"Fract OSC"-Test: Ein Spiel von Phosfiend für PC und Mac - DER SPIEGEL
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Spiel "Fract OSC": Wie damals mit dem Synthesizer

Foto: Phosfiend Systems

"Fract OSC" angespielt Wie damals mit dem Synthesizer

In "Fract OSC" für PC und Mac ist der Spieler auf sich allein gestellt. Doch gerade diese Unzugänglichkeit macht den Reiz aus. Oft erinnert das Spiel ans Rumschrauben an alten Synthesizern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Summen hallt durch den Raum, wird lauter. Wie das Brummen einer Hochspannungsleitung, ein statisches Geräusch, das mir fast die Haare hochstehen lässt. Ich versuche, ihm zu folgen, meinen Weg durch die abstrakte Grafik zu finden, in Farben, Formen und Blöcken Wege auszumachen, Brücken oder Treppen. Es ist nicht einfach. Ich fühle mich allein. Ich bin in "Fract OSC" unterwegs.

"Fract OSC" ist eines der unzugänglichsten Spiele der letzten Jahre. Das kleine Entwicklerstudio Phosfiend aus Montreal verzichtet bewusst auf Erklärungen, lässt sich von alten Analog-Synthesizern inspirieren, denn auch diese waren rätselhafte Maschinen, denen man sich nur durch Testen und Tüfteln nähern konnte. So ist es auch bei "Fract OSC": Das Testen ist der Weg und das Ziel. Bewegen und benutzen - mehr Befehle braucht das Spiel nicht. Und es ist gerade diese Unzugänglichkeit, die es so spannend macht.

Ich steige eine Treppe hinab, die Geräusche werden lauter, beginnen Musik zu formen, wie aus einem riesigen, begehbaren Synthesizer. Langsam beginne ich, Dinge zu erkennen. Monolithen, die aus der Erde ragen, abstrakte Felsen. Immer wieder lassen sich Gegenstände bewegen. Ich beginne zu ahnen, dass es Puzzles sind und versuche, die Regeln zu verstehen, um sie zu lösen. Ich will neue Musik entdecken, neue Klänge und weitere Puzzle. Fühle mich tatsächlich wie mit meinem alten Korg-Synthesizer. Daran musste auch geschraubt werden, wenige Millimeter an einem Regler machten große Unterschiede.

"Fract OSC" ist kein Spiel für jeden. Es öffnet sich nur den Spielern, die sich Zeit nehmen, forschen und Geheimnisse aufdecken wollen. Dabei erinnert es mehr an archäologische Ausgrabungen als an ein Spiel, erfordert Forschergeist, Zeit und Geduld. Entsprechend sind die Belohnungen: Wer Puzzles löst, belohnt sich selbst mit der Lösung und wird stolz sein, den Code des Spieles - oder besser gesagt: einen Teil der Codes - geknackt zu haben. Und er wird gleich weitermachen, tiefer eindringen wollen in die Geheimnisse. Sich freuen, dass es noch Spiele gibt, die einen vor ganz neue Aufgaben stellen. Allein aus diesem Grund bin ich froh, dass es so etwas wie "Fract OSC" gibt.

"Fract OSC" von Phosfiend für PC und Mac, 14,99 Euro; Download unter www.fractgame.com 

Das sagen die Anderen: Ein mutiges und gelungenes Experiment, so lassen sich die meisten Kritikermeinungen zusammenfassen. Wer es schafft, sich auf "Fract OSC" einzulassen, findet ein außergewöhnliches Spiel, das Ausdauer belohnt und eine ganz neue Sprache findet.