Kaufberatung So sparen Sie mit einem Gebraucht-PC
Seit Oktober 2025 erklimmen die Preise für Arbeitsspeicher (RAM) immer neue Höhen. Im Vergleich zum Spätsommer 2025 kostet RAM derzeit rund das Vierfache. Zudem haben sich SSDs und Grafikkarten verteuert. Das führt nicht nur bei PC-Bastlern zu Frust, sondern treibt auch die Preise für Komplettrechner nach oben. Für alle, die ausgerechnet jetzt gezwungen sind, einen neuen Computer zu kaufen, mögen Gebraucht-PCs sowie die günstigen Mini-PCs aus China als attraktive Alternative erscheinen.
Doch nicht hinter jedem günstigen Angebot steckt ein Schnäppchen. So kursieren Second-Hand-Computer mit Uralt-Hardware, die mit kruden Patches vermeintlich Windows-11-tauglich gemacht wurden, und China-PCs ohne gültige Windows-Lizenz sowie Ladenhüter, die reif für den Elektroschrott sind.
heise medien
In diesem Artikel geben wir Tipps, wie Sie bereits vor dem Kauf erkennen können, ob die Hardware zukunftssicher ist und die Windows-11-Vorgaben erfüllt. In einem Vergleichstest haben wir drei Gebraucht-PCs im c't-Labor auf Herz und Nieren geprüft, die unter 400 Euro kosten und damit billiger sind als so manches RAM-Kit. In unserem Windows-Ratgeber lesen Sie, wie Sie unter anderem die Echtheit des installierten Windows einschätzen können. In einem FAQ beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema China-PC .
Potenter Prozessor
Wenn der bisherige Desktop-PC seinen Geist aufgibt, muss er nicht unbedingt durch ein Neugerät abgelöst werden. Einen gebrauchten Rechner zu kaufen, hat nicht nur finanzielle, sondern auch ökologische Vorteile. So verschlingt die Fertigung eines typischen Desktop-PCs laut dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie etwa 3000 Kilowattstunden (kWh) Energie sowie anderthalb Tonnen Rohstoffe und erfordert unter anderem giftige Chemikalien.
Mindestanforderungen für Windows 11 25H2
Prozessor | 1 GHz, 2 Kerne, 64 Bit, SSE4.2 |
|---|---|
CPU-Serien | AMD Ryzen 2000 oder neuer (Ausnahmen: Ryzen 2000G), Intel Core i-8000 oder neuer (Ausnahmen u.a. Core i-8000B, Core i-1000N) |
RAM | 4 GB |
SSD/Festplatte | 64 GB |
Grafikkarte | DirectX 12 (WDDM 2.0 Treiber) |
Firmware | UEFI, Secure Boot-fähig |
TPM | (f)TPM 2.0 |
Tabelle: Leia Marie Göbser / heise medienQuelle: Christian Hirsch / heise medien
Egal, ob Sie bei einem gewerblichen Händler oder von privat kaufen, sollten Sie zunächst die im Angebot angegebene Hardware prüfen. Wichtigster Punkt ist, dass die Prozessorbezeichnung auf den Kompatibilitätslisten von Microsoft steht, auch wenn der Anbieter Windows 11 vorinstalliert oder Windows-11-Tauglichkeit verspricht. Als grobe Faustregel gilt, dass Sie mit Intel-Prozessoren der achten Core-i-Generation, also Core i-8000 und neuer sowie Ryzen-Prozessoren ab der dritten Generation (AMD Ryzen 3000 und neuer) auf der sicheren Seite sind.
Dennoch finden sich im Handel Gebraucht-PCs mit älteren CPUs, auf denen die Anbieter mit Tricks Windows 11 installiert haben. Bei denen müssen Sie dann aber über kurz oder lang damit rechnen, von der Versorgung mit den wichtigen Sicherheitsupdates abgeschnitten zu werden. Also Finger weg von Uralt-Hardware!
Die Kompatibilitätslisten von Microsoft für Windows 11 helfen leider nur noch bedingt weiter, denn die aktuellen für Windows 11 25H2 führen zwar noch die CPU-Serien, aber nicht die einzelnen Modelle auf. Die ursprüngliche Microsoft-Liste von AMD-Prozessoren hilft für Gebraucht-PCs weiter, dort fehlen lediglich die aktuellen Serien. Bei Intel-Prozessoren verweist Microsoft hingegen ausschließlich auf die Listen von Intel, in denen aber Sonderversionen, darunter speziell für Apple aufgelegte Modelle wie Core i5-8500B und Core i3-1000NG4, enthalten sind. Weil denen das Firmware-TPM 2.0 fehlt, sind sie nicht Windows-11-tauglich. In letzter Zeit sind solche CPUs auch in China-PCs aufgetaucht .
Für flottes Arbeiten empfehlen wir einen Prozessor mit sechs oder mehr physischen Kernen. Damit taugt der Rechner auch für die Bearbeitung von Raw-Fotos und einfachen Videoschnitt. Mit Quad-Cores müssen Sie einige Kompromisse eingehen; sie reichen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und zum Surfen aus. Von Dual-Cores sollten Sie hingegen die Finger lassen. Wenn solch ein Rechner im Hintergrund etwa Updates installiert, reagiert er mitunter zäh, wenn Sie parallel im Web surfen.
