Lagebericht des BSI: Mehr als die halbe Bevölkerung hat schlechte Passwörter - DER SPIEGEL
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Warnung der IT-Sicherheitsbehörde Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat schlechte Passwörter

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt in seinem neuen Lagebericht: Bürger schützen ihre Onlinekonten schlechter als im vergangenen Berichtszeitraum. Dabei spielt auch das Alter der User eine Rolle.
Hackerangriff (Symbolbild)
Hackerangriff (Symbolbild)

Hackerangriff (Symbolbild)

Foto: Piero Nigro / aal.photo / IMAGO

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) warnt vor immer größer werdenden Angriffsflächen im Netz, die immer schlechter geschützt sind. Grund dafür sei das Fortschreiten der Digitalisierung, wie aus dem diesjährigen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland hervorgeht. BSI-Chefin Claudia Plattner  präsentiert den Bericht, der dem SPIEGEL vorab vorlag, am Dienstag gemeinsam mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Bundespressekonferenz.

»Die IT-Sicherheitslage in Deutschland blieb im aktuellen Berichtszeitraum auf weiterhin angespanntem Niveau«, heißt es zu Beginn des 136 Seiten langen Berichts. BSI-Chefin Plattner sieht laut dem Bericht einen »Trend zur leichten Beute«. Angreifer hätten es besonders auf »vulnerable Gruppen« abgesehen. Gemeint sind unter anderem kleine und mittlere Unternehmen sowie Vereine und Verbände – aber auch Privatpersonen. »Jede aus dem Internet erreichbare Institution oder Person ist prinzipiell bedroht, jede und jeder ist ein interessantes Ziel«, schreibt Innenminister Dobrindt.

Kleinere Ziele im Visier

Ihnen fehle es laut BSI-Chefin Plattner immer noch an Wissen und Ressourcen, aber vor allem an dem Bewusstsein, dass sie »sehr wohl lohnende Ziele für Cyberangriffe sind«. Das ermögliche Angreifern, mit vergleichsweise geringem Aufwand und einfachen Mitteln großen Schaden anzurichten.

Die Maßnahmen, die Bürger zu ihrem eigenen Schutz ergreifen, lassen laut BSI zu wünschen übrig: Nur 44 Prozent aller befragten Verbraucherinnen und Verbraucher würden demnach im Jahr 2025 starke Passwörter verwenden. Zwei Jahre zuvor waren es noch 53 Prozent. Innenminister Dobrindt nennt den »Trend zur wachsenden Sorglosigkeit« von Verbrauchern »höchst bedenklich«. Dabei scheint auch das Alter eine Rolle zu spielen: Die 50- bis 59-Jährigen würden mehr Schutzmaßnahmen anwenden als die 16- bis 22-Jährigen.

Das Bundeskriminalamt zählt im Berichtszeitraum 950 sogenannte Ransomware-Angriffe, die zur Anzeige gebracht wurden. Damit sei die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Allerdings würden laut Bericht immer häufiger kleine und mittlere Unternehmen angegriffen. Bei solchen Ransomware-Attacken verschaffen sich Angreifer Zugang zu den Computersystemen ihrer Opfer, verschlüsseln wichtige Daten und verlangen dann Lösegeld (auf Englisch »ransom«). Wer nicht zahlt, riskiert, dass die Daten verloren sind oder von den Hackern im Internet veröffentlicht werden.

Wachsende Sorglosigkeit bei Verbrauchenden: »Obwohl viele Schutzmaßnahmen bekannt sind, werden sie weniger genutzt als im Vorjahr«

Wachsende Sorglosigkeit bei Verbrauchenden: »Obwohl viele Schutzmaßnahmen bekannt sind, werden sie weniger genutzt als im Vorjahr«

Foto: Silas Stein / IMAGO

Lösegeldzahlungen gehen zurück

Dass Cyberangreifer vermehrt auf Kleinunternehmen abzielen, zeige sich auch an der sinkenden Bereitschaft, Lösegeld zu zahlen. Im Berichtszeitraum sank die Gesamtsumme der identifizierten Lösegeldzahlungen. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Höhe der Lösegelder. Angreifer hinter der Ransomware Dark Angel erpressten etwa 2024 eine Rekordsumme von 75 Millionen Dollar – von einem einzigen US-Unternehmen.

Zwar sei das Kerngeschäft von Cyberakteuren weiterhin Erpressung, doch auch reine Datenleaks würden laut dem Bericht an Bedeutung gewinnen. Eine Hauptursache seien unzureichend gesicherte Unternehmensdatenbanken, von denen Angreifer vertrauliche Daten wie Geburtsdaten, Namen oder Adressen abgreifen könnten. Im Berichtszeitraum zählt das BSI 461 Leaks mit Daten von deutschen Institutionen und Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Angriffe auch politisch

Cyberangreifer haben nicht nur finanzielle Motive – auch geopolitische Konflikte schlagen sich in der Statistik nieder. Im Februar zählte das BSI laut dem Bericht rund 50 Prozent mehr DDoS-Angriffe. Damals fanden in Deutschland erst die Münchner Sicherheitskonferenz und dann die Bundestagswahl statt. Die oberste IT-Sicherheitsbehörde vermutet, dass Angreifer das »Vertrauen in Medien und Staat« erschüttern wollten.

In Europa gehören Deutschland und Großbritannien weiterhin zu den Hauptzielen von Hackergruppen. Besonders Bundesbehörden stehen unter Beschuss. Im Berichtszeitraum seien im Schnitt täglich mehr als 350.000 Spammails in Regierungsnetzen eingegangen, von denen jedoch ein Großteil abgewehrt wurde. Außerdem habe es deutlich mehr Angriffsversuche von bösartigen Webseiten oder Webservern gegeben.

Das BSI verweist auf Erfolge bei der Bekämpfung von zwei großen Hackergruppen: LockBit und Alphv seien durch internationale Behörden stark eingedämmt oder sogar ganz ausgeschaltet worden. Die beiden Gruppen setzen auf ein in kriminellen Branchen übliches »Affiliate-Programm«, bei dem sie ihre Ransomware an Kriminelle vermieten.