuden auf der Kirmes, nicht an andere moderne Actionspiele. Dazu gibt es immer wieder Bosskämpfe, die nur mit Glück zu gewinnen sind und für die man zwanzig Anläufe braucht. Weshalb es gut ist, dass "Gunslinger" ein relativ günstiges Downloadspiel ist, das vor allem eines will: kurzweilig unterhalten.


"Call of Juarez: Gunslinger" von Ubisoft, Download für Playstation 3, Xbox 360 und PC, ca. 15 Euro; USK: Ab 16 Jahren

Mehr lesen über

Verwandte Artikel