700 Supermärkte betroffen BSI warnt nach Abtau-Attacke vor laschen Sicherheitsmaßnahmen
Abgesperrte Kühlabteilung in Frankreich: Ware ist nicht mehr zum Verzehr geeignet
Foto: Elsa Rancel / OUEST-FRANCE / MAXPPP / IMAGODer Cyberangriff auf französische Supermarktketten mit dem weitreichenden Ausfall von Kühlanlagen alarmiert auch das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). »Die Vorfälle in Frankreich zeigen deutlich, wie Cyberangriffe unseren Alltag beeinflussen und stören können«, erklärte Behördenchefin Claudia Plattner. »Dieser Angriff hätte jedes Land treffen können und kann auch jetzt jederzeit Nachahmer finden«, warnte sie.
Von der Attacke in Frankreich am Wochenende waren nach Regierungsangaben 700 Supermärkte unterschiedlicher Ketten betroffen. Die bislang unbekannten Angreifer hatten demnach über Sicherheitslücken Zugang zu der Steuerung der Kühlanlagen und dort eine Abtaufunktion in Gang gesetzt.
In der Nacht auf den Montag sollen die Geräte auf bis zu 50 Grad aufgeheizt worden sein, wodurch es auch zu einigen Feueralarmen kam. Die Waren in den betroffenen Kühlabteilungen muss nun in vielen Fällen entsorgt werden, da sie nicht mehr zum Verzehr geeignet sind. Akute Lebensmittelengpässe gibt es allerdings nicht. Finanzminister Roland Lescure sprach von einem »Weckruf für alle«.
Hintertür für Wartungstechniker
Ursächlich waren bisherigen Informationen zufolge Sicherheitslücken in den Kühlanlagen des dänischen Herstellers Danfoss und der US-Firma Copeland. Dazu gehörte unter anderem eine Hintertür, mit der Supermärkte externen Technikern temporär Zugang zu den Anlagen geben konnten. Sicherheitsforscher konnten das notwendige Passwort aber leicht knacken.
Zwar hatte Danfoss nach der Publikation der Lücken ein Update veröffentlicht. Dies scheint aber bei vielen Supermärkten nicht angekommen zu sein. Nach Angaben von Sicherheitsforschern waren viele betroffene Systeme weiterhin einfach aus dem Internet zu erreichen. »Danfoss rät seinen Kunden bereits seit Langem, die unterstützten Systeme stets auf dem neuesten Stand der Firmware zu halten und sie hinter einer Firewall zu betreiben«, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Copeland verwies darauf, dass die betroffenen Systeme veraltet gewesen seien.
Nach Auskunft des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels sind bisher keine Attacken auf deutsche Einzelhändler bekannt. Dennoch empfiehlt das BSI ausdrücklich, »aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen nach dem Stand der Technik abzusichern«, erklärte die Bonner Behörde. »Die Sicherheitsmaßnahmen liegen auf der Hand und sind unkompliziert umzusetzen«, fügte sie hinzu.
Konkret rät das BSI, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden, Zugang soll es zudem nur nach einer Multifaktor-Authentifizierung geben. Zudem müssten die Betreiber Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen kurzfristig einspielen.
Unterdessen kämpft der niederländische Einzelhandelskonzern Ahold Delhaize mit einer IT-Attacke, die allerdings nicht mit den französischen Vorfällen in Verbindung zu stehen scheint. Betroffen sind die niederländische Kette Albert Heijn, die belgischen Delhaize-Supermärkte und mehrere Marken in den USA. Zwar können die Kunden weiterhin in den Filialen der Supermärkte einkaufen, doch viele Dienste wie Rabattsysteme oder die Anzeige aktueller Sonderangebote sind derzeit lahmgelegt.