Schleichspiel: So sieht "Splinter Cell: Blacklist" aus
"Splinter Cell: Blacklist" Der flache Herr Fisher rettet die Welt
Wie eine große Raubkatze schleicht Sam Fisher durch die Dunkelheit. Vor ihm eine Wache. Sie hat nichts gehört. Fisher kommt näher, ganz leise, Schritt für Schritt. Er packt die Wache, schlägt sie bewusstlos und legt sie in einen Müllcontainer. Immer wieder geschieht das in "Splinter Cell: Blacklist", dem Spiel, das Fisher als Protagonisten hat. Und immer wieder halte ich mit ihm den Atem an, habe Angst, dass ich gehört werde. Und ich habe auch Mühe, meine Faszination für "Splinter Cell" zu erklären.
"Splinter Cell" ist eine der erfolgreichsten Spielereihen des letzten Jahrzehnts. Mehr als 22 Millionen Exemplare der Serie hat Ubisoft verkauft, weshalb es neben "Assassin's Creed" eine der wichtigsten Marken der Firma ist. Anfänglich ein reines Schleichspiel mit teils überfrachteter Steuerung, hat es sich in den letzten Ausgaben zu einem eleganten Hybrid verändert, der sowohl Schleichen als auch Action zulässt, jedoch nie zum reinen Shooter wird. Dieses Spiel ist zudem das erste eines neuen Ubisoft-Studios.
Spielerisch funktioniert "Splinter Cell: Blacklist". Der Inhalt ist Weltverschwörungsquatsch auf höchstem Level und deutlich vom Lizenzgeber Tom Clancy beeinflusst: Eine Terrorgruppe namens "The Engineers" greift nacheinander amerikanische Einrichtungen auf der ganzen Welt und vor allem in den USA selbst an. Sie folgen der sogenannten Blacklist - woraus sich der Name des Spiels ableitet.
Batman hat Persönlichkeit, Sam Fisher nicht
Sam Fisher reist durch die Krisenherde der Welt. Er bricht in die Zentrale des iranischen Geheimdienstes ein, durchsucht eine Polizeistation in Bengasi, lässt sich in Guantanamo einbuchten, um wieder auszubrechen. Er befreit die U-Bahn von Philadelphia von Terroristen, kämpft sich durch eine von Terroristen besetzte Flüssiggasanlage an der Küste von Louisiana und rettet zum Schluss die amerikanische Regierung. Der Mann hat eine Mission. Er ist ein amerikanischer Held, der sich weder von Terroristen noch von seiner Präsidentin aufhalten lässt, wenn es um die Rettung seines Landes geht. So weit, so nervig.
Zum Glück aber ist Sam Fisher einfach nur ein Superheld, den man nicht sonderlich ernst nehmen kann. Er ist wie Batman, der durch die Schatten schleicht und seine Gegner am liebsten im Dunkeln trifft. Mit einem Unterschied: Batman hat Persönlichkeit. Fisher nicht. Er ist ein Protagonist, der manchmal hohle Worte schwingt, kein Charakter, sondern eben nicht mehr als eine Spielfigur.
Wer tötet, kommt schneller weiter
Deshalb kann ich mit ihm spielen und das Setting getrost ignorieren. Ihn mit Gadgets ausstatten, durch Luftschächte kriechen, sich Rohre entlang hangeln und von oben auf Gegner stürzen lassen. Ich kann mit Sonarbrillen durch Wände sehen, die Wege der Gegner verfolgen und meine Angriffe planen. Und überlegen, ob ich ohne zu töten vorgehe und als "Ghost" mehr Punkte sammle, oder ob ich als "Panther" meine Gegner erledige - das geht schneller.
Als Spiel schafft "Splinter Cell: Blacklist" die richtige Balance zwischen Abwarten und schneller Action. Es ist immer heraus- aber selten überfordernd und schafft es, mich in seinen Bann zu ziehen. Trotz gravierender weltanschaulicher Differenzen.
"Splinter Cell: Blacklist" von Ubisoft, für Xbox 360, Playstation 3, WiiU und PC. ab 45 Euro; USK: Ab 18 Jahren