Ausreichend Arbeitsspeicher
Beim Arbeitsspeicher sollten Sie selbst für Office-Anwendungen heutzutage mindestens 16 Gigabyte (GB) wählen. Ein Browser mit zehn offenen Tabs belegt rund 3 GB RAM. Zusammen mit parallel laufenden Programmen wie Mail- und Videokonferenzsoftware sowie den rund 4 GB fürs Windows-Betriebssystem sprengt das schnell die 8-GB-Marke. Dann muss das System Daten aus dem Arbeitsspeicher auf die SSD auslagern und der PC lahmt.
Viele Händler bieten bei Gebraucht-PCs für einen Aufpreis von 50 bis 60 Euro beim Kauf ein RAM-Upgrade von 8 auf 16 GB an. Diese Investition sollten Sie wahrnehmen, denn es erspart Kompatibilitätsprobleme mit Speicherriegeln, Sie müssen nicht selbst basteln und erhalten Gewährleistung und womöglich eine Garantie für den funktionierenden Komplett-PC.
Die notwendige SSD-Kapazität hängt stark von Ihrem Anwendungsprofil ab. 256 GB reichen für einen Office-PC. Wer viele Fotos oder gar Videos auf dem Gerät vorhalten möchte, muss aufstocken. Von Rechnern mit Festplatte statt SSD sollten Sie die Finger lassen. Damit macht das Arbeiten keinen Spaß, weil Programme quälend langsam starten.
Für 3D-Spiele eignen sich die wenigsten der angebotenen Gebrauchtrechner, denn ihnen fehlt eine Grafikkarte. Sie müssen deshalb die im Prozessor integrierte Grafik verwenden. Außer Google Maps und Casual Games wie »Die Sims« läuft darauf nichts flüssig. Zum Nachrüsten einer Grafikkarte fehlt Office-PCs das notwendige, leistungsstarke Netzteil. Wer Monitore mit 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) oder höher verwenden will, sollte auf Anschlusstypen wie DisplayPort 1.2 und HDMI 2.0 achten.
Attraktive Second-Hand-Rechner inklusive Windows-Lizenz kosten zwischen 200 und 400 Euro. Teurere Gebraucht-PCs lohnen in der Regel nicht, weil der Preisabstand zu neuen (Mini-)PCs zu klein ist. Ausrangierte Workstations sehen dank hoher Kernanzahl auf den ersten Blick interessant aus. Die Rechenleistung, insbesondere die pro Kern fällt jedoch hinter den modernen CPUs zurück. Zudem verheizen alte Workstations unnötig viel Energie, die Sie ebenfalls bezahlen müssen.
Augen auf beim Händler
Weit wichtiger als die Marke des Gebraucht-PCs ist der Anbieter, insbesondere was Support und die Legalität des installierten Windows betrifft. Wir empfehlen bei einem der zahlreichen renommierten Refurbisher wie AfB, Backmarket, ESM Computer, Green-IT.shop, Harlander, Itsco und Pollin zu schauen. Sie haben außer Second-Hand-Rechnern oft auch andere aufbereitete IT-Geräte wie Notebooks, Monitore, Drucker und Tablets im Programm.
Meist kaufen sie in großem Maßstab ausrangierte und steuerlich abgeschriebene Büro-PCs der Hersteller Acer, Dell, Fujitsu, HP und Lenovo von Unternehmen auf. Manche dieser Rechner verlassen das Firmengelände ohne SSD, damit Daten garantiert nicht in falsche Hände gelangen.
Bewusste Irreführung: Windows 11 läuft nur mit Tricks auf Core-i-Prozessoren der 6. und 7. Generation
Foto: heise medienNach einer Reinigung und der Kontrolle des technischen Zustands erhalten funktionsfähige PCs, falls notwendig, eine neue SSD sowie bei Windows-Rechnern in jedem Fall eine neue Windows-Lizenz. Damit die Gebraucht-PCs ein legales Windows erhalten, hat Microsoft für Aufbereiter eine sogenannte MAR-Lizenz (Microsoft Authorized Refurbisher) aufgelegt. Defekte Rechner dienen als Ersatzteilspender, sodass aus zwei kaputten Geräten ein funktionierendes entsteht.
Als Privatkäufer erhalten Sie bei gewerblichen Händlern die gesetzliche Gewährleistung von 24 Monaten. Der Anbieter kann sie bei Gebrauchtware auf zwölf Monate verkürzen, muss darauf aber vor dem Kauf explizit hinweisen. Manche Händler bieten teils kostenpflichtige, darüber hinausgehende Garantieoptionen an.
Obacht ist bei Handelsplattformen und Marktplätzen wie Amazon, eBay, Otto, Kaufland und Kleinanzeigen angebracht. Dort tummeln sich neben vertrauenswürdigen Händlern auch halbseidene Anbieter, die Gebraucht-PCs verkaufen, die vermeintlich Windows-11-tauglich sind. Doch dahinter verbirgt sich teilweise Uralt-Hardware ohne TPM 2.0, mit Windows-Versionen aus der Steinzeit und lahmen Prozessoren. Bei einem Kauf von privat stehen Sie zudem ohne gesetzliche Gewährleistung da, sodass es deutlich schwieriger ist, den Anbieter bei erst später auftretenden Problemen in Regress zu nehmen.
Falls Sie mit einem Gebraucht-PC liebäugeln, haben wir einen Test von drei Geräten , in dem wir unter anderem auf die technischen Unterschiede zu aktuellen Rechnern eingehen